Deutscher Wissenschaftler in die Leitung des Europäischen Forschungsrats berufen

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Die Europäische Kommission hat sechs hochrangige Wissenschaftler in das Leitungsorgan des Europäischen Forschungsrates (ERC), den Wissenschaftlichen Rat, berufen. Zu ihnen gehört Professor Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin. Er tritt sein Mandat zum 1. Januar 2020 an.

Alle neuen Mitglieder wurden von einem unabhängigen Ausschuss ausgewählt, die Wissenschaftsgemeinde war in den Prozess eingebunden. Auch hat die Kommission die Mandate von drei derzeitigen Mitgliedern des ERC-Leitungsgremiums verlängert, unter anderem das Mandat von Professor Michael Kramer, Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Zudem hat die Kommission eine öffentliche Konsultation zum nächsten EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont Europa (2021-2027) eingeleitet. Die Konsultation wird bis zum 8. September Rückmeldungen von Bürgern und Interessengruppen darüber einholen, wie Horizont Europa im Detail gestaltet und in der Praxis umgesetzt werden sollte.

Das European Research Council

Der Wissenschaftliche Rat des ERC, der sich aus 22 hochrangigen Wissenschaftlern und Forschern zusammensetzt, die die europäische Wissenschaftsgemeinschaft vertreten, ist das unabhängige Leitungsorgan des ERC. Seine Hauptaufgabe ist die Festlegung der ERC-Strategie und die Auswahl der Peer-Review-Bewertungsexperten. Den Vorsitz führt der Präsident des ERC, Professor Jean-Pierre Bourguignon. Ab dem 1. Januar 2020 wird Professor Mauro Ferrari wird den Vorsitz übernehmen.

Finanziert wird der Forschungsrat über das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020. Von 2014 bis 2020 verfügt der ERC über ein Budget von 13 Milliarden Euro. Gefördert wird eine als Pionierforschung oder Frontier Research bezeichnete grundlagenorientierte Forschung. Der Begriff Frontier Research verdeutlicht das neue Verständnis einer bahnbrechenden und visionären Forschung, bei der die Grenzen zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung, zwischen klassischen Disziplinen sowie zwischen Forschung und Technologie aufgehoben werden.

Die Fördermaßnahmen des ERC richten sich an exzellente einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jeder Nationalität, die ihr Forschungsprojekt in Europa durchführen möchten. Die „ERC Grants“ ermöglichen es diesen Forschern, Teams frei zusammenzustellen und bahnbrechende Forschung über mehrere Jahre finanziert zu bekommen.

Von 2007 bis 2017 wurden über den ERC rund 7.000 Spitzenforscher („Champions“) und mehr als 50.000 Mitglieder in Forschungsteams, meist Doktoranden und Postdoktoranden, mit 12 Milliarden Euro gefördert. Über 1,9 Milliarden Euro gingen an mehr als 1000 Forscherinnen und Forscher in Deutschland. Die meisten der ERC-Preisträger sind unter 40 Jahre alt, mehr als 70 Prozent von ihnen haben Projekte durchgeführt, die zu Entdeckungen oder bedeutenden Fortschritten geführt haben. Auch für die Karrieren der geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren die ERC-Grants von großer Bedeutung: Sechs vom ERC geförderte Wissenschaftler erhielten bisher Nobelpreise, vier eine Fields-Medaille und weitere international hochdekorierte Auszeichnungen.

Quelle: EU-Kommission