NABU veröffentlicht neue Studie zur Müllverbrennung in Deutschland

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MVA Oberhausen/Ruhrgebiet (Bild: Pixabay)

Bis 2030 können viele Müllverbrennungsanlagen abgeschaltet werden – Potenzial beim Recycling nutzen.

Deutschland verbrennt zu viele Abfälle, die eigentlich gut recycelt werden könnten. Das sind die Erkenntnisse einer neuen Studie des Öko-Instituts und Alwast Consulting im Auftrag des NABU, die am Mittwochabend in Berlin vorgestellt wurde.

Würden wir unsere Abfallgesetze vollständig umsetzen, Abfall konsequent trennen und geltende Recyclingquoten einhalten, müssten wir anstatt aktuell über 26 Millionen Tonnen nur noch 21 Millionen Tonnen Abfälle jährlich verbrennen. Von einem Entsorgungsnotstand, von dem aktuell häufig zu hören ist, wäre dann keine Rede mehr. Über ein Fünftel der derzeitigen Verbrennungskapazitäten deutscher Müllöfen könnte so reduziert werden. Im Szenario der Studie sinken die Abfälle zur Verbrennung sogar um mehr als ein Drittel auf 17 Millionen Tonnen. Die Kreislaufwirtschaft kann somit ihren Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten, wenn die Müllverbrennung eine kleinere Rolle spielt als bisher. Vor allem wird immer noch zu viel Bioabfall verbrannt, statt diesen für die Strom- und Wärmegewinnung zu nutzen.

„In Deutschland haben wir ein riesiges ungenutztes Recyclingpotenzial, das wir ohne gravierende Gesetzesänderungen heben könnten. Dafür brauchen wir aber mehr Kommunen, welche die Biotonne für alle Haushalte einführen und mehr Kreise, die den Gewerbetreibenden bei der Mülltrennung genauer auf die Finger schauen. Außerdem darf die Verbrennung von Plastikabfällen, also von fossilen Energieträgern, nicht länger steuerfrei bleiben. Das sollte auch im geplanten Klimaschutzgesetz festgeschrieben werden“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Auf bessere Getrenntsammlung setzen

Gäbe es eine flächendeckende Biotonne in Deutschland, könnten fast vier Millionen Tonnen des Bio- und Grünguts zu Biogas vergärt und zu Kompost verwandelt werden, statt in den Verbrennungsöfen zu landen. Ähnliches gilt für Verpackungsabfälle: Wenn die Recyclingvorgaben des Verpackungsgesetzes eingehalten würden, könnten eine Viertelmillion Tonnen Verpackungsabfälle als Recyclingmaterial ein zweites Leben erhalten. Mit einer flächendeckenden Wertstofftonne, in der neben Verpackungen auch Produkte aus Kunststoffen und Metallen gesammelt werden, würden knapp eine Million Tonnen Verpackungen in das Recycling geschleust statt in Verbrennungsanlagen. So ließen sich über 3,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Bei Gewerbeabfällen gibt es gesetzliche Vorgaben für mehr Recycling, die jedoch aufgrund fehlender Kontrollen der Gewerbetreibenden und Behandlungsanlagen nicht eingehalten werden. Durch Umsetzung der Gewerbeabfallverordnung könnte man somit weitere 1,7 Millionen Tonnen Abfälle jährlich der Verbrennung entziehen und 3,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Die Studie zeigt außerdem, dass 49 der 66 Müllverbrennungsanlagen in Deutschland bis zum Jahr 2030 modernisiert werden müssen. Diese Modernisierungen, die aufgrund von Materialverschleiß etwa alle 25 Jahre erfolgen müssen, betreffen über 60 Prozent der heutigen Gesamtkapazitäten. Anstatt Hunderte von Millionen Euro in die Sanierung alter Anlagen zu stecken, sollten Bund, Länder, Städte, Kreise und Betreiber auf bessere Getrenntsammlung setzen und gemeinsame Konzepte für den räumlich sinnvollen Rückbau der Verbrennungsanlagen erarbeiten. „Das Geld wäre viel besser aufgehoben, würde man es in eine effektive Entsorgungsinfrastruktur mit mehr Sortierung und Recycling, mehr Abfallberatung und Maßnahmen zur generellen Reduzierung unserer Müllmengen stecken“, sagt NABU-Abfallexperte Michael Jedelhauser.

Zusammenfassung der Studie

Quelle: NABU

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