E-Waste Race: Deutschlandweites Schulprojekt sammelt Elektroschrott

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Elektro(nik)schrott (Foto: bvse)

Die gemeinnützige Initiative Das macht Schule holt ein Erfolgsmodell aus den Niederlanden nach Deutschland. Nach den Sommerferien startet das erste E-Waste Race – für mehr Bewusstseinsbildung und eine Verhaltensänderung in den Haushalten.

Das E-Waste Race verbindet Umweltbildung mit einem Wettbewerb. In einer vierwöchigen Sammelaktion werden Schülerinnen und Schüler Elektroschrott in ihrer Nachbarschaft sammeln und sich dabei aktiv mit Recycling und den Auswirkungen auf Mensch und Umwelt auseinandersetzen. Dies fördert ökologisches Bewusstsein und nachhaltiges Handeln und wertvolle Rohstoffe werden wieder in den Kreislauf zurückgeführt. In der Regel treten zehn Schulen gemeinsam an. Dabei werden im Schnitt 14 Tonnen Elektro- und Elektronikschrott gesammelt. Wer am fleißigsten sammelt, gewinnt einen Schulausflug. Dieses Erlebnis bewirkt positive Verhaltensänderungen bei Schülerinnen und Schülern mit großer Strahlkraft auf die Familien und die beteiligten Haushalte aus dem Umfeld der Schule. Jeweils mit von der Partie ist das örtliche Entsorgungsunternehmen, das für das fachgerechte Recycling sorgt.

„Die Jugend will aktiv werden. Sie gibt sich nicht mehr mit Sonntagsreden zufrieden“  

In den Niederlanden wurde dieses Projektformat schon an über 1.000 Schulen durchgeführt. Jedes einzelne Projekt war ein Riesenerfolg. Die gemeinnützige Initiative Das macht Schule hat dieses Erfolgsmodell mit Förderung der Aurubis AG nun auch nach Deutschland geholt und startet das erste deutsche E-Waste Race mit zehn Schulen in Hamburg nach den Sommerferien. Jens Kerstan, Senator der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft übernimmt zudem die Schirmherrschaft für das erste deutsche E-Waste Race in Hamburg.

Bernd Gebert, Gründer von Das macht Schule: „Die Jugend sieht Umwelt- und Klimaschutz als wichtigstes Problem. Sie gibt sich nicht mehr mit Sonntagsreden zufrieden und will aktiv werden. Viele Schulen wollen dieses Engagement-Potenzial kanalisieren und fragen nach entsprechenden Projektformaten. Deshalb freuen wir uns, dieses Format zukünftig im gesamten deutschsprachigen Raum anbieten zu können.“

Das entspricht auch dem vielfachen Wunsch nach mehr ökologischer Bildung, die nach der Rio-Erklärung (Bildung für nachhaltige Entwicklung – BNE) bereits seit 1992 zum Pflichtprogramm der Schulen gehören sollte, wie es auch Fridays for Future fordert. „Die Pandemie kann nicht länger ein Grund sein, jetzt notwendige Aktionen aufzuschieben“, appelliert Gebert. Geholfen hat dabei eine Förderung Swiss Life Stiftung für Chancenreichtum und Zukunft, um das Projektformat so zu überarbeiten, dass es auch unter einschränkenden Pandemie-Bedingungen wirkungsvoll umgesetzt werden kann.

Das Bewusstsein für die Kreislaufwirtschaft und die im Elektrogesetz verankerte Rücknahmepflicht von Kommunen und größerem Handel scheint nicht besonders ausgeprägt zu sein. Gerade mal 40 Prozent werden gesammelt (quarks.de). Laut Gesetz sollen es seit 2019 mindestens 65 Prozent sein. Der kaputte Föhn, defekte Toaster, das alte Handy, DVD-Player oder Computer landen allzu oft im Keller, in der Mülltonne oder bei illegalen Entsorgern, statt auf dem Recyclinghof. Damit werden sie der umweltverträglichen Entsorgung und Wiederverwendung der darin enthaltenen Rohstoffe entzogen.

Als Elektroschrott gilt alles, was einen Stecker oder eine Batterie hat: vom Drucker über Schreibtischlampen und Smartphones bis hin zu Kaffeemaschinen, Rechnern, Mixern, Telefonen und Beamern, die das Ende ihrer „Lebensdauer“ erreicht haben. Dazu gehören auch Komponenten wie zum Beispiel Netzteile, Antennen oder Verbindungskabel.

Elektroschrott macht international zwar nur zwei Prozent der Abfallströme aus, dafür stecken hier aber die wertvollsten Rohstoffe und 70 Prozent der gefährlichen Abfallbestandteile (quarks.de). Bisher kippen die Industrienationen den Ärmsten der Welt einen Teil des Elektroschrotts – trotz Exportverbot – vor die Füße. Diese versuchen wiederum das Beste für sich rauszuholen. Unter Gefahren für Umwelt und Gesundheit wird Elektroschrott dort schutzlos mit der Hand verarbeitet – oft von Kindern. Dabei werden umweltschädliche Substanzen wie Blei, Quecksilber, Cadmium oder FCKW unkontrolliert freigesetzt, schaden der Gesundheit und der Umwelt. Elektroschrott enthält Gold, Kupfer, Nickel und andere seltene Elemente wie Iridium oder Palladium. Eine Tonne Smartphones birgt heute weitaus mehr Gold als eine Tonne Gold-Erz. Doch nur rund 30 Prozent von diesem Gold wird auch wiederverwertet.

Aufklärung ist gefragt

„Zeit, die Gelegenheit zu ergreifen und die Herausforderungen des E-Schrotts anzugehen“, heißt es in einer Presseverlautbarung der UN anlässlich des World Economic Forum in Davos. Das findet auch die deutsche Umwelthilfe (DUH). Sie bemängelt, dass 25 von 55 untersuchten Elektro-Märkten gegen die Rücknahmepflicht verstoßen. Die verpflichtet sie nämlich, Geräte bis zu 25 Zentimeter Kantenlänge kostenlos zurückzunehmen und größere Altgeräte dann, wenn ein neues ähnliches Gerät gekauft wird – unabhängig davon, wo das Gerät ehemals erworben wurde. Außerdem nehmen die Gemeinden über Wertstoff­ beziehungsweise Recyclinghöfe Elektroaltgeräte zurück. Viele wissen das nicht.

Deshalb ist Aufklärungsarbeit gefragt. Ein breitenwirksamer Ansatz hilft, diese Themen sowohl bei der Jugend, in den Haushalten und im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Auch Fachleute sind sich einig: Mehr Umweltbildung in der Schule würde helfen, die Fähigkeiten zur Zukunftsbewältigung in der Gesellschaft zu verbessern. Schule kann beispielhaft die Rolle für andere gesellschaftliche Bereiche einnehmen. Was von der Jugend auf Demonstrationen gefordert wird, kann auch mit ihr realisiert werden. Das macht Proteste nicht überflüssig, aber glaubwürdiger und wirkungsvoller.

Das Projekt wird vom Umweltbundesamt (UBA) empfohlen. Dr. Bettina Rechenberg (UBA) betont: „Für junge Menschen in Deutschland ist der Schutz von Umwelt und Klima ein Top-Thema. Mit dem E-Waste Race können sie aktiv etwas beitragen, Vorbild werden und Schule machen.“

Kommunen wie auch Schulen, die in ihrer Region ein E-Waste Race durchführen möchten, können sich bei Das macht Schule melden. Auf das erste Race in Hamburg folgen noch in diesem Herbst eines in Berlin und in NRW. Für 2022 sind mindestens zehn E-Waste Races geplant, in unterschiedlichen Städten mit jeweils zehn Schulen. Dafür arbeitet Das macht Schule jeweils mit einem lokalen Sponsor (z. B. Kommune, Förderstiftung oder Unternehmen) zusammen und übernimmt die Organisation vor Ort. Die Anpassung der Prozesse aus den Niederlanden für Deutschland wurde durch eine großzügige Initialförderung der Aurubis AG, einem der größten Kupferrecycler und weltweit führenden Multimetall-Unternehmen, ermöglicht.

Mehr Informationen

Das macht Schule hilft mit coolen Praxisprojekten Schüler aufs zukünftige Leben vorzubereiten, Teilhabe, Werte und Kompetenzen zu fördern. Die Schülerinnen und Schüler lernen Probleme zu lösen, um mit den globalen Herausforderungen der Zukunft umgehen zu können. Zusätzlich vermittelt die Initiative gebrauchte Hardware aus Unternehmen kostenlos an Schulen. Das macht Schule ist seit 2007 online – deutschlandweit, gemeinnützig, gründergeführt und wird durch Stiftungen und Spenden finanziert. Mehr über uns

E-Waste Race wurde 2014 in den Niederlanden von Timmy de Vos gegründet und ist an über 1.000 Schulen gelaufen. Eine Evaluation belegt die positive Wirkung auf das Verhalten.

Quelle: Das macht Schule gemeinnützige GmbH

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