Wie Nachhaltigkeit in der Textilindustrie vorangebracht wird

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Recycelte Stoffe aus Jeans und PET (Foto: Hermann Biederlack GmbH + Co. KG)

Ökotextilien, recycelte Stoffe und qualitativ hochwertige Materialien mit hoher Lebensdauer: Nachhaltigkeit gewinnt auch in der Textilindustrie zunehmend an Bedeutung.

Um dem steigenden Nachhaltigkeitsgedanken der Gesellschaft nachzukommen, setzen Unternehmen daher vermehrt auf eine ressourcenschonendere Produktion. Der Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. zeigt beispielhaft, welche Unternehmen sich besonders im Bereich Nachhaltigkeit und nachhaltiger Produktion hervortun.

Bettwäsche mit gutem Gewissen

Foto: Wilhelm Wülfing GmbH & Co. KG

Bei dem traditionsreichen Textilunternehmen Wilhelm Wülfing GmbH & Co. KG ist der Nachhaltigkeitsgedanke tief in der DNA verwurzelt. Mit firmeneigener Photovoltaikanlage produziert das Unternehmen Heimtextilien wie Bettwäsche und Spannbetttücher der Marke Domisette aus 100-prozentiger Biobaumwolle, Fairtrade und CmiA Baumwolle, Wecycled-Garnen und nachhaltigen Materialien wie Halbleinen und Hanf.

Den enormen Beitrag Wülfings zur Energieeinsparung und zum Umweltschutz bestätigen zahlreiche Nachhaltigkeitslabels und Audits: Öko-Tex Standard 100, SteP und Made in Green by Öko-Tex, Detox Audits gemäß den Vorgaben von Greenpeace, Mitgliedschaft bei BEPI und BSCI sind nur einige Beispiele in diesem Bereich.

Für sein vorbildliches Energiemanagement ist Wülfing nach DIN EN ISO 50001 zertifiziert. „Besonders stolz sind wir auf die Zertifizierung als klimaneutrales Unternehmen, die wir Anfang 2020 erhalten haben. Wir setzen uns immer wieder neue Ziele, um die Nachhaltigkeitsstrategie noch weiter zu verstärken und somit zu einer umweltschonenden Produktion und besseren Klimabilanz beizutragen“, sagt Johannes Dowe, Geschäftsführer bei Wülfing.

Einzigartiges Projekt mit Inklusionsgedanke

Foto: Velener Textil GmbH

Die Spinnerei und Weberei Velener Textil GmbH aus dem Münsterland hat sich auf umweltbewusste, nachhaltige und schadstofffreie Produkte spezialisiert. Insbesondere das Verfahren „Wecycled“ setzt Maßstäbe im Bereich No-Waste, Nachhaltigkeit und ökologischer Verträglichkeit, wie die Geschäftsführer Ernst Grimmelt und Bernd Spanderen betonen. Bislang wurden Garn- und Zuschnittreste aus dem Produktionsprozess teuer entsorgt – bis zu 25 Prozent des unbenutzten Rohstoffs werden so verschwendet.

„Im Wecycled-Verfahren sammeln wir die Garn- und Zuschnittreste unserer Partner, lösen die Baumwolle bis zur Einzelfaser auf und mischen sie mit Frischbaumwolle aus verantwortungsvollem Einkauf“, erklärt Grimmelt. Die Trennung der Garnreste von ihren Pappspulen leisten dabei Menschen mit Behinderung. Textilunternehmen bekommen auf diese Weise die Baumwolle, die bei ihnen verarbeitet wurde, ohne Qualitätsverluste als Garn zurück.

Green, Greener, Green-Line

Foto: Hermann Biederlack GmbH + Co. KG

Keine Fast Fashion, sondern nachhaltige Produktion – für die Hermann Biederlack GmbH + Co. KG in Greven ist eine vollstufige und verantwortungsvolle Produktion, die Mensch und Umwelt sowie wertvolle Ressourcen schont, ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur. Mit ihrer „Green Line“-Kollektion zeigt der Textilhersteller, wie hochwertige Up- und Recycling-Produkte aussehen: Kuschel- und Wohndecken aus recycelten Materialien wie Jeans-Fasern, Baumwolle und PET-Flaschen.

Mit der Initiative „Cotton made in Africa“ leistet das Unternehmen zudem einen Beitrag, die Lebensbedingungen afrikanischer Kleinbauern zu verbessern. Die meisten Wohndecken tragen außerdem Siegel wie Öko-Tex Standard 100, Öko-Tex Made in Green sowie Öko-Tex SteP. Biederlacks neueste Innovation auf dem Markt ist eine Wohndecke aus recycelten Stoffen alter Jeans-Artikel.

Ökologische Textilveredelung

Foto: ETV Eing Textil-Veredlung GmbH & Co. KG

Die europaweit tätige ETV Eing Textil-Veredlung GmbH & Co. KG sticht besonders im Bereich ökologischer Textilveredelung vor und setzt sich ebenso für eine ressourcenschonende und nachhaltige Textilproduktion ein. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Umweltbelastungen zu minimieren. Dazu zählen der Einsatz intelligenter Prozesssteuerungen in der Produktion, Verwertung von Restdruckpasten, Sammlung von Restklotzflotten und -pasten sowie der Einsatz von Wärmerückgewinnungsanlagen.

Nicht vermeidbare Umweltbelastungen versucht das Unternehmen nach dem neuesten Stand der Technik zu reduzieren. Abwässer aus der Produktion werden in einer dreistufigen Kläranlage mechanisch, biologisch und chemisch physikalisch gereinigt und anschließend in einen Vorfluter eingeleitet. In einer Regenwasserbehandlungsanlage hält ETV Schmutzstoffe zurück und belastete Abluft aus den Textilveredelungsanlagen wird in einer Regenerativen Nachverbrennungs (RNA)-Anlage thermisch gereinigt.

Hochwertige Seile aus nachwachsenden Rohstoffen

Foto: Gleistein Ropes

Als erster großer Tauwerkhersteller der Welt hat das Bremer Unternehmen Gleistein Ropes sein gesamtes Produktportfolio mit „Dyneema“ auf bio-based Dyneema-Fasern umgestellt. Die neuen Fasern sind genauso reißfest und zuverlässig wie die erdölbasierten Äquivalente. Darüber hinaus tragen sie jedoch deutlich mehr zum Klimaschutz bei, weil sie aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden – und zwar aus Holz aus nachhaltiger und zertifizierter Forstwirtschaft.

Auf diese Weise reduziert Gleistein seinen CO2-Fußabdruck um rund tausend Tonnen allein im ersten Jahr. Dabei ist die Umstellung auf bio-based Dyneema-Fasern nur einer von vielen Schritten des Unternehmens in Richtung Nachhaltigkeit: Der Wechsel zu Ökostrom, die Anerkennung als erster Klimaschutzbetrieb des Landes Bremen und die Ansiedlung von Bienenvölkern auf dem Firmengelände sind nur einige von vielen Beispiele dafür.

Quelle: Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V.

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