Der Zustand des Grundwassers in Deutschland hat sich leicht verbessert

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Blick auf den Königssee in Bayern (Foto: Pixabay)

Nitratwerte im Grundwasser sinken leicht ab – Phosphorbelastung von Flüssen und Seen bleibt unverändert.

Der Zustand des Grundwassers in Deutschland hat sich leicht verbessert. Die Anzahl der Messstellen, bei denen der EU-weite Nitrat-Grenzwert im Grundwasser überschritten wird, ist seit 2016 leicht gesunken. Die hohen Konzentrationen von Pflanzennährstoffen in den Küsten- und Meeresgewässern von Nord- und Ostsee sind aber noch zu hoch.

Das zeigen die Daten des aktuellen Nitratberichtes 2020, den das Bundesumwelt- und das Bundeslandwirtschaftsministerium alle vier Jahre erstellen. Der Grenzwert der EU-Nitratrichtlinie zum Schutz des Grundwassers vor Nitrat wird an einem Viertel der Messstellen weiterhin nicht eingehalten. Die neue Düngeverordnung, die mit einer passgenauen Ausweisung belasteter Gebiete und mehr Verursachergerechtigkeit einhergeht, soll zu weniger Nitratbelastung führen.

Grundwasser

An 26,7 Prozent der Messstellen des EU-Nitratmessnetzes lagen die Nitrat-Konzentrationen zwischen 2016 und 2018 im Mittel über dem EU-Nitratgrenzwert von 50 mg/l. Im vorherigen Berichtszeitraum (2012 bis 2015) betrug dieser Anteil noch 28,2 Prozent, sodass im Vergleich eine leichte Verbesserung festzustellen ist. Insbesondere bei den sehr hoch belasteten Grundwasser-Messstellen verringerten sich die Nitratkonzentrationen teilweise. Trotz der Grenzwertüberschreitung an rund einem Viertel der Messstellen zeigt sich jedoch insgesamt eine positive Entwicklung der Nitratkonzentrationen, da es mehr Messstellen mit einem abnehmenden Trend der Konzentrationen gibt als Messstellen, an denen ein Trend zu zunehmenden Konzentrationen vorhanden ist.

Fließgewässer und Seen

An der Mehrzahl der Messstellen für die Fließgewässer und Seen gingen die Nitratkonzentrationen in den Jahren 2016 bis 2018 – im Vergleich zum ersten Erhebungszeitraum 1991 bis 1994 – zurück. Die Phosphorkonzentrationen an allen Seen und Fließgewässermessstellen bleiben nahezu konstant. Hier stiegen die Konzentrationen nur minimal an. Allerdings lassen sich bereichsweise nach wie vor Eutrophierungserscheinungen in einigen Oberflächengewässern beobachten – also Nährstoffüberangebot und infolgedessen ein unkontrolliertes Algen- und Pflanzenwachstum vor allem in den Sommermonaten. Das geht vor allem auf zu hohe Phosphorkonzentrationen zurück.  Betrachtet man das Qualitätsziel der Nitratrichtlinie von 50 mg/l Nitrat, so wird dieses an allen untersuchten Fließgewässermessstellen eingehalten.

Küsten- und Meeresgewässer

Die Küsten- und Meeresgewässer unterliegen trotz reduzierter Nährstoffeinträge einer hohen Eutrophierungsbelastung: Die Nitratkonzentrationen sind küstennah am höchsten und nehmen zur offenen See hin ab, da die Einträge vom Land aus erfolgen und zur See hin verdünnt werden. Die Bewertung der Messwerte der deutschen Küsten- und Meeresgewässer in Nord- und Ostsee erfolgt im Nitratbericht nach der EU-Nitratrichtlinie sowie der aussagekräftigeren EU-Wasserrahmenrichtlinie und der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie.

Gesamtbewertung

Grundwasser hat ein langes „Gedächtnis“ für Belastungen, es fließt langsam und reagiert träge auf Änderungen der Stoffeinträge. Verbesserungen der Grundwasserqualität wirken sich erst später entlastend auf die Qualität der Oberflächengewässer und schließlich auch der Küsten- und Meeresgewässer aus. Anhand der vorliegenden Messergebnisse (Datenbasis 2016-2018) lässt sich daher noch nichts über die Wirkungen der Novellierung der Düngeverordnung 2017 und die weitere Änderung 2020 aussagen. Da an einigen hochbelasteten Grundwasser-Messstellen ein leichter Rückgang der Nitratmengen zu verzeichnen ist, ist davon auszugehen, dass sich mit der am 1. Mai 2020 in Kraft getretenen novellierten Düngeverordnung die Situation zukünftig deutlicher verbessern dürfte. Mit der Novelle wurde ein effektives Instrument geschaffen, gezielt und verursachergerecht zu agieren.

Die Novelle des Wasserhaushaltsgesetzes vom 29. Juni 2020, mit der die Anlage dauerbegrünter Gewässerrandstreifen von fünf Metern Breite ab einer Hangneigung von fünf Prozent verpflichtend vorgeschrieben wird, wird darüber hinaus zu einer Minderung der erosionsbedingten Nährstoffeinträge in die Oberflächengewässer führen. Um in kürzeren Zeiträumen die Wirkung der Maßnahmen der neuen Düngeverordnung bewerten zu können, wird deshalb ein zusätzliches Monitoringsystem eingerichtet. Erste Ergebnisse sollen im Sommer 2021 vorliegen.

„Insgesamt zeigt sich, dass die Änderungen der Düngeverordnung richtig und notwendig waren, um unser Grundwasser langfristig zu schützen und die Belastung der Nord- und Ostsee zu reduzieren“, kommentieren die Bundesministerien für Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft. „Mit der Änderung der Düngeverordnung wird jetzt auch das Verfahren zur Ausweisung der belasteten Gebiete vereinheitlicht. Bisher sind die Länder hier unterschiedlich vorgegangen, was zu Wettbewerbsverzerrungen und Ungleichbehandlungen geführt hat. Die Kriterien für diese Vereinheitlichung wurden von einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe erarbeitet und im Entwurf einer Allgemeinen Verwaltungsvorschrift (AVV) festgelegt, der gegenwärtig innerhalb der Bundesregierung abgestimmt wird. Parallel dazu findet die Anhörung der Länder und Verbände statt.“

Im Mittelpunkt dieser Regelung sollen qualitative Verbesserungen bei den Grundwassermessstellen durch entsprechende Mindestanforderungen und die verbindliche Festlegung einer Mindestdichte an Messstellen (Vorschlag bisher eine Messstelle pro 50 Quadratkilometer) stehen. Bei der Abgrenzung der mit Nitrat belasteten Gebiete werden künftig neben dem Nitratgehalt im Grundwasser auch die Emissionen aus der Landwirtschaft und Standortfaktoren, wie die Bodenart, zu berücksichtigen sein. Insgesamt ist nach Auffassung der Bundesministerien die Neuregelung ein wichtiger Schritt für mehr Verursachergerechtigkeit und Nachvollziehbarkeit.

Zum Nitratbericht

Quelle: Bundesministerien für Umwelt, Ernährung, Landwirtschaft

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