Erfolgreiche Kooperation für weniger Verpackungsmüll

629
Ballen von Kunststoffverpackungen (Foto: ©Petra Hoeß, Fabion Markt + Medien / abfallbild.de)

Immo Sander, Leiter der Verpackungsentwicklung bei Werner & Mertz, und Thomas Kahl, Projektmanager EcoSolutions von Mondi Consumer Packaging, haben auf dem zweiten Packaging Summit in München die Entwicklung einer recyclingfähigen flexiblen Verpackung präsentiert.

Vor einem internationalen Fachpublikum erläuterte Sander, wie im Rahmen der Rezyklat-Initiative von Werner & Mertz ungenutzte Sekundärrohstoffquellen wie der Gelbe Sack für das werkstoffliche Recycling nutzbar gemacht wurden. Dies gelang dank konstruktiver Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Im Fokus des aktuellen Vortrags stand die gemeinsame Entwicklung von Werner & Mertz mit dem global führenden Verpackungs- und Papierunternehmen Mondi: Ein vollständig recycelbarer Standbodenbeutel aus einem Monomaterial (Polyethylen) mit abtrennbarer Banderole (ebenfalls aus Polyethylen) – gestaltet nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. „Mit diesem richtungsweisenden Design für Recycling ist ein weiterer großer Schritt bei der Kreislaufführung von Kunststoffverpackungen gelungen“, sagte Sander. Der patentierte innovative Standbodenbeutel kann nach Gebrauch zu 100 Prozent zu einem Rezyklat in nahezu gleicher Qualität wie das Ausgangsmaterial recycelt werden.

Vier Jahre Entwicklungsgeschichte

Immo Sander, Leiter Verpackungsentwicklung bei Werner & Mertz (Foto: Packaging Summit/Martin Kroll)

Diese Innovation ist das Ergebnis einer Idee, die bereits lange auf der Agenda von Werner & Mertz stand. „Schon im Jahr 2014 haben wir bei Werner & Mertz nach „Einstoff-Konzepten gesucht“, schildert Sander die Entwicklungsgeschichte. Ziel war ein Beutel aus Monomaterial statt der üblichen Multi-Layer-Produkte, der mit bereits existierenden Technologien bedruckt und abgefüllt werden konnte. Schnell habe sich aber abgezeichnet, dass die gesteckten Ziele nur gemeinsam mit einem Verpackungsspezialist zu erreichen seien, so Sander. Diesen fand Werner & Mertz in Mondi. „Es ist kaum mehr möglich, dass ein einzelnes Unternehmen eine solche Innovationsleistung alleine vollbringt. Um Verpackungen für die Kreislaufwirtschaft zu verwirklichen, braucht es ein Netzwerk und wir – Mondi und Werner & Mertz – waren bereit, uns der Herausforderung zu stellen“, erläuterte Kahl.

2015 gründeten die beiden Unternehmen eine Projektgruppe gemeinsam mit dem Grünen Punkt, EPEA Switzerland und cyclos-HTP. Die drei Partner unterstützten die Entwicklung sowohl mit Beratung zur Materialauswahl als auch der Bestätigung der tatsächlichen Kreislauffähigkeit des Beutels sowie die Integration in bestehende Recyclingstrukturen. In der Entwicklung galt es für alle Beteiligten aber zunächst herauszufinden, was „Design for Recycling“ tatsächlich bedeutet – selbst die erfahrenen Verpackungsexperten mussten hier konsequent lernen, das Produkt auch von seinem Ende her zu denken. Nach einer engagierten Entwicklungszeit wurde 2017 aus dem Material Polyethylen ein stabiler und vollumfänglich nutzbarer Standbodenbeutel realisiert. Und nach Überwindung aller notwendigen bürokratischen Hürden konnten Mondi und Werner & Mertz 2018 die Neuentwicklung in der Öffentlichkeit vorstellen.

Neue Ziele für flexible Verpackungen

Thomas Kahl, Projektmanager EcoSolutions von Mondi Consumer Packaging (Foto: Packaging Summit/Martin Kroll)

Der vollständig recycelbare Beutel ist aber nur der Anfang in der Entwicklung kreislauffähiger flexibler Kunststoffverpackungen. „Unser Ziel ist es, dass die flexiblen Kunststoffverpackungen nicht nur vollständig recycelbar sind, sondern auch selbst aus recycelten Materialien bestehen“, skizzierte Sander die geplanten Schritte bis zum Jahr 2025, die von der Einführung der aktuellen innovativen Verpackung über weitere Entwicklungsschritte bei Druckfarben und Barriereeigenschaften sowie dem Einsatz von Recyclat reichen: „Wir haben nun einen erfolgreichen Grundstein gelegt, auf dem wir mit unseren weiteren Zielen aufbauen können.“

Generell sehen Sander und Kahl eine Entwicklung des Marktes hin zu flexiblen Verpackungen. Auch Alternativen zu Kunststoff, wie etwa Papier, seien durch das Bewusstsein zur Plastikflut wieder mehr im Fokus. Kahl: „Wann immer möglich aus Papier, wo sinnvoll aus Kunststoff, und wenn ein Einsatz von Kunststoff für Verpackungen sinnvoll ist, müssen wir uns verpflichten, darauf zu achten, dass diese grundsätzlich und vollständig recycelt werden können.“

Quelle: Bestfall GmbH

Anzeige