Im Sog der industriellen Rezession – Stahlrecycler spüren Abschwächung

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Foto: Pixabay

Die Unternehmen der Stahlrecyclingbranche spüren der aktuellen BDSV-Branchenumfrage zufolge die Abschwächung der Konjunktur sowohl beim Schrotteingang als auch bei der geringeren Nachfrage der Stahlwerke und Gießereien. 66 Prozent der befragten Unternehmen rechnen im nächsten Jahr mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage.

Grund hierfür ist unter anderem die schwächelnde Automobilindustrie und der nachlassende Auftragseingang im Maschinenbau. Zudem nehmen die Unsicherheiten in Folge des Handelskonflikts zwischen China und den USA sowie des Brexit zu. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist hiervon in besonderem Maße betroffen.

Neben dem Nachlassen der Industrieproduktion in Deutschland leiden die Unternehmen der Stahlrecyclingbranche unter immer höheren Kosten für die Einhaltung der Umweltauflagen, die zu Wettbewerbsnachteilen im internationalen Umfeld führen. Zudem hemmt die unterschiedliche Umsetzung der Gesetzgebung in den europäischen Mitgliedstaaten den freien Handel mit dem klimafreundlichen Recyclingrohstoff Stahlschrott. Allein die jährlich in Deutschland eingesetzten rund 19 Millionen Tonnen Stahlschrott zur Erzeugung von Rohstahl tragen zu einer Ersparnis von über 32 Millionen Tonnen CO2 gegenüber der Verwendung von Primärrohstoffen bei.

Verkehrspolitik: Seit Jahrzehnten keine Verbesserung

Weiteres Ergebnis der Branchenumfrage ist, dass Meldungen über Brände in Recyclinganlagen 2019 deutlich zugenommen haben. Dabei sind immer häufiger von Verbrauchern nicht sachgemäß entsorgte Lithium-Ionen-Batterien die Ursache. Die BDSV setzt sich zusammen mit anderen Branchenverbänden für die Kennzeichnung, die einfache Entnehmbarkeit aus Elektro- und Elektronikgeräten sowie für die konsequente Umsetzung der getrennten Sammlung dieser leicht entzündlichen Batterien ein.

Wie auch in den Branchenumfragen der vergangenen Jahre wird die Verkehrspolitik der Bundesregierung von allen befragten Unternehmen nach wie vor äußerst negativ bewertet. Seit Jahrzehnten sei keine Verbesserung zu spüren. Bemängelt werden insbesondere die fast fahrlässig vernachlässigte Infrastruktur, die trotz zahlreicher Bemühungen immer noch schlechte Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn sowie die insgesamt hohen Kosten des Güterverkehrs. Die BDSV plädiert schon seit langem für eine stärkere Nutzung des Güterschienenverkehrs. Denn mit einer Verlagerung von allein zwei Millionen Tonnen Schrott von der Straße auf die Schiene könnten weitere 46,8 Millionen Tonnen CO2* eingespart werden.

*) Anmerkung: Dieser Berechnung liegen folgende Daten zugrunde: Die Menge von zwei Millionen Tonnen Schrott entspricht der Ladekapazität von 40.000 Güterwaggons oder 83.333 Lkw-Ladungen. Der durchschnittliche Transportweg für einen Schrotttransport entspricht 300 Kilometer.

Quelle: Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V. (BDSV)

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