„Politik muss Mehrwegverpackungen zum Standard machen“

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Anlässlich des World Refill Day fordert das Bündnis „Wege aus der Plastikkrise“ die Bundesregierung auf, Abfallvermeidung endlich klar an erste Stelle zu setzen und Mehrwegverpackungen zum Standard zu machen.

Nach Angaben von Plastics Europe verbraucht Deutschland europaweit das meiste Plastik. Verpackungen machen laut einer Conversio-Studie fast zwei Drittel deutscher Kunststoffabfälle aus. Auch das Abfallaufkommen von Papier-, Pappe – und Aluminiumverpackungen steigt seit Jahren unaufhörlich. Am World Refill Day (16. Juni) machen Organisationen weltweit auf die einzige Alternative aufmerksam: Mehrwegverpackungen.

Die am Bündnis beteiligten Verbände betonen gemeinsam: „Nur Mehrweg schützt konsequent Klima, Ressourcen und vermeidet Abfall. Wir müssen die Produktion von schädlichen Einwegprodukten massiv einschränken. Recycling kann nur ein Teil der Lösung sein.“ Trotz der Verbote für bestimmte Plastikprodukte in der Europäischen Union seien neue Anlagen für die Einwegplastikproduktion aus billigem US-Frackinggas in Planung. Einwegprodukte wie diese würden nach kurzem Gebrauch zu minderwertigen Produkten weiterverarbeitet, verbrannt oder als Abfall exportiert.

Den Angaben des Bündnisses zufolge liegt der Anteil an Getränken in Mehrweg in Deutschland aktuell bei circa 40 Prozent. Insbesondere Discounter und Abfüller, die vorrangig auf Einweg setzten, würden das Mehrwegsystem gefährden und handelten gegen den durch Verbraucher-Umfragen belegten Wunsch nach einem größeren Mehrwegangebot. Das Bündnis „Wege aus der Plastikkrise“ fordert: Die gesetzlich festgeschriebene Mehrwegquote von 70 Prozent muss endlich umgesetzt werden. Für den Fall, dass sich Unternehmen nicht daran halten, müssen Sanktionen geschaffen werden. Zudem sollten Mehrwegsysteme für weitere Lebensmittelverpackungen gezielt ausgebaut und gefördert werden. Das Ziel muss eine Wiederverwendungsquote von 15 Prozent bis zum Jahr 2025 und 30 Prozent bis zum Jahr 2030 sein. Zwar sei es gut, dass ab 2023 Anbieter von „To-Go“-Essen und -Getränken verpflichtend eine Mehrweg-Alternative anbieten müssen, doch durch viele Ausnahmen und einen mangelnden finanziellen Anreiz, um Mehrweg günstiger zu machen, wie eine Einwegabgabe, bleibe die Mehrweg-Angebotspflicht Symbolpolitik.

Zukunftsfähig sei nur der Wechsel zu Mehrwegverpackungen, betonen die Verbände: „Unsere Wirtschaftsweise ist ein ineffizientes System der Ressourcen-Verschwendung und Deutschland ist meilenweit von einem ressourcenarmen, zirkulären Wirtschaften entfernt.“ In einer „Mehrweg-Wirtschaft“ müsse kein deutscher Plastikmüll mehr in den globalen Süden exportiert werden, um dort auf Müllkippen zu landen. Es müssten auch keine massenhaften Einwegprodukte, die zudem häufig auch noch unzählige und oft unbekannte gesundheits- und umweltgefährdende Schadstoffe enthielten, hergestellt werden. Längst gebe es langlebige und umweltfreundliche Mehrwegsysteme ohne problematische Zusätze, die der Standard bei Verpackungen werden sollten.

Quelle: Bündnis „Wege aus der Plastikkrise“