Corona verringert deutschen Überschuss in der Leistungsbilanz

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Bild: Pixabay

Deutschlands Überschuss in der Leistungsbilanz ist Corona-bedingt im vergangenen Jahr gefallen, wie das ifo Institut berichtet. Der Überschuss verringerte sich auf 6,9 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung, nach 7,1 Prozent im Jahre 2019. Das waren im vergangenen Jahr 261 Milliarden US-Dollar oder 228 Milliarden Euro.

„Der chinesische Überschuss dagegen schnellte hoch um 170 Milliarden auf 310 Milliarden US-Dollar, das entspricht 2,1 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung“, sagt ifo-Forscher Christian Grimme. Auf Rang drei folgt Japan mit 158 Milliarden US-Dollar, 3,2 Prozent seiner Jahreswirtschaftsleistung. Die USA sackten ab um 155 Milliarden auf ein Defizit von 635 Milliarden Dollar.

Der deutsche Überschuss sank 2020 um 13 Milliarden US-Dollar. „Hinter dieser Fassade der Stabilität gab es zwei starke Verschiebungen, die sich fast ausglichen“, fügt Grimme hinzu. Die traditionell großen Überschüsse beim deutschen Warenhandel fielen um 34 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage nach deutschen Gütern ging vor allem in den europäischen Ländern zurück, aber auch in den USA und in Asien. Gleichzeitig reisten die Deutschen weniger ins Ausland. Deshalb fiel das deutsche Dienstleistungsdefizit um 22 Milliarden US-Dollar. Es war seit Beginn der Statistik im Jahre 1971 noch nie so gering.

Dagegen sind die USA traditionell das Land mit dem größten Leistungsbilanz-Defizit. Im Jahr 2020 erhöhte es sich um 155 Milliarden auf 635 Milliarden US-Dollar oder 3,1 Prozent seiner Jahreswirtschaftsleistung. Das US-Defizit war seit 2008 nicht mehr so hoch. Hinter den USA folgten das Vereinigte Königreich mit einem Defizit von 91 Milliarden US-Dollar (3,6 Prozent) und Frankreich mit 64 Milliarden US-Dollar (2,9 Prozent).

Die chinesischen Exporteure profitierten im besonderen Maße von der Nachfrage nach Gütern im Zusammenhang mit der Pandemie. Sie verkauften mehr elektronische Ausrüstungen wie Datenverarbeitungsgeräte, als Folge der verstärkten  Arbeit von zu Hause. Außerdem stieg die chinesische Ausfuhr von Mund-Nasen-Masken kräftig.

Bei den USA dagegen sackten 2020 die Netto-Warenexporte um über 40 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Jahr 2019. Die für die USA üblichen Dienstleistungsüberschüsse schrumpften sogar um über 55 Milliarden US-Dollar, denn die Zahl der ausländischen Touristen in den USA schrumpfte drastisch. Auch die traditionellen Überschüsse bei den Erträgen aus Auslandsvermögen fielen um 50 Milliarden US-Dollar. US-Amerikaner verdienten deutlich weniger an Wertpapieren im Ausland und die Einnahmen aus ausländischen Direktinvestitionen gingen kräftig zurück.

Nach Biden-Wahl höheres Wachstum erwartet

Internationale Experten erwarten, dass die Wahl von Joe Biden das Wirtschaftswachstum in ihrem Land fördert. Der Effekt auf die Erwartungen beträgt 1,16 Prozentpunkte höheres Wachstum für 2021, wie aus einer Umfrage des ifo Institutes unter 843 Expert*innen aus 107 Ländern hervorgeht. „Nach der andauernden Coronakrise und ihren drastischen Auswirkungen könnte die Präsidentschaft Bidens nach Ansicht der Befragten ein Hoffnungsschimmer für die Entwicklung der Weltwirtschaft im kommenden Jahr sein“, schreiben Niklas Potrafke, Leiter des ifo Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie und seine drei Ko-Autor*innen in einem Beitrag für die Zeitschrift ifo Schnelldienst. Die Befragten in den USA erwarteten allerdings keine Veränderung für ihr eigenes Land. Damit beträgt der Gesamteffekt plus 0,98 Prozentpunkte.

Potrafke verwies gleichzeitig darauf, dass im Zeitraum von 1949 bis 2012 das Wirtschaftswachstum unter demokratischen Präsidenten in den USA um 1,79 Prozentpunkte höher war als unter republikanischen Präsidenten. „Wenn sich das Muster fortsetzen würde, so kann man auch mit Blick auf die Vergangenheit von höheren Wachstumsraten unter dem Demokraten Joe Biden als unter einer zweiten Amtszeit des Republikaners Donald Trump ausgehen“, heißt es in der Studie.

Die erste Hälfte der Antworten wurde in den fünf Tage vor dem Wahltermin am 3. November eingeholt, die andere Hälfte danach vom 8. bis 13. November 2020.

Quelle: ifo Institut

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