IK fordert faktenbasierte und unvoreingenommene Kunststoff-Diskussion

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Kunststofftüten (Foto: Kroll / Recyclingportal)

Laut Medienberichten plant das Bundesumweltministerium ein Verbot von Plastiktüten sowie Geldstrafen von bis zu 100.000 Euro bei Verstößen. Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen nimmt dazu Stellung:

„Leider verläuft die Auseinandersetzung mit Kunststofftragetaschen seit Jahren weitgehend oberflächlich und wenig an Fakten orientiert“, erklärt IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Bruder. „Vielmehr werden Tragetaschen und Beutel aus Kunststoff als sichtbares Symbol der Wegwerfgesellschaft betrachtet und politisch bekämpft. Dabei schneidet die Plastiktüte ökobilanziell sehr gut ab, vor allem die Variante aus Recyclingmaterial.“

Auch die Entsorgung sei in Deutschland über den Gelben Sack gewährleistet. Darüber hinaus würden Plastiktüten nach oftmals mehrmaligem Gebrauch als Müllbeutel verwendet. Wenn die Tüten in Deutschland in die Umwelt gelangen, dann weil Verbraucher sie nicht ordnungsgemäß entsorgen. Wenn etwas sanktioniert gehört, dann der egoistische und umweltschädigende Umgang mit Abfällen, ist die IK der Ansicht. Bruder: „Erheben wir doch eine Geldstrafe von 1.000 Euro für das Wegwerfen von Abfällen. Wir verbieten ja auch nicht das Auto, sondern das Überqueren der Ampel bei Rot.“

„Wirkungslose bis kontraproduktive Symbolpolitik“

Eine Verminderung von Tragetaschen könne materialunabhängig eine sinnvolle und ressourcenschonende Maßnahme sein, so lange keine Substitution durch weniger umweltgerechte Materialien erfolgt. Einwegkunststoffe durch andere Einwegmaterialien zu ersetzen, sei nicht zielführend. Wer heute auf Einweg-Tragetaschen aus Kunststoff verzichten will, finde in Mehrweg-Tragetaschen aus Kunststoff bereits eine nachhaltige und verbraucherfreundliche Alternative. Als ökobilanziell besonders vorteilhaft habe sich die Tragetasche aus Recyclingkunststoff erwiesen.

Das geplante Verbot von Plastiktüten bedeute damit eine ungerechtfertigte Diskriminierung des Materials gegenüber Wettbewerbsmaterialien. „Nach Auskunft der Bundesregierung wird der Verbrauch anderer Tragetaschen nicht einmal erfasst, Ökobilanzen werden bei der Bewertung nicht herangezogen“, erklärt Dr. Bruder. „Eine solche Entscheidungsfindung kann man nur Symbolpolitik nennen.“

Weiter denken im Sinne des Klimaschutzes

Pauschale Verbote ausgewählter Kunststoffprodukte in Deutschland würden weder einen nachhaltigen Bewusstseinswandel noch eine Lösung des weltweiten Meeresmüll-Problems bewirken. Die IK erwartet daher von der Politik eine faktenbasierte und unvoreingenommene Auseinandersetzung mit Verpackungen und Tragetaschen jeglicher Art, um das Ziel des verbesserten Umwelt- und Klimaschutzes wirklich zu erreichen und nicht über „populistische Forderungen“ eine Wirkung zu suggerieren, die der deutsche Verzicht auf Plastik beziehungsweise Plastiktüten nicht haben könne. „Dass mit solch pauschalen Bewertungen eine ganze Industrie in Misskredit gebracht wird, deren Innovationen maßgeblich für den Klimaschutz in vielen Bereichen unseres Lebens ist, scheint keine Rolle zu spielen“, ärgert sich Bruder. „Und genau darum setzen wir uns auch bei der Plastiktüte für eine sachliche Auseinandersetzung ein. Plastikbashing war gestern.“

„Warum Verbote, wenn freiwillige Reduktion und Aufklärung wirken?“

Mit Blick auf die überaus erfolgreiche Selbstregulierung im Handel, die die europäischen Ziele schon heute übererfüllt, sei ein gesetzliches Verbot nicht erforderlich und zudem ein enttäuschender Vertrauensbruch. Freiwillige Selbstverpflichtungen seien eine auf Kooperation ausgerichtete Maßnahme der Industrie und Wirtschaft zum Erreichen politischer Ziele und sollten als solche geschätzt werden. Etwaige Maßnahmen wie Verbote sollten dann geprüft werden, wenn freiwillige Maßnahmen nicht verfangen. Es sei wichtig, dass sich Industrie und Wirtschaft auf die Anerkennung erfolgreicher freiwilliger Selbstverpflichtungen verlassen können.

Quelle: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V.

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