Zum Welt-Recycling-Tag am 18. März: Recycling als Kunstform

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Bild: Claudia Simon, www.meinhood.shop

Recycling kann mehr sein, als die Wiederverwertung alter Materialien in der Industrie. Die Magdeburger Künstlerin Claudia Simon nutzt Recycling als Kunstform. Upcycling-Art nennt sich, was sie mit ihren grafischen Stick-Bildern und ihrer Schablonen-Kunst (Stencils) macht.

„Mir geht es darum, Upcycling-Art von ihrem Schmuddel-Image wegzubekommen“, erklärt Claudia Simon. „Kunst aus alten Gegenständen ist nicht zwangsläufig ein Müllprodukt, sondern kann auch sehr ästhetisch wirken.“

Die 37-Jährige Künstlerin ist über Umwege freischaffende Künstlerin geworden. 2014 erkrankte die Kunstpädagogin nach einem Tropen-Urlaub an dem chronischen Fatigue-Syndrom. „Meine über 80-jährige Großmutter hat teils mehr Energie als ich“, sagt Claudia Simon. Ob sie die Krankheit je überwinden wird, ist unklar.

Nach Ausbruch des Fatigue-Syndroms hat Claudia Simon die Kunst des Stickens für sich entdeckt und damit auch ihre krankheitsbedingte Depression überwunden. „Durch diese langsame, meditative Art Kunst zu machen, habe ich für mich die Langsamkeit entdeckt – und die Schönheit, die darin liegen kann. Ich habe schon vorher Kunst gemacht – doch diese Krankheit hat mich zur Künstlerin gemacht.“

Bild: Claudia Simon, www.meinhood.shop

Für ihre Stick-Kunst nutzt Simon ausschließlich alte Tischdecken und Stoffe mit Geschichte. „Meine Bilder erzählen meist Geschichten. Deshalb ist es mir wichtig, dass auch die verwendeten Materialien bereits eine Geschichte haben – durch meine Kunst werden sie aufgewertet und umgedeutet. Eine Serviette oder ein Tischtuch hängen dann plötzlich an der Wand und bringen die Betrachter zum Lachen oder Nachdenken.“

Ihre Stick-Kunst erinnert an moderne Zeichnungen, die durch das Stickgarn im wahrsten Sinne des Wortes fühlbar werden. Auch für ihre hurmorvollen Stencils verwendet Claudia Simon stets gebrauchtes, ausrangiertes Material. Stencils – das sind handgeschnittene Schablonen, deren Formen sie dann aktuell auf altes von ihr gerettetes Turnhallenparkett sprüht. „Ich war sofort in das Parkett mit seinen vielen farbigen Markierungen und Gebrauchsspuren verliebt“, erklärt die Künstlerin. „Meine Stencils greifen das Material thematisch auf, etwa wenn ich einen Turnschuh draufsprühe, an dem Kaugummi klebt.“ Auch bei den Stencils gehen Material und Motive eine künstlerische Verbindung ein, durch die etwas komplett Neues entsteht.

Über Claudia Simon

Foto: Claudia Simon, www.meinhood.shop

Die Magdeburger Künstlerin Claudia Simon hat in Leipzig Kunstpädagigik studiert und mehrere Jahre als Kunstlehrerin gearbeitet. 2014 erkrankte sie am chronischen Fatigue-Syndrom und konnte ihren Beruf nicht mehr ausüben. Nach Phasen der Depression entdeckte sie die Langsamkeit in der Kunst und fügte ihrer Upcycling-Art einen weiteren Bereich hinzu: Das Sticken. Die künstlerische Mischung aus Upcycling-Art und Stick-Kunst lebt von dem stets durchscheinenden Humor der Künstlerin und ihrer stetigen Neu-Interpretation von Bekanntem und Gebrauchten. Werke der Künstlerin sind unter anderen in einer Dauerausstellung im Berliner Futurium zu sehen.

Quelle: Claudia Simon, www.meinhood.shop

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