700 Tonnen Plastikmüll jährlich in Deutschland allein durch Schmuck

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Bild: Pixabay

Startup gründet Unternehmens-Initiative zum Verzicht auf Kunststoffverpackungen.

Es ist der dunkle Fleck einer Hochglanzindustrie: Kunststoffverpackungen von Schmuckstücken verursachen in Deutschland rund 700 Tonnen Plastikmüll pro Jahr. Dies ergab eine Untersuchung des Schmuck-Startups modabilé. Anlass für die jungen Unternehmer, eine Initiative zu gründen, die Hersteller aller Branchen einlädt, öffentlich und nachprüfbar auf Verpackungen und andere Wegwerf-Komponenten aus Kunststoff zu verzichten. Gemeinsam mit Unterstützern ist dazu nun die „Plastikfrei-Challenge“ ans Netz gegangen.

Edelmetall, in Plastik gehüllt – kleine Verpackungen werden zum großen Problem

„Plastik sollte mit Schmuck eigentlich nichts zu tun haben“, erklärt modabilé Mitgründer Tim Peters. „Umso erstaunter waren wir, wie viel davon unnötig anfällt: Vom Beutel bis zur Plastikeinlage werden reine Silber-Schmuckstücke mit Einweg-Plastik-Verpackungen umgeben, die prompt im Abfall landen.“

Das Unternehmen stellt daraufhin nicht nur selbst auf plastikfreie Verpackungen und Versandmaterialien um, sondern führte auch eine Studie durch, wie viel Plastikmüll die Branche vermeiden kann, wenn sie den gleichen Schritt vollzieht. Peters berichtet: „Die sechs Gramm Kunststoff pro Schmuckstück, die wir anhand der Produkte der führenden Anbieter ermittelt haben, klingen nach wenig. Sie summieren sich aber angesichts der verkauften Menge auf – 700 Tonnen entsprechen dem gesamten Plastikmüll einer mittleren Stadt. Dabei kosten alternative Materialien oft nur geringfügig mehr.“

Initiative: Unternehmen müssen bei der Vermeidung von Plastikmüll vorangehen

„Im Markt keine Plastiktüten mehr anzubieten, ist nicht einmal die halbe Miete – wenn alles, was darin verpackt wird, unnötig in Kunststoff eingepackt ist. Unternehmen müssen selbst vorangehen und Plastik-Verpackungen vermeiden“, appelliert Peters. Die Schmuckbranche allein machte nicht einmal ein Promille des Plastikmülls aus – hier müsse jede Industrie ihren Beitrag leisten.

Die von modabilé angestoßene „Plastikfrei-Challenge“ will dafür eine Plattform bieten: Unternehmen legen freiwillig offen, wo sie bisher Plastik in Wegwerf-Artikeln verwendet haben, auf wie viel davon sie bis wann verzichten – und wie sie es ersetzen. Über den Fortschritt berichten sie auf der Plattform, sodass sich die Nutzer ihr eigenes Bild machen können.

„Einerseits soll so für Verbraucher mehr Transparenz entstehen, welche Produkte sie kaufen können, ohne dass Plastikmüll anfällt“, erläutert Peters. „Andererseits wollen wir den Austausch unter Unternehmern befördern, wie sich Kunststoff ersetzen lässt.“ Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen bestünde hier hoher Informationsbedarf. Die Initiative, deren Plattform kürzlich online ging, konnte bereits das Institut für Nachhaltigkeit als Unterstützer gewinnen, eine Ausgründung der Universität Nürnberg- Erlangen, das sich unter anderem auf betriebliches Abfallmanagement spezialisiert hat. Ebenfalls an Bord sind drei weitere Unternehmen, vom Kölner Schmuck-Label Fejn über Leef Blattwerk, die kompostierbare Einwegteller herstellen, bis zur Consulting-Firma elementar training.

Fakten zum Verpackungsmüll aus Plastik

40 Prozent aller Kunststoffe werden für Verpackungen verwendet. Verpackungsmüll aus Kunststoff ist eines der drängendsten ökologischen Probleme unserer Zeit. Über drei Millionen Tonnen davon fallen alleine jährlich in Deutschland an – 37 Kilogramm pro Bundesbürger. Nur 49 Prozent dieser Abfälle sind recycelbar, nicht einmal zwei Drittel davon werden tatsächlich recycelt.

Insbesondere zerknüllte Verpackungen und Einwegkunststoffe enden meistens in Deponien oder in der Natur: sei es in Form von CO2 aus Müllverbrennung, sei es durch vom Wind verwehtes oder in den Boden eingedrungenes Mikroplastik, das häufig seinen Weg ins Grundwasser findet. Unter anderem so gelangen weltweit pro Jahr bis zu 500.000 Tonnen Plastik in die Weltmeere. Die Einmal-Verwendung von Wegwerf-Plastik verursacht zudem einen enormen Erdölverbrauch – bereits ein konsequenteres Recycling könnte weltweit 3,5 Milliarden Barrel Öl jährlich einsparen.

Über modabilé

modabilé wurde 2016 von zwei Freunden nach ihrem Universitätsabschluss gegründet. Das in Oldenburg und Leipzig ansässige Unternehmen entwirft, produziert und vertreibt echten Silberschmuck und Goldschmuck mit eigenen Designs. Die umweltverträglichen Schmuckstücke sind das Ergebnis eines verantwortungsvollen Herstellungsprozesses, modabilé produziert ausschließlich in Deutschland und Europa.

Die seit Mitte 2019 produzierten Schmuckstücke von modabilé ersetzen Plastikbeutel durch die plastikfreie Alternative Zellglas. Ebenfalls werden die Klebestreifen ersetzt, mit denen die Banderolen zusammengehalten werden. Das nächste Ziel ist es, die Watte-Einlagen der Verpackung 100 Prozent plastikfrei zu gestalten, sodass plastikfreie Alternativen für den Versand der Schmuckstücke möglich werden. Das Ziel ist komplette Plastikfreiheit bis Ende 2019. Mit der Plastikfrei-Challenge, der Unterstützung der „Pacific Whale Foundation“ und der Adoption des Wals „Moby Rick“ möchte modabilé die öffentliche Aufmerksamkeit für das Problem der Plastikverpackungen erhöhen und weitere Unternehmen zum Umsteuern bewegen.

Quelle: modabilé