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Die Abfallentsorgungs- und Recyclingwirtschaft macht ihren Job

Interview mit Henry Forster. Der Präsident des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. ist optimistisch, dass sich das neue Jahr 2022 für die Branche gut entwickelt.

So sei die Nachfrage nach Sekundärrohstoffen aktuell durchweg gut. Gleichzeitig hätten sich die Märkte etwas beruhigt. Die Lieferkettenproblematik infolge der Pandemie betrifft aber auch die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft.

Jahresanfang 2022 und die Pandemie quält uns mit der vierten Welle. Herr Forster, ist die Entsorgung für die privaten Haushalte und die Wirtschaft gesichert?

Henry Forster (Foto: bvse)

Die Erfahrung aus den drei Wellen zuvor stimmt mich optimistisch. Die privaten Entsorgungs- und Recyclingunternehmen haben ihren Job gemacht, auch wenn es nicht immer einfach war. Wenn die Infektionszahlen nach oben schießen sollten, kann das aber für einzelne Unternehmen natürlich problematisch werden. Das ist keine Frage. Andererseits werden nach unseren Beobachtungen die Impf- und Boosterangebote von den Mitarbeitern gut angenommen. Außerdem werden, wo das möglich ist, feste Teams gebildet, so dass bei eventuellen Quarantänemaßnahmen nicht automatisch eine größere Gruppe von Mitarbeitern betroffen ist. Die Abfallwirtschaft ist aus der Hygienisierung der modernen, urbanen Lebensformen entstanden und war schon „systemrelevant“, bevor man den Begriff kannte. Unsere Belegschaften gehen täglich an ihre Grenzen und werden dafür im Verhältnis von der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen. Ohne die privaten Entsorger würden zum Beispiel kaum Sortier- und Recyclinganlagen laufen.

Wo sehen Sie Probleme für die Unternehmen?

Auch wenn die Impfangebote gut angenommen werden, gibt es auch in unserer Branche Beschäftigte, die sich nicht impfen lassen. Wie uns zurückgemeldet wurde, ist das Problem bei Beschäftigten aus anderen Herkunftsländern noch einmal deutlich größer, weil dort die Impfskepsis besonders ausgeprägt ist. Teilweise sind sie aber auch mit Sputnik geimpft, der in Deutschland nicht anerkannt ist. Sollte 2G am Arbeitsplatz eingeführt werden, wie das teilweise politisch diskutiert wird, kämen durchaus Schwierigkeiten auf manche Betriebe zu. Man kann Sammelpersonal oder Anlagenfahrer halt nicht ins Homeoffice schicken. Auch die Quarantänezeiten bei Kontakten und Symptomen könnten problematisch werden. Hier hoffe ich auf pragmatische politische Lösungen.

Hat die Pandemie auch aktuell Auswirkungen auf die Geschäfte?

Die Lieferkettenproblematik betrifft auch unsere Branche. Hier ist teilweise Improvisation gefragt. Die Nachfrage nach Sekundärrohstoffen ist aktuell durchweg gut und gleichzeitig haben sich die Märkte etwas beruhigt. Wenn die Pandemie nicht doch noch zu deutlichen Produktionsausfällen führt, wird sich das Jahr für die Sekundärrohstoff- und Entsorgungsbranche gut entwickeln. Ich bin da ganz optimistisch und sehe andere Branchen in deutlich größeren Schwierigkeiten.

Hilft da auch die Gesetzgebung?

Der ordnungspolitische Rahmen ist bei den letzten Novellierungen, wie zum Beispiel dem Elektro-Gesetz oder dem Verpackungsgesetz, aber auch der Mantelverordnung im Mineralik-Bereich, ganz deutlich in Richtung Recycling weiterentwickelt worden. Inwieweit sich das jetzt kurzfristig auswirkt, kann ich nicht beziffern, aber man spürt in den Märkten, dass hier eine Neuorientierung weg von einer linearen Wirtschaft und hin zu einer Kreislaufwirtschaft stattfindet. Dies ist auch zwingend notwendig, wenn wir keine Symbolpolitik wollen. In vielen Forderungen der vergangenen Jahre sieht sich der bvse nun bestätigt und wir werden weiter den Druck hoch halten.

Herr Forster, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: bvse

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