Bienenfreundliche Energiepflanze besteht im Langzeittest

775
Durchwachsene Silphie-Blüte (Bild: FNR/H. Stolte)

Silphium perfoliatum L., wie die Durchwachsene Silphie lateinisch betitelt wird, zählt zu den Dauerbrennern unter den Energiepflanzen. Erfahrungen aus 14 Anbaujahren zeigen: Die gelb blühende Silphie bietet stabile Erträge auf Mais-Niveau und lässt sich auch von klimatischen Einflüssen nur wenig beeindrucken.

Landwirte in Deutschland setzen für ihre Biogasanlagen verstärkt auf die Durchwachsene Silphie. Auf inzwischen rund 3.000 Hektar wächst die Energiepflanze zurzeit, Tendenz steigend. Für ihren Anbau spricht einiges: Ihre Blüten bieten Insekten Nahrung, als Dauerkultur schont sie die Böden, ihr Bedarf an Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln ist gering und mit ihren Erträgen spielt sie durchaus in der Mais-Liga mit.

Konstante Erträge über viele Jahre, aber rechnerisch  leichte Aufschläge für die Rohstoffkosten bei Biogas

Jetzt haben das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum, die N. L. Chrestensen Samenzucht und Produktion GmbH Erfurt und die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn umfangreiche Ergebnisse von Langzeituntersuchungen ausgewertet. Sie belegen vor allem, dass die Erträge der Silphie über viele Jahre vergleichsweise konstant bleiben und selbst über zehn Jahre alte Bestände keine signifikanten Ertragsrückgänge zeigen.

Bereits bei zehnjähriger Nutzungsdauer ist die blütenreiche Dauerkultur dem Mais hinsichtlich der Kosten für Frisch- und Trockenmasse im langjährigen Durchschnitt überlegen, zudem gelingt es ihr, mit wechselnden klimatischen Verhältnissen recht gut zurechtzukommen. Allerdings reichen ihre Methanerträge nicht an die des Maises heran, woraus sich rechnerisch leichte Aufschläge für die Rohstoffkosten bei Biogas ergeben.

Als guter Stickstoff-Verwerter ist die Insekten-freundliche Silphie durchaus in der Lage, ihren Stickstoffbedarf aus Gärresten abzudecken. Langzeit-Vergleiche zwischen mineralischer und Gärrestdüngung zeigten keine signifikanten Ertragsunterschiede, sodass sich ein Verzicht auf Mineraldünger durch organische Düngergaben gut ausgleichen lässt.

Für die Anlage der Bestände – heute in der Regel durch Aussaat oder unter Mais als Deckfrucht – liegen inzwischen belastbare Erfahrungen auch bezüglich der Kosten vor. Danach zeichnet sich ab, dass Standorte mit ausreichender Wasserversorgung bei der gemeinsamen Aussaat von Silphie und Mais auch im ersten Jahr bereits gute Erträge liefern. In niederschlagsärmeren Regionen erweist sich eher die alleinige Aussaat der Silphie als ökonomisch vorzüglich, auch wenn auf verwertbare Erträge im ersten Jahr verzichtet werden muss.

Interessant wäre ein solches zehn oder mehr Jahre dauerndes Engagement vor allem für jene Landwirte, deren Biogasanlagen noch hinreichend lange über das EEG vergütet werden. Sie können mit der Silphie nicht nur ihre Substratbeschaffung diversifizieren und viel für Natur und Umwelt leisten, sondern die ökologischen Vorzüge entsprechender Bestände zumindest beim „Greening“ geltend machen.

Das Verbundvorhaben: Silphie – Anbauoptimierung, Sätechnik und Züchtung wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert. Die Abschlussberichte stehen auf fnr.de unter den Förderkennzeichen 22027012, 22027112 und 22027212 zur Verfügung.

Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)

Anzeige