Littering-Umfrage in der Schweiz zeigt: Sensibilisierung lohnt sich

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Littering ((Foto: ©Peter-Fenge /http://www.pixelio.de)

Das Resultat der neuesten Umfrage der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU) sowie die Zahlen von jährlich durchgeführten IGSU-Maßnahmen zeigen: Sensibilisierung und eine dichte Sammelinfrastruktur wirken gegen Littering. Bereits das vierte Jahr in Folge hat die Schweizer Bevölkerung den Eindruck, dass das Littering abnimmt. Auch Schweizer Städte und Gemeinden nehmen eine leichte Verbesserung wahr.

Steter Tropfen höhlt den Stein. Genauso sorgt die kontinuierliche Sensibilisierungsarbeit langsam, aber stetig für eine Verhaltensänderung im Umgang mit Abfall. Maßnahmen, mit welchen Städte, Gemeinden und Schulen Littering bekämpfen, zeigen Wirkung. Das verdeutlichen die aktuellen Ergebnisse einer Umfrage der IGSU, die 2019 zum fünften Mal durchgeführt wurde. Seit der ersten Befragung im Jahre 2015 hat sich die Littering-Situation jedes Jahr trotz Bevölkerungswachstum, zunehmendem Unterwegskonsum und verstärkter Nutzung des öffentlichen Raums leicht verbessert. Rund 70 Prozent der Befragten schätzen die Littering-Situation gleich ein wie im Vorjahr 2018, 20 Prozent empfinden die Situation als verbessert und nur zehn Prozent haben das Gefühl, die Situation habe sich verschlechtert.

Maßnahmen müssen weitergeführt werden

Während 2015 noch 25 Prozent der Befragten der Meinung waren, dass „eher viel“ oder „viel“ gelittert wird, waren es 2019 nur noch 20 Prozent. Zudem fühlten sich vor vier Jahren noch 75 Prozent der Befragten „eher stark“ oder „stark“ von Littering gestört, 2019 waren es nur noch rund 46 Prozent. Die leichte Verbesserung der Littering-Situation hat also zur Folge, dass sich auch die Bevölkerung weniger über Littering ärgert. Um die Situation weiter unter Kontrolle zu halten, müssen die Maßnahmen gegen Littering zwingend weitergeführt werden.

Auch in vielen Städten und Gemeinden sind die Verbesserungen spürbar. So zum Beispiel in Locarno, wo in den vergangenen Jahren vermehrt auf Sensibilisierung gesetzt wurde. „Seit der Einführung der Kehrrichtsackgebühr wird zudem vermehrt recycelt“, stellt Christian Mora, Leiter des öffentlichen Dienstes der Stadt Locarno fest. „Das hat zudem einen positiven Effekt auf das Littering.“ Auch Gerald Hutter, Straßeninspektor in St.Gallen, nimmt eine kontinuierliche Verbesserung wahr: „Zu diesem Erfolg hat ein gutes Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen geführt, sowie ein permanentes Dranbleiben in Sachen Littering“, ist er sich sicher. Patrick Vaucher, Verantwortlicher Abfallwirtschaft in Vevey, setzt unter anderem auf den direkten Kontakt zur Bevölkerung sowie auf die Zusammenarbeit mit Take-Away-Anbietern: „Wir setzen an Schulen, bei Veranstaltungen und in öffentlichen Räumen stärker auf Sensibilisierung.“

In Zürich konnte zwar keine deutliche Verbesserung beobachtet werden, dennoch verspricht sich ERZ Entsorgung + Recycling Zürich viel von den Maßnahmen, die in den letzten Jahren eingeführt wurden: „Wir stellen eine bedarfsorientierte Entsorgungsinfrastruktur bereit, sodass der Stadtbevölkerung genügend Abfallbehälter, Aschenbecher oder Hundekotbeutel-Dispenser zur Verfügung stehen“, erklärt Niels Michel, Fachleiter für Dialog und Präsenz bei der Stadtreinigung von ERZ.

„Unglaubliche Unterstützung aus der Bevölkerung“

Viele Städte und Gemeinden nehmen zudem vermehrt Angebote der IGSU in Anspruch. Angebote, die immer höhere Wellen schlagen. „Maßnahmen wie der Clean-Up-Day erfahren eine unglaubliche Unterstützung aus der Bevölkerung“, freut sich IGSU-Geschäftsleitern Nora Steimer. „Die Menschen wollen zu einer sauberen Umwelt beitragen und setzen dafür auch ihre Freizeit ein“. Am Clean-Up-Day 2019 wurden über 650 Aufräum-Aktionen registriert, insgesamt haben sich geschätzte 40.000 Teilnehmende an den Aufräumtagen im September engagiert. Das sind rund 120 Aktionen und 10.000 Teilnehmende mehr als im Vorjahr.

Auch die Raumpatenschafts-Projekte erfahren großes Interesse. Die IGSU hat 2018 mit www.raumpatenschaft.ch eine Webseite lanciert, mit welcher sie Organisatoren bei der Umsetzung von Raumpatenschafts-Projekten unterstützt. Das hat mehrere Städte und Gemeinden dazu bewogen, eigene Raumpatenschafts-Projekte durchzuführen. Mittlerweile haben 23 Institutionen ihre bestehenden oder neuen Projekte auf der Webseite vermerkt. Den Projekten haben sich jeweils bis zu 80 Raumpaten angeschlossen, die nun freiwillig bestimmte Gebiete regelmäßig von Abfall befreien.

Bereits seit der Gründung der IGSU vor dreizehn Jahren ziehen die IGSU-Botschafter-Teams durch Städte und Gemeinden und sprechen mit Passantinnen und Passanten über Littering und Recycling. Ihre Sensibilisierungsarbeit wird schweizweit geschätzt, im Sommer 2019 besuchten sie über 50 Orte und 25 Schulen und leisteten total 16.500 Stunden Sensibilisierungsarbeit.

Sensibilisierung und Sammelinfrastruktur statt Pfand

Damit lässt sich nun auch mit Zahlen erhärten, dass sich die Schweiz mit diesem Maßnahmenmix auf dem richtigen Weg befindet. Trotzdem wird das Littering vorgeschoben, um wieder einmal über die Einführung eines Pfands auf Getränkeverpackungen zu diskutieren. Ein Pfand würde die Littering-Problematik jedoch nicht ansatzweise lösen. Nur sieben Prozent der gelitterten Gegenstände sind Dosen und Flaschen, die gegen ein Pfand zurückgebracht werden könnten. Mindestens 93 Prozent des Litterings würden liegenbleiben, nämlich alle Zigarettenstummel, Take-Away-Essensverpackungen, Zeitungen, Flyer, Säcke, Chipstüten, Joghurtbecher, Plastikbesteck etc.

Zudem würden mit einem Pfand zwangsläufig alle Alu-, Glas- und PET-Sammelstellen im öffentlichen Raum wie an Bahnhöfen und auf Sportanlagen sowie in Schulen und Büros verschwinden. Ein Abbau der Sammelinfrastruktur ist jedoch kontraproduktiv. Denn je bequemer die Bevölkerung ihre Wertstoffe und Abfälle korrekt entsorgen kann, desto weniger davon landen auf dem Boden. Um das Littering nachhaltig und ganzheitlich zu bekämpfen, müssen die erfolgreichen Separatsammlungen weiter ausgebaut werden. Die IGSU stellt deshalb mit Begeisterung fest, dass immer mehr Städte und Gemeinden genau dies tun und auch im öffentlichen Raum die bewährten „SBB-Recyclingstationen“ anbieten – aktuell beispielsweise die Städte Zürich und Bern. Dies sind deutlich erfolgversprechendere Strategien gegen das Littering als ein Pfand auf einzelne Fraktionen.

Quelle: Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU)

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