Anziehende Schrottpreise, doch geringes Aufkommen bei den meisten Sorten

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Foto: Pixabay/Michael Gaida

Die Weltrohstahlproduktion sank bis Ende Juli 2020 um 5,3 Prozent. Für das Gesamtjahr sieht die IKB Deutsche Industriebank AG jedoch einen geringeren Rückgang.

Das berichtet die IKB in ihrer neuesten Rohstoffpreis-Information: Chinas Stahlausstoß lag um knapp drei Prozent über dem Vorjahreswert: Das Land dürfte 2020 erstmals über eine Milliarde Tonnen Rohstahl erzeugen. Das Produktionsniveau in Europa und Nordamerika brach dagegen um 19 Prozent ein. In der Türkei fiel der Produktionsausstoß nur um 2,4 Prozent. In Deutschland erwartet IKB im Gesamtjahr eine Tonnage von maximal 38 Millionen Tonnen. Das Produktionsniveau im Inland dürfte aber in der zweiten Jahreshälfte noch leicht anziehen. Die Prognose geht weltweit nicht von einem zweiten Shutdown infolge der Corona-Pandemie aus. Unsicherheiten werden derzeit vor allem für Spanien, Frankreich und die Türkei gesehen. Es besteht weiterhin Handlungsbedarf im Sinne von Safeguard-Maßnahmen.

Impulse aus dem Export: Weitere Preisaufschläge für Schrott erwartet

Im Verlauf des August 2020 zogen die Schrottpreise durchschnittlich um 10 bis 12 Euro pro Tonne gegenüber dem Vormonatsniveau an. Bei etlichen Stahlwerken erfolgte gegen Ende der Sommerferien eine Auffüllung der Vorräte, zumal auch die Orderbücher der Stahlkocher wieder etwas besser gefüllt waren. Allerdings ist das Aufkommen bei den meisten Schrottsorten – vor allem auch bei Neuschrotten aus der Automobilindustrie – infolge von Kurzarbeit oder nicht voll hochgefahrener Produktion gering. Zudem stützten die Exporte in die Türkei das Preisniveau. Die Eisenerz-Spotpreise zogen im August weiter an. Sie bewegten sich zuletzt bei fast 125 US-Dollar pro Tonne. Die IKB erwartet in den nächsten beiden Monaten weitere Preisaufschläge für Schrott von bis zu 20 Euro pro Tonne. Impulse dürften aus dem Export kommen.

Die weiter gestiegenen Spotmarktpreise für Eisenerz frei China liegen rund 45 Prozent über dem Niveau vom Jahresanfang und dürften deshalb zu anziehenden Kontraktpreisen führen. Dies erhöht den Margendruck auf die Stahlpreise. Die europäischen Stahlpreise entwickelten sich weiter unterschiedlich: Die Preise für Warmbreitband zogen im Durchschnitt um fast 20 Euro pro Tonne an, wobei der Sprung ab Monatsmitte erfolgte. Gegenüber Ende Juli 2020 betrug der Anstieg 40 Euro pro Tonne. Verzinkte Bleche erhöhten sich trotz kräftig anziehendem Zinkpreis im Mittel nur um zwei Prozent. Auch Walzdraht verteuerte sich nur um circa 10 Euro pro Tonne. Bei den europäischen Stahlpreisen erwartet die IKB ein weiteres Anziehen im vierten Quartal 2020 von nochmals 20 bis 25 Euro pro Tonne. Allerdings wird davon ausgegangen, dass südeuropäische Lieferanten versuchen, ihre Lieferungen nach Deutschland auszuweiten. Aufgrund der Produktionsentwicklung in Asien dürfen die von der EU ergriffenen Schutzmaßnahmen nicht gelockert werden.

Quelle: IKB Deutsche Industriebank AG

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