Plastiktüten-Verbot beschlossen – Gute Nachrichten für die Umwelt?

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Foto: Pixabay/Mabel Amber

Der Gesetzentwurf des Bundeskabinetts sieht vor, dass Plastiktüten mit einer Wandstärke unter 50 Mikrometer künftig verboten werden. Ausnahmen gibt es für sogenannte Hemdchenbeutel, da deren Verbot derzeit eher zu mehr als zu weniger Verpackungsabfällen führen würde.

Laut Bundesumweltministerin Svenja Schulze sind Plastiktüten der Inbegriff der Ressourcenverschwendung: „Sie werden aus Rohöl hergestellt und oft nur wenige Minuten genutzt. Häufig landen sie in der Umwelt, wo sie über viele Jahrzehnte verbleiben und jede Menge Schäden anrichten können. Die Erfahrungen der letzten Jahre mit der freiwilligen Vereinbarung zeigen: Es geht auch ohne die Plastiktüte beim Einkauf. Immer mehr Menschen gewöhnen sich daran, Mehrwegbeutel dabei zu haben. Momentan liegt der Verbrauch in Deutschland etwa bei 20 Einweg-Plastiktüten pro Kopf und Jahr. Mit einem Verbot kommen wir jetzt auf null. Denn das gilt dann auch für die Händler, die sich bislang nicht an der Vereinbarung beteiligt haben.“

bvse vermutet bloße Symbolpolitik

Der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. hingegen lehnt das Verbot von Kunststofftüten ab und vermutet hinter dieser Entscheidung bloße Symbolpolitik. Kunststofftragetaschen seien optimiert hinsichtlich Materialaufwand und Tragefähigkeit und damit würde schon jetzt das Vermeidungsprinzip des Kreislaufwirtschaftsgesetzes  konsequent umgesetzt, führte der bvse in seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf aus.

Die allgemeine Lebenserfahrung zeige zudem, dass Kunststofftragetaschen für das Einkaufen  häufig mehrfach benutzt werden, also eine umfangreiche Zweit- und Mehrfachnutzung erfahren.  Und dies schließe auch eine Letztnutzung, nämlich die Verwendung von Kunststofftragetaschen als Mülltüten, mit ein. In Deutschland könne außerdem kaum ein Littering von Kunststofftragetaschen festgestellt werden. Umfangreiche Sammelsysteme für Leichtverpackungen und Restmüll verhinderten effektiv deren Eintrag in die Umwelt.

DUH: Gute Nachrichten für die Umwelt

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßt das Verbot von Plastiktüten als richtigen Schritt zur Abfallvermeidung. Thomas Fischer, DUH-Leiter Kreislaufwirtschaft kommentiert: „Nachdem das Bundesumweltministerium jahrelang eine Verbotsregelung von Plastiktüten verweigerte und lieber auf industriefreundliche freiwillige Selbstverpflichtungen setzte, freuen wir uns, dass endlich ein Verbot ausgesprochen wurde.

Es ist richtig, Plastiktüten zu verbieten. Pro Jahr werden in Deutschland zwei Milliarden Einweg-Plastiktüten verbraucht. In jeder Minute fallen hierzulande 3.700 Einweg-Plastiktüten als Abfall an. Für deren Herstellung werden nicht nur begrenzt vorhandene fossile Ressourcen vergeudet und das Klima belastet, sondern sie werden auch vielfach in der Umwelt entsorgt und verschmutzen diese. Tag für Tag zeigen Millionen Verbraucher, dass es ohne geht. Deshalb muss endlich Schluss sein mit Einweg-Plastiktüten. Das heute vom Bundeskabinett beschlossene Verbot von Plastiktüten unterstützt die Nutzung von Mehrweg-Tragetaschen und ist ein wichtiger Beitrag zur Abfallvermeidung sowie gegen Müll in der Landschaft. Diese Initiative sollte auch auf andere Bereiche übertragen werden, in denen Mehrweg sinnvoller ist als Einweg.“

Seit vielen Jahren setzen wir uns dafür ein, dass die verzichtbaren und kurzlebigen Einweg-Plastiktüten verboten werden. So haben wir das Greenwashing mit Bio-Plastiktüten aufgedeckt, die in der Gesamtbetrachtung nicht umweltfreundlich sind. Tütenhersteller und das Chemieunternehmen BASF haben die Aufklärungsarbeit der DUH über die verheerenden ökologischen Folgen von Plastiktüten jahrelang bekämpft. Unter anderem wurde die DUH ohne Erfolg mit einer existenzbedrohenden Schadensersatzklage in Millionenhöhe überzogen. Wir begrüßen, dass das Verbot auch für biobasierte und biologisch abbaubare Plastiktüten gilt, die eben nicht gesamtökologisch vorteilhaft sind.“

Quellen: bvse und Deutsche Umwelthilfe

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