Kräftige Erholung der Schrottpreise – was so nicht erwartet wurde

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Metallschrott (Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de)

Die Weltrohstahlproduktion zog bis Ende Oktober 2019 um 3,2 Prozent an. Für das Gesamtjahr sieht die IKB Deutsche Industriebank AG in ihrer neuesten Rohstoffpreis-Information jedoch einen geringeren Zuwachs auf 1,81 Milliarden Rohstahl, dem 2020 eher eine Seitwärtsbewegung folgen wird.

Chinas Stahlausstoß lag um 7,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Produktionsniveau in Europa sank um 3,6 Prozent, während es in Nordamerika stagnierte. In der Türkei musste infolge der geopolitischen Effekte ein Einbruch von gut zehn Prozent hingenommen werden. In Deutschland wird im Gesamtjahr eine Tonnage von maximal 41 Millionen Tonnen erwartet. Das Produktionsniveau im Inland dürfte im Jahr 2020 leicht anziehen. Umlenkungen von Lieferungen, die ursprünglich für den US-Markt bestimmt waren, stellen weiter ein potenzielles Absatzrisiko dar. Daher sieht IKB unverändert Handlungsbedarf im Sinne von Safeguard-Maßnahmen der EU.

Belebung der Schrottpreise im Januar 2020 gesehen

Im Verlauf des November 2019 kam es zu einer so nicht erwarteten kräftigen Erholung der Schrottpreise. Diese zogen zwischen 25 und 30 Euro je Tonne an. Hauptgrund war das extrem niedrige Aufkommen bei den meisten Schrottsorten – vor allem auch bei Neuschrotten aus der Automobilindustrie. Obwohl die Baukonjunktur noch gut läuft, war witterungsbedingt der Anfall von Altschrotten deutlich unter dem üblichen Niveau. Zudem zog der Export in die Türkei wieder an. Die Türkei dürfte aufgrund anziehender chinesischer Stahlpreise in der Golfregion wieder wettbewerbsfähiger werden. Die Eisenerz-Spotpreise gaben allerdings im November wieder leicht nach. Sie bewegen sich nun wieder unter der Marke von 90 US-Dollar pro Tonne. Bei weiter knappem Schrottaufkommen werden im Dezember, trotz größerer Werksferien der Stahlhersteller, eine Seitwärtsbewegung und eine Belebung der Schrottpreise im Januar 2020 gesehen.

Da die Spotmarktpreise für Eisenerz frei China leicht sanken, nahm dies etwas den Druck von den Stahlpreisen. Sie liegen allerdings immer noch rund 50 Prozent über dem Niveau vom Jahresanfang. Die europäischen Rohstahlpreise entwickelten sich weiter unterschiedlich: Die Preise für Warmbreitband gaben im Durchschnitt um 8 Euro pro Tonne entsprechend zwei Prozent nach. Verzinkte Bleche reduzierten sich bei volatilem Zinkpreis ebenfalls um zwei Prozent. Walzdraht gab dagegen deutlich stärker nach. Allerdings hatte sich dieser infolge der stabilen Baukonjunktur bisher gut behauptet; nun gaben diese bis zu 25 Euro pro Tonne bzw. fünf Prozent ab. Bei den europäischen Stahlpreisen wird ein leichtes Anziehen im ersten Quartal 2020 erwartet. Insbesondere sind die Stahlhersteller bestrebt, die höheren Rohstoffpreise weiterzugeben. Da jedoch der Importdruck von osteuropäischen und asiatischen Anbietern anhält, dürfen die von der EU ergriffenen Schutzmaßnahmen vorerst nicht gelockert werden.

Quelle: IKB Deutsche Industriebank AG