Dass Refurbishment – die professionelle Wiederaufbereitung von Elektronikartikeln – gut für unseren ökologischen Fußabdruck ist, ist einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch welchen Einfluss haben Anschaffung, Nutzungsverhalten und Entsorgung unserer Smartphones konkret auf das eigene Budget? Und wo können Smartphone-Nutzer am leichtesten sparen?
Diese und weitere Fragen beantwortet die mittlerweile dritte Studie von Fraunhofer Austria im Auftrag von refurbed. Untersucht wurden die Auswirkungen unterschiedlicher Nutzungsszenarien eines Standard-Smartphones auf die Kostenbelastung für jeden User und auf den Impact für unsere Umwelt – mit dem Ergebnis: Wie wir unsere Geräte nutzen, hat insgesamt den größten Einfluss auf die (direkt und indirekt) entstehenden Kosten und CO2-Emissionen.
In drei Szenarien wurde für die Fraunhofer Austria-Studie ein Smartphone in der idealen Kreislaufwirtschaft mit dem aktuell durchschnittlichen Nutzungsverhalten in der Realität sowie mit einem Produkt in der Linearwirtschaft verglichen.
Szenario A: Das Smartphone in der Kreislaufwirtschaft
Das Szenario: Ein im Kreislauf geführtes Standard-Smartphone wird einmal neu produziert und gekauft, rund drei Jahre genutzt, danach im Zuge eines Rückkauf-Programmes (Trade-in) refurbished, wechselt den Besitzer und wird nach weiteren drei Jahren dem fachgerechten Recycling zugeführt.
Im Berechnungszeitraum von sechs Jahren verursacht dieses Vorgehen: Gesamtkosten von 959 Euro (Anschaffungskosten von 876 Euro – Neugerät 575 Euro abzüglich 150 Euro Trade-in-Erlös plus Anschaffung refurbished Gerät 451 Euro – plus Umweltkosten durch CO2-Ausstoß 83 Euro). Das entspricht einer jährlichen Kostenbelastung von rund 160 Euro, einem CO2-Ausstoß von 83 Kilogramm (inkl. Energiebedarf für Laden und Nutzung), einem Verbrauch von 38 Gramm kritischer Rohstoffe (CRM) wie Kobalt, Kupfer, Magnesium, Palladium, etc.
Szenario B: Das durchschnittliche Produkt eines Europäer entsprechend dem derzeitigen Nutzungsverhalten
Der derzeit in Europa gängige Weg eines Smartphones sieht hingegen wie folgt aus: Das Gerät wird produziert, im Schnitt drei Jahre genutzt, danach zuhause aufbewahrt, wo es kritische Ressourcen bindet und landet irgendwann im Restmüll.
Für den Berechnungszeitraum von sechs Jahren verursacht dieser Umgang: Gesamtkosten von 1.294 Euro (Anschaffungskosten 1.150 Euro – Erwerb 2 x Neugerät á 575 Euro – plus Umweltkosten durch CO2-Ausstoß 144 Euro) Das entspricht einer jährlichen Kostenbelastung von circa 215 Euro, einem CO2-Ausstoß von 161 Kilogramm, einem Verbrauch von 115 Gramm kritischer Rohstoffe.
Ergebnis: Im Vergleich zum zirkulär geführten Smartphone (Szenario A) erzeugt das Durchschnittsprodukt hier knapp 35 Prozent höhere Kosten für den Nutzer, doppelt so viel CO2 und verbraucht beinahe dreimal so viel kritische Rohstoffe, die unter prekären Verhältnissen abgebaut und teuer importiert werden müssen.
Szenario C: Das Produkt der linearen Konsumgesellschaft
Berechnet wurde hier folgendes Szenario: Das Produkt wird produziert und jedes Jahr durch ein neues Modell ersetzt. Nicht mehr benötigt, liegt es ungenutzt in einer Schublade, bevor es irgendwann durch Wegwerfen oder Entsorgen im illegalen Recycling im globalen Süden landet.
Ein solcher Umgang verursacht im Berechnungszeitraum von sechs Jahren: Gesamtkosten von 3.834 Euro (Anschaffungskosten 3.450 Euro – 6 x 575 Euro – plus Umweltkosten durch CO2-Ausstoß von insgesamt 384 Euro). Das entspricht einer jährlichen Kostenbelastung von 639 Euro, einem CO2-Ausstoß von 684 Kilogramm und einem Verbrauch von 346 Gramm kritischer Rohstoffe.
Ergebnis: Szenario C verursacht viermal so hohe Kosten wie ein zirkuläres Produkt (Szenario A) und dreimal so hohe Kosten wie das Durchschnittsprodukt (Szenario B). Zudem erzeugt dieses Szenario im Vergleich zu einem im Kreislauf geführten Produkt achtmal so viel CO2 und verbraucht das neunfache an kritischen Rohstoffen.
Die Art, wie Geräte genutzt werden, hat insgesamt den größten Einfluss auf die (direkt und indirekt) entstehenden Kosten und CO2-Emissionen: Ein im Kreislauf geführtes Produkt verursacht für den Besitzer nur ein Viertel der Kosten eines linear behandelten Produktes. Der Durchschnittsnutzer kann rund 25 Prozent der Smartphone-Kosten allein durch Verhaltensänderung reduzieren. Damit halten Konsumenten vor allem durch die Nutzungsdauer und der Rückverkauf (Trade-In) ihrer Geräte an Refurbisher einen größeren Preishebel in der Hand als bisher angenommen.
refurbed Co-Founder Kilian Kaminski: „In einer Zeit, wo wir alle deutlich die negativen Folgen unserer wirtschaftlichen Ressourcen-Abhängigkeit erleben und wir realisieren, wie ressourcenarm unser Kontinent ist, wird es für uns sowohl zum wirtschaftlichen als auch zum persönlichen Kostenfaktor, zirkulär zu agieren. Die vorliegenden Daten machen klar, wie viel Einsparpotenzial jeder durch sein Smartphone in der Hand hat: Allein durch unseren Umgang mit dem Smartphone, wie Rückverkauf, Nutzungsdauer oder Entsorgung können pro Produkt in sechs Jahren mindestens 274 und bis zu 2.574 Euro gespart werden.“
Studienautor Paul Rudorf von Fraunhofer Austria: „Es war uns wichtig, die Ergebnisse auf Produktebene zu berechnen und nicht für einzelne Personengruppen, um ein unnötiges Konsumenten-Bashing zu verhindern. Durch die produktbezogene Untersuchung wird ersichtlich, dass grundsätzlich jedes Produkt erst einmal produziert werden muss und damit Kosten und Impact verbunden sind. Was allerdings nach der Produktion mit diesem Gerät passiert, macht den entscheidenden Unterschied. Unsere Zahlen zeigen, dass die Art und Dauer der Nutzung, sowie die Entsorgung des Produktes einen signifikant höheren Einfluss auf die Kostenbelastung der Konsumenten und auf unsere Umwelt haben.“
Quelle: Refurbed Marketplace GmbH






