Vision für den europäischen Bildungsraum – Aktionsplan für digitale Bildung

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Bild: Pixabay_

Den europäischen Bildungsraum bis 2025 vollenden und die Bildung für das digitale Zeitalter neu aufstellen.

Die Kommission hat heute zwei Initiativen angenommen, die den Beitrag der allgemeinen und beruflichen Bildung zur Erholung der EU nach der Corona-Krise stärken und die Gestaltung eines grünen, digitalen Europas unterstützen werden. Zum einen hat die Kommission eine Vision für den europäischen Bildungsraum entworfen, die bis 2025 umgesetzt werden soll. Vorgesehen sind neue Initiativen, umfassendere Investitionen und eine verstärkte Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten, damit Europäerinnen und Europäer aller Altersgruppen das reiche Bildungs- und Berufsbildungsangebot in der EU ausschöpfen können. Zum anderen hat die Kommission einen neuen Aktionsplan für digitale Bildung angenommen. Darin zieht sie Lehren aus der Coronavirus-Krise und skizziert einen Plan für ein leistungsfähiges digitales Bildungsökosystem mit ausgeprägten Kompetenzen für den digitalen Wandel.

In der Mitteilung über den europäischen Bildungsraum legt die Kommission dar, wie die Qualität, die Inklusivität sowie die digitale und grüne Dimension der nationalen Bildungssysteme durch europäische Zusammenarbeit weiter verbessert werden können. Die Mitteilung zeigt auf, wie die Mitgliedstaaten gemeinsam einen europäischen Bildungsraum gestalten können – basierend auf dem Grundgedanken, dass Lernende und Lehrkräfte die Freiheit haben, auf dem gesamten Kontinent zu lernen und zu arbeiten, und dass Bildungseinrichtungen sich mit Partnern in ganz Europa und in anderen Teilen der Welt zusammenschließen können.

Der europäische Bildungsraum umfasst sechs Dimensionen:

Qualität, Inklusion und Gleichstellung der Geschlechter, ökologischer und digitaler Wandel, Lehrkräfte, Hochschulbildung sowie ein stärkeres Europa in der Welt. Im Rahmen der Initiativen soll unter anderem geprüft werden, welche Möglichkeiten es zur weiteren Verbesserung der Qualität gibt (insbesondere im Hinblick auf Grundkompetenzen und digitale Kompetenzen), wie sich Inklusion und die Gleichstellung der Geschlechter besser in der Schulbildung verankern lassen und wie der schulische Erfolg verbessert werden kann. Die Initiativen werden dazu beitragen, das Verständnis für den Klimawandel und die Nachhaltigkeit zu steigern, die Ökologisierung der Bildungsinfrastruktur zu fördern, den Lehrerberuf zu stärken, das Konzept der Europäischen Hochschulen zu verwirklichen und Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen besser miteinander zu vernetzen.

In der Mitteilung werden außerdem die Instrumente und Etappenziele beschrieben, die zur Vollendung des europäischen Bildungsraums bis 2025 mithilfe des europäischen Aufbauplans (NextGenerationEU) und des Programms Erasmus+ vorgesehen sind. Außerdem wird ein Rahmen für die Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und mit Interessenträgern im Bildungsbereich vorgeschlagen, der eine Struktur für die Berichterstattung und Analyse mit gemeinsam vereinbarten Bildungszielen umfasst, um Reformen zu fördern und zu verfolgen. Bei den Maßnahmen zur Vollendung des europäischen Bildungsraums werden Synergien mit der europäischen Kompetenzagenda, der erneuerten Politik für berufliche Aus- und Weiterbildung und dem Europäischen Forschungsraum ausgeschöpft.

Im Aktionsplan für digitale Bildung (2021-2027) wird eine Reihe von Initiativen für hochwertige, inklusive und zugängliche digitale Bildung in Europa vorgeschlagen. Die Mitgliedstaaten werden aufgerufen, enger auf europäischer Ebene zusammenzuarbeiten und die Kooperation mit und zwischen Interessenträgern zu verstärken, damit die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in jeder Hinsicht für das digitale Zeitalter gerüstet sind. Durch die Corona-Krise ist der Fernunterricht ins Zentrum der Bildungspraxis gerückt. Dabei wurde schonungslos deutlich, dass die Verbesserung der digitalen Bildung ein zentrales strategisches Ziel sein muss, um hochwertiges Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter zu gewährleisten. Nach der akuten Notstandsphase aufgrund des Pandemie-Ausbruchs benötigen wir nun einen strategischen, längerfristigen Ansatz für die digitale allgemeine und berufliche Bildung.

Der Aktionsplan sieht zwei langfristige strategische Prioritäten vor:

Förderung der Entwicklung eines leistungsfähigen digitalen Bildungsökosystems und zweitens Verbesserung der digitalen Kompetenzen für den digitalen Wandel. Um die Zusammenarbeit und den Austausch im Bereich der digitalen Bildung auf EU-Ebene zu stärken, wird die Kommission eine europäische Plattform für digitale Bildung einrichten, die die Zusammenarbeit und Synergien zwischen den für die digitale Bildung relevanten Politikbereichen fördert; zugleich wird die Kommission ein Netz nationaler Beratungsdienste aufbauen und den Dialog zwischen Interessenträgern aus dem öffentlichen und dem privaten Sektor stärken.

Beide Initiativen werden auch in den dritten Europäischen Bildungsgipfel einfließen, den die Kommission am 10. Dezember online ausrichtet. Ministerinnen und Minister sowie Schlüsselakteure werden dort darüber diskutieren, wie die allgemeine und die berufliche Bildung für das digitale Zeitalter gerüstet werden können.

Hintergrund

Der europäische Bildungsraum fußt auf einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten im Bildungsbereich. Durch den strategischen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung (ET 2020) konnten Vertrauen und Verständnis aufgebaut werden, um die ersten Initiativen für den europäischen Bildungsraum zu unterstützen.

Im Jahr 2017 berieten die Staats- und Regierungschefs auf dem Sozialgipfel in Göteborg über die allgemeine und berufliche Bildung. Als Grundlage diente hierbei eine Mitteilung der Kommission, in der diese ihre Vision für einen europäischen Bildungsraum bis 2025 darlegte. Daraufhin verabschiedete der Rat im Dezember 2017 Schlussfolgerungen, in denen die Mitgliedstaaten, der Rat und die Kommission aufgefordert wurden, die Göteborg-Agenda voranzubringen. Seitdem wurden bereits viele Initiativen auf den Weg gebracht. Auf Basis dieser umfassenden Vorarbeiten legt die Kommission mit der heute angenommenen Mitteilung eine aktualisierte Vision für den europäischen Bildungsraum mit einem verstärkten Ansatz für dessen Vollendung bis zum Jahr 2025 vor. Der europäische Bildungsraum ist eng mit „Next Generation EU“, dem Aufbauinstrument der EU, sowie mit dem langfristigen Haushalt der Europäischen Union für den Zeitraum 2021-2027 verzahnt.

Der Aktionsplan für digitale Bildung ist hier einer der Eckpfeiler für die Bemühungen der Kommission, den digitalen Wandel in Europa zu voranzubringen. Er basiert auf dem ersten im Januar 2018 verabschiedeten Aktionsplan für digitale Bildung, der bis Ende 2020 läuft. Der neue Aktionsplan ist wesentlich ehrgeiziger, geht über die formale Bildung hinaus und ist mit einer Laufzeit bis 2027 auf einen längeren Zeitraum ausgelegt.

Quelle: EU-Kommission

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