Umfrage: Deutsche haben ambivalentes Verhältnis zu Kunststoffen

1192
Kunststoffverpackungen (Foto: Andi Karg)

Vom unverzichtbaren Alltagsbegleiter bis zum Umweltfeind.

Zu Kunststoffen und ihrer Verwendung haben die Deutschen ein meist ambivalentes Verhältnis. Einerseits schätzen Verbraucher* die besonderen Vorteile von Kunststoffen und deren Unverzichtbarkeit in vielen Bereichen. Zudem sehen sie die Fortschritte etwa beim Recycling oder bei der Kreislaufwirtschaft, und sie wissen um ihren eigenen Beitrag dazu, wie zum Beispiel bei der richtigen Abfalltrennung.

Andererseits werden Kunststoffverpackungen oft mit Umweltverschmutzung assoziiert. Und auch der Beitrag von Kunststoffen zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz ist wenig bekannt. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und des Kunststofferzeugerverbandes PlasticsEurope Deutschland.

Kunststoffe in vielen Branchen unverzichtbar

Mehr als 60 Prozent der Befragten halten Kunststoffe im Medizin- und Gesundheitsbereich für unverzichtbar, 54,5 Prozent im Computer- und Elektroniksektor sowie 47,4 Prozent im Fahrzeugbau, gefolgt mit 38,4 Prozent im Haushalts- und Hygienebereich sowie mit knapp 31 Prozent bei Lebensmitteln.

Fortschritte beim Recycling

Bei der Frage nach den größten Fortschritten in der Kunststoffverwendung sehen rund 30 Prozent der Verbraucher, dass sich das eingesetzte Kunststoffmaterial besser recyceln lässt. 28 Prozent der Befragten sehen Fortschritte auch in der Mehrfach- beziehungsweise Wiederverwendbarkeit von Kunststoffen. Ein knappes Drittel gab an, keine Fortschritte festzustellen.

Potenzial von Kunststoff zur Ressourcen-Schonung nicht wahrgenommen

Die Verbindung von Kunststoffen und ihrem aktiven Beitrag zur Ressourcenschonung ist nur etwas mehr als zehn Prozent der Bürger bekannt. Und dass Kunststoffe zum Klimaschutz beitragen, geben nur knapp 15 Prozent an.

Das größte Problem beim Einsatz von Kunststoffen wird von 63,5 Prozent der Befragten in der Meeresverschmutzung gesehen. Zweithäufigstes Problem ist mit 57 Prozent das Mikroplastik, gefolgt vom achtlosen Wegwerfen an dritter Stelle mit rund 47 Prozent.

Fortsetzung von Aufklärungsarbeit und differenzierter Kommunikation

„Leider ist der Begriff Kunststoff oftmals mit den negativen Aspekten verbunden, die vor allem am Nutzenende sichtbar werden. Deshalb wird Kunststoff nicht selten als Umweltfeind gesehen. Dabei sind Kunststoffverpackungen in Wahrheit nachhaltig und klimafreundlich“, urteilt Mara Hancker, Geschäftsführerin der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. „Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen uns also, unsere Aufklärungsarbeit und offene Kommunikation fortzusetzen. Eine differenzierte Sicht ist dringend geboten, pauschales Plastik-Bashing unangebracht. Schließlich ist der Kunststoff als solcher nicht das Problem, sondern unser Umgang damit. Hier ist ein Umdenken gefragt – von der Industrie bis zum Verbraucher.“

„Warum Kunststoff für den Klima- und Umweltschutz eines der wichtigsten Materialien ist, wird von vielen Menschen nicht verstanden. Eben noch spricht alle Welt vom Abfallproblem und nun soll Kunststoff die Lösung sein, um CO2 einzusparen, die Stromerzeugung, den Hausbau und die Mobilität grüner zu machen. Das ist nicht leicht nachzuvollziehen“, meint Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer von PlasticsEurope Deutschland e. V, und fügt hinzu: „Unsere Aufgabe ist es, die vielen Fragen zu beantworten und uns der Kritik zu stellen, aber auch zu erklären, warum wir für Windräder, E-Autos und recyclingfähige Konsumprodukte dringend Kunststoffe brauchen.“

Weitere Ergebnisse der Civey-Umfrage:

Hygiene sowie Frische- und Schutzfunktion besonders wichtig bei Verpackungen

Für mehr als 40 Prozent der Befragten sind Hygiene-Aspekte bei Produktverpackungen besonders wichtig. 38,3 Prozent halten zudem die Schutzfunktion der Verpackung – zum Beispiel beim Transport – für besonders wichtig. 57 Prozent der Verbraucher geben auch an, dass sie Kunststoffverpackungen am meisten dafür nutzen, um Lebensmittel länger frisch zu halten. An zweiter Stelle steht bei 41 Prozent der Befragten der Schutz von Produkten bei Transport und Lagerung. Auch die Wiederverwendbarkeit sowie umweltschonendes Design der Verpackungen sind rund 35 Prozent der Bürger besonders wichtig.

Zwei weitere positive Aspekte von Kunststoffverpackungen, wie eine längere Haltbarkeit und geringeres Gewicht, wird nur von jeweils knapp 20 Prozent der Befragten goutiert.

All diese Funktionen von Kunststoffen tragen zum Schutz von Ressourcen und somit weniger CO2-Ausstoss bei, was jedoch vielen der Bürger nicht bewusst ist. Denn nur 5,4 Prozent der Befragten bringen Kunststoff in Verbindung mit Klimaschutz – also dem Potenzial zur Vermeidung von Treibhausgasen.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. und PlasticsEurope Deutschland e.V.

*Wann immer das generische Maskulinum verwendet wird, dient dies lediglich der besseren Lesbarkeit. Gemeint sein können aber alle Geschlechter (Die Redaktion).

Anzeige