Brandgefahr bei Batterien für 50 Prozent der Österreicher kein Thema

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Lithium-Ionen-Akku (Bild: Pixabay)

Rund 225 Millionen Lithiumbatterien landen jährlich im Restmüll – allein in der EU. In Österreich sind es immerhin 1,4 Millionen Stück, die einfach weggeworfen werden, anstatt in Sammelzentren oder dafür vorgesehenen Behältern bei Handelsketten abgegeben zu werden.

Das ist im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich – durch Reibung oder Hitze können sich Batterien entzünden. Das passiert immer wieder – und ist vielen Menschen nicht bewusst: Laut einer Umfrage des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) sind es nur 50 Prozent der Befragten, die darüber Bescheid wissen. Insgesamt werden lediglich 45 Prozent der Lithiumbatterien rezykliert – Branchenvertreter und Verbände fordern eine Erhöhung der Recyclingquote von 65 Prozent bis 2025.

Fehlendes Wissen um die korrekte Entsorgung

Steigen die Temperaturen, nutzen viele Menschen den Frühjahrsputz, um jene Dinge zu entsorgen, die nicht mehr benötigt werden. Blinkende Kinderschuhe, kaputte Laptops oder alte singende Grußkarten haben dabei eines gemeinsam: Lithiumbatterien. Aufgrund von fehlendem Wissen um die korrekte Entsorgung landeten 2019 in Österreich 1,4 Millionen Batterien im Restmüll. Diese Zahl könnte sich laut Wissenschaftlern der Montanuniversität Leoben in den nächsten Jahren auf 2,8 Millionen verdoppeln. Eine repräsentative Studie des VOEB aus dem Jahr 2019 unter 500 Österreichern zwischen 14 bis 69 Jahren zeigt: Nur 50 Prozent der Befragten wissen, dass Lithiumbatterien bzw. Akkus aufgrund von Brandgefahr keinen hohen Temperaturen ausgesetzt sein sollen. Weniger als 40 Prozent sind sich im Klaren darüber, dass Batterien wertvolle Rohstoffe (Metalle) enthalten, die wiederverwertet werden können. Es geht bei der richtigen Entsorgung also nicht nur um sicherheitstechnische Aspekte, sondern auch um eine Wiedergewinnung von seltenen Erden wie Cobalt und Nickel im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

Der Statusbericht 2020 des Bundesministeriums für Klimaschutz (BMK) zeigt, dass im Jahr 2018 allein in Österreich über 233.000 Tonnen Elektro- und Elektronikgeräte in Verkehr gebracht wurden. Momentan liegt die gesetzliche Sammelquote nur bei 45 Prozent, sodass noch immer mehr als die Hälfte des gesamten Materials aus dem Rohstoffkreislauf ausscheidet. Branchenvertreter und Verbände fordern eine Recyclingquote von 65 Prozent bis 2025 und 70 Prozent bis 2030. Das reduziert Brandgefahren für Mitarbeiter und Bürger, wie Gabriele Jüly, Präsidentin des VOEB, betont: „Eine höhere Recyclingquote ist zudem gleichbedeutend mit mehr Sicherheit für Mitarbeiter in den Entsorgungsbetrieben. Außerdem ist die Wiederaufbereitung von alten Batterien ein integraler Bestandteil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.“

Fehlendes Bewusstsein bei unter 30-Jährigen

Gerade bei jüngeren Gruppen (14 bis 29 Jahre) sind sich nur 29 Prozent darüber im Klaren, dass der Handel verpflichtet ist, alte/leere Batterien zurückzunehmen. Lediglich für 32 Prozent spielt die fachgerechte Entsorgung eine wesentliche Rolle. Schlussendlich geben nur 37 Prozent dieser Altersgruppe an, Batterien fachgerecht zu entsorgen. Zum Vergleich: Bei der Gruppe der 60 bis 69-Jährigen beträgt dieser Wert 71 Prozent. „Die Ergebnisse zeigen, dass gerade bei Personen unter 30 Informationsbedarf besteht. Jüly: „Obwohl diese Altersgruppe als Digital Natives oftmals die stärkste Affinität zu Smartphones, Tablets und Co aufweist, ist das Bewusstsein über damit einhergehende potenzielle sicherheitstechnische Gefahren oder die richtige Entsorgung am geringsten. Gerade diese Geräte sind jedoch mit sehr leistungsstarken Lithiumbatterien ausgestattet.“

Langfristig Explosionsgefahr vermeiden

Das Risiko bei falscher Entsorgung wird ebenso unterschätzt. Lediglich elf Prozent aller Befragten machen sich Sorgen, dass Lithiumbatterien Brände im Haushalt auslösen könnten. Mit den Entsorgungsdiensten gelangen potenzielle Gefahren dann in die Müllverwertungsanlagen. Dort führt die falsche Entsorgung immer wieder zu Bränden und gefährdet somit die Mitarbeiter, ungeachtet der finanziellen und umweltschädlichen Auswirkungen. Allein in der EU landen jährlich fast 225.000.000 Lithiumbatterien im Müll.

Pro Stück liegt die Wahrscheinlichkeit eines ausgelösten Brandes bei gerade mal 0,01 Prozent – selbst das wären 22.500 potenzielle Brände pro Jahr. In der Steiermark beispielsweise verursachten ausgelöste Brände in den letzten fünf Jahren einen Schaden von 30 Millionen Euro. „Wir können den Zusammenhang zwischen der steigenden Anzahl von Lithiumbatterien im Restmüll und den Bränden bei Entsorgungsbetrieben eindeutig belegen. Für die Abfall- und Ressourcenwirtschaft ist diese Entwicklung existenzbedrohend. Jetzt sind Politik und Verwaltung gefordert, Verantwortung zu übernehmen und entsprechende Rahmenbedingungen für mehr Sicherheit zu fixieren“, schließt Jüly.

Worin sind Lithiumbatterien enthalten?

Notebook, Smartphone, Tablet, Powerbank, E-Scooter, E-Bike, Akku-Bohrer, Gartengeräte (Rasenmäher, Heckenschere), blinkende Kinderschuhe, Digitalkamera, Staubsauger, Spielzeug, Taschenlampe, Elektronische Grußkarten, Stabmixer, Schreibtischlampe.

Quelle: Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB)