Recycling: Fraunhofer IWKS schließt Forschungskooperation mit Äthiopien

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Bei der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding (Foto: Fraunhofer IWKS)

Ziel der Vereinbarung ist es, die Entwicklung von Ressourcenstrategien sowie Recyclingtechnologien grenzüberschreitend gemeinsam weiter voranzutreiben.

Die Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS mit Standorten in Alzenau (Bayern) und Hanau (Hessen) hat eine Forschungskooperation mit der Ethiopian Academy of Sciences (EAS) in Addis Abeba (Äthiopien) geschlossen. Dies ist die erste Kooperation auf dem Gebiet Umweltschutz innerhalb der Fraunhofer-Organisation mit einer Forschungseinrichtung in Äthiopien. Ziel der Vereinbarung ist es, die Entwicklung von Ressourcenstrategien sowie Recyclingtechnologien grenzüberschreitend gemeinsam weiter voranzutreiben. Insbesondere liegt der Fokus dabei auf der Rückgewinnung kritischer Elemente aus Elektroschrott, dem Recycling von Kunststoffen und Verpackungsmaterialien sowie der Extraktion von Fasermaterialien aus biologischen Reststoffen.

„Globale Herausforderungen wie Klima- und Umweltschutz machen nicht an nationalen Grenzen halt. Nachhaltiges und ressourcenschonendes Wirtschaften ist daher längst keine Option mehr, sondern ein Muss. Gemeinsam mit unseren Kollegen in Äthiopien wollen wir den Wissensaustausch auf diesem Gebiet fördern und Best Practices teilen“, erklärt Prof. Dr. Rudolf Stauber, geschäftsführender Leiter des Fraunhofer IWKS. „Dabei ist uns besonders wichtig, lokale Stakeholder miteinzubeziehen, denn nur so kann ein nachhaltiger Wandel hin zu mehr Umweltschutz gelingen.“

Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert, der mit einer Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation nach Äthiopien gereist war, sagt: „Es ist ein hervorragendes Zeichen, dass sich Wissenschaftler aus Bayern und Äthiopien zusammentun und ausloten, wo Kooperationsmöglichkeiten liegen. Es braucht nun Partner wie Bayern, die diesem aufstrebenden afrikanischen Land in Wirtschaft, Wissenschaft und politischer Entwicklung helfen und dabei auf Augenhöhe begegnen. Wir haben ein Land gesehen, das viel aufzuholen hat, aber in dem die Menschen den klar erkennbaren Willen haben, voranzukommen. Daher freut es mich besonders, dass die Fraunhofer-Gesellschaft die Initiative für konkrete Kooperationen ergriffen und mit unseren Partnern gleich vor Ort fixiert hat.“

Konzepte für Sammelsysteme und Abfallverwertung

Im Jahr 2011 rief die äthiopische Regierung die Initiative „Climate Resilient Green Economy“ ins Leben. Die Strategie zielt darauf ab, eine umweltfreundliche Wirtschaft zu etablieren, die Äthiopien ermöglicht, seine Wachstumsziele bei gleichzeitig niedrigen Treibhausgasemissionen zu erreichen. Im Rahmen der Initiative wurde beispielsweise 2018 die erste Müllverbrennungsanlage Äthiopiens in Betrieb genommen.

„Die Herausforderungen und Voraussetzungen in Äthiopien sind natürlich nicht die gleichen wie in Deutschland oder in Europa – dennoch haben wir es oft mit ähnlichen Abfallströmen zu tun. So geht es in der Kooperation mit der EAS auch darum, gemeinsam Konzepte für ein Sammelsystem von Abfällen zu entwickeln und dieses dann vor Ort umzusetzen. Darüber hinaus können wir von Äthiopien lernen, indem wir zusammen innovative Recyclingtechnologien entwickeln und testen, die komplett neu etabliert werden und damit oft schneller eingesetzt und wichtige Ergebnisse liefern können“, ergänzt Prof. Dr. Stauber. Weiterhin streben beide Forschungseinrichtungen einen regen Austausch der Wissenschaftler an, beispielsweise über Gastprofessuren oder Studenten.

Im ersten Schritt sollen daher landesspezifische Abfallströme in Äthiopien bewertet werden und darauf aufbauend geeignete Sammelsysteme für Kunststoffabfälle und Elektroschrott evaluiert werden. In der zweiten Jahreshälfte sollen die Erkenntnisse bewertet und Ansätze für die praktische Umsetzung erarbeitet werden.

Als angewandte Forschungseinrichtung arbeitet Fraunhofer national und international mit Partnern aus Forschung und Industrie zusammen, um Erkenntnisse aus der Forschung möglichst schnell umsetzbar zu machen. Seit 2011 treibt das Fraunhofer IWKS die Forschung auf dem Gebiet der Ressourcensicherung maßgeblich voran. Mit der Kooperation in Äthiopien wird die bestehende Forschungsexpertise weiter ausgebaut und ein wichtiger Beitrag zur Lösung globaler Herausforderungen wie Klimaschutz, Ressourcenschonung und Gesundheit geleistet.

Prof. Dr. Rudolf Stauber reiste vom 14. bis 18. April 2019 im Rahmen einer Delegationsreise der Bayerischen Staatsregierung in die Demokratische Bundesrepublik Äthiopien. Der Freistaat Bayern will Äthiopien aktiv bei seiner Entwicklung unterstützen und baut seine internationalen Beziehungen aus.

Quelle: Fraunhofer IWKS

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