Wo liegen die größten Potenziale für eine bessere Kreislaufwirtschaft?

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Müllbunker (Quelle: AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH)

In einer Studie im Auftrag des NABU hat das ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung untersucht, wie viele und welche Rohstoffe in Deutschland verbraucht werden, wie viel recycelt wird und wo die größten Potenziale für eine bessere Kreislaufwirtschaft liegen:

In Deutschland werden jährlich rund eine Milliarde Tonnen Primärrohstoffe abgebaut und weitere 0,7 Milliarden Tonnen Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren importiert. Abzüglich der Exporte von 0,4 Milliarden werden in Deutschland somit etwa 1,3 Milliarden Tonnen Rohstoffe verbraucht. Dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 16 Tonnen pro Jahr. Berücksichtigt man nicht nur das Eigengewicht der Importe, sondern auch den Rohstoffverbrauch, der im Ausland bei der Produktion der importierten Güter anfällt (Vorketten), beträgt der Verbrauch sogar 17 Tonnen jährlich.

Nur ein kleiner Teil der Rohstoffe wird recycelt. Unsere Wirtschaft ist nach wie vor durch eine lineare statt durch eine zirkuläre Struktur gekennzeichnet. Die Zirkularitätsrate (circular material use rate, CMU) beträgt gerade einmal zwölf Prozent.

Eine bloße Konzentration auf das Recycling wird nicht verhindern, dass viele unserer Rohstoffe übernutzt werden

Die Studie „Sekundärrohstoffe in Deutschland“ verdeutlicht, dass zu viele Rohstoffe abgebaut und zu Gütern weiterverarbeitet werden, die dann nach der Nutzung als Abfall verbrannt oder deponiert werden. Die Transformation von einer linearen zu einer zirkulären (oder Kreislauf-)Wirtschaft, in der Produkte langlebig und reparierbar gestaltet und  Abfälle als Ausgangsmaterial für neue Güter genutzt werden, ist überfällig. Dadurch werden Materialkreisläufe geschlossen und weniger Primärrohstoffe der Natur entnommen.

Die Kreislaufwirtschaft umfasst mehr als nur den umweltbewussten Umgang mit Abfällen. Die nachhaltige Produktherstellung und -gestaltung ist eine zentrale Säule der Kreislaufwirtschaft. Hier muss bereits sichergestellt werden, dass die Produkte ressourcenschonend, langlebig und wiederverwendbar sind und der Materialverbrauch somit insgesamt reduziert wird.

Das Recycling von Kunststoffen, Bauabfällen, Metallen und Co. ist ökologisch äußerst wertvoll und muss weiter ausgebaut werden. Eine bloße Konzentration auf das Recycling wird jedoch nicht verhindern, dass viele unserer Rohstoffe übernutzt werden. Denn beim Recycling verbleiben Reststoffe, die entsorgt werden müssen und häufig kann das Recyclingmaterial (Rezyklat) nur in minderwertigeren Produkten eingesetzt werden (Downcycling). Auch sind manche Recyclingprozesse sehr energieintensiv.

Das Potenzial des Recyclings ist begrenzt

Würden alle Abfälle, die jährlich in Deutschland anfallen, vollständig recycelt werden, ließe sich die CMU von zwölf auf gerade einmal 22 Prozent erhöhen. Dieses hypothetische Rechenbeispiel verdeutlicht, dass das Potenzial des Recyclings begrenzt ist – vor allem aus zwei Gründen: Zum einen sind diverse Materialien per se nicht für ein Recycling geeignet. Beispiele sind fossile Rohstoffe wie Kohle und Erdgas, die zur Energiegewinnung verbrannt werden. Auch Biomasse, die als Nahrungs- oder Futtermittel verbraucht wird, kann nicht recycelt werden. Zum anderen sind Rohstoffe in Produkten häufig langfristig gebunden und stehen somit vorerst nicht für ein Recycling zur Verfügung. Beispiele sind Metalle und mineralische Rohstoffe in Gebäuden. Solange jährlich mehr Materialien verbraucht werden als Abfälle anfallen, können Rezyklate nur einen Teil der Primärrohstoffe ersetzen.

Zusätzlich zum Recycling braucht es daher Ansätze, um insgesamt weniger Rohstoffe zu verbrauchen. Hierzu trägt die Energiewende erheblich bei. Je mehr erneuerbare Energie erzeugt wird, desto weniger fossile Rohstoffe werden benötigt. Auch wenn gleichzeitig der Bedarf an anderen Rohstoffen für die technische Infrastruktur (z. B. Windkraft-, Solaranlagen) teilweise steigt, kann die Energiewende den gesamten Rohstoffverbrauch in Deutschland (inklusive Vorketten im Ausland) bis 2030 um geschätzt ein Drittel reduzieren. Dadurch würde sich die CMU auf 16 Prozent erhöhen, selbst wenn nicht mehr Abfälle als heute recycelt werden würden.

Quelle: NABU

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