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US-Zolldeal verschafft EU Vorteil gegenüber China und Indien

Der Zolldeal mit den USA hat der EU im Vergleich zu asiatischen Wettbewerbern einen Vorteil verschafft. Vor allem die Autoindustrie profitiert von einer Zollsenkung, im Maschinenbau sind die Zölle dagegen gestiegen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Die EU kam seit dem „Liberation Day“ deutlich glimpflicher davon als China: Zwischen April 2025 und Februar 2026 lag der effektive US-Zollsatz auf Importe aus der EU bei durchschnittlich 7,8 Prozent. Für Waren aus China waren es knapp 37 Prozent. Das zeigen IW-Berechnungen auf Basis von Daten des US Census Bureau, die die tatsächlich gezahlten Zölle ins Verhältnis zum Importwert setzen.

Deal senkt Zölle in Autoindustrie

Deutschland war vom US-Zollschock nach dem „Liberation Day“ besonders stark betroffen – und profitiert deshalb überdurchschnittlich vom US-EU-Deal. Mit bis zu 13 Prozent hatte die Bundesrepublik zunächst den höchsten effektiven US-Zollsatz innerhalb der EU. Während die USA den Deal zwischen September 2025 und Februar 2026 anwandten, sank der deutsche Satz auf durchschnittlich 10,6 Prozent – näher an den EU-Durchschnitt von 8,2 Prozent. Ein Grund: Bei Pkw, die für den deutschen Export so wichtig sind, fielen die effektiven Zölle von rund 27 auf etwa 15 Prozent.

Im Vergleich mit den wichtigsten Konkurrenten auf dem US-Markt verschafft der Deal der EU einen Kostenvorteil. Denn die effektiven Zollsätze vieler asiatischer Wettbewerber stiegen nach dem „Liberation Day“ deutlich stärker als die der EU. Europäische Exporteure können somit dort zu günstigeren Zollbedingungen antreten. Allerdings ist dieser Vorteil seit dem Supreme-Court-Urteil vom Februar 2026, das einen Großteil der von Trump verhängten Zölle für rechtswidrig erklärte, deutlich geschrumpft: Chinas effektiver Zollsatz ging nach dem Urteil um fast neun Prozentpunkte zurück, Indiens sogar um zwölf. Die EU profitierte dagegen nur von einem Rückgang um rund einen Prozentpunkt.

USA unterlaufen den Deal im Maschinenbau

Doch nicht alle Branchen profitieren: Für Produkte des Maschinenbaus kletterte der effektive EU-Zollsatz nach dem Deal auf durchschnittlich 12,6 Prozent – für Deutschland sogar auf 14,6 Prozent. Der Grund: Die US-Regierung stuft Maschinen, die zu großen Teilen aus Stahl bestehen, als Stahlprodukte ein und belegt sie mit dem 50-Prozent-Zoll für Stahl und Aluminium auf den Stahlanteil. „Das untergräbt den Deal und muss dringend nachverhandelt werden“, sagt IW-Ökonomin Samina Sultan.

Dennoch wäre die EU gut beraten, dem Deal zuzustimmen. Schließlich wäre die Alternative – keine Vereinbarung und damit unberechenbare Zollerhöhungen – für die europäische Wirtschaft deutlich teurer. „Der Deal ist eine bittere Pille, aber besser als ständige Disruption“, sagt Sultan. Doch damit das auch verlässlich so bleibt, müsse die EU zusätzlich zur Nachverhandlung der Stahlzölle eine Aussetzungsklausel durchsetzen, die greift, falls die USA die vereinbarte Obergrenze von 15 Prozent überschreiten.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft

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