Digitaler Produktpass: An einem praxistauglichen Prototypen wird gearbeitet

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Foto: © Alba Group

Digitale Produktpässe sollen dazu beitragen, den Materialverbrauch von Produkten für alle Akteure in der Produktions- und Lieferkette – vom Hersteller bis zu Verbrauchern – offen zu legen. In einem dreitägigen interdisziplinären Workshop entwickeln Fachleute aus der Batterieindustrie, Wissenschaft, der Europäischen Kommission und des BMU konzeptionelle Prototypen für diese Produktpässe.

Der virtuelle Innovationsworkshop findet im Format des Design Sprints als „Sprint for Green“ vom 16. bis 18. Juni statt und steht im Kontext der im März 2020 veröffentlichten Umweltpolitischen Digitalagenda des BMUs. Svenja Schulze: „Der Produktpass sorgt für Transparenz entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts: vom Rohstoff bis zum Recycling. So können sich etwa Konsumentinnen und Konsumenten bewusst für ein nachhaltiges Produkt entscheiden. Und Verwertungsfirmen können ausrangierte Geräte besser recyceln. Das sind wichtige Schritte hin zu einer klimaschonenden und ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft.“

Zuerst für Batterien in Elektrofahrzeugen

Der digitale Produktpass soll zuerst für Batterien in Elektrofahrzeugen eingesetzt werden. So sieht es neben entsprechenden Anforderungen für bestimmte Industriebatterien die geplante Europäische Batterie-Verordnung vor, die 2022 verabschiedet werden soll. Der Lebenszyklus von Batterien ist entscheidend für die Umweltfreundlichkeit der Elektromobilität. Insbesondere sollen die Herstellung und das Recycling der Batterien so gestaltet werden, dass der Einsatz von Rohstoffen sinkt und die Bestandteile der Batterien weitgehend wiederverwendet werden können.

Design, Herstellung, Nutzung, Entsorgung

Der digitale Produktpass ist den Informationen nach ein Datensatz, der die Komponenten, Materialien und chemischen Substanzen oder auch Informationen zu Reparierbarkeit, Ersatzteilen oder fachgerechter Entsorgung für ein Produkt zusammenfasst. Die Daten stammen aus allen Phasen des Produktlebenszyklus und können in all diesen Phasen für verschiedene Zwecke genutzt werden (Design, Herstellung, Nutzung, Entsorgung). Die Strukturierung umweltrelevanter Daten in einem standardisierten, vergleichbaren Format ermöglicht allen Akteuren in der Wertschöpfungs- und Lieferkette, gemeinsam auf eine Kreislaufwirtschaft hinzuarbeiten. Der digitale Produktpass dient zugleich als wichtige Grundlage für „verlässliche Konsumenteninformation und nachhaltige Konsumentscheidungen im stationären wie auch im Online-Handel“.

Der Pass eigne sich für sämtliche Produkte und Dienstleistungen sowie Lebensmittel, wobei der Schwerpunkt zunächst auf besonders ressourcen- und energieintensiven Gütern liegen sollte. Das wäre zum Beispiel Informations- und Kommunikationstechnik mit hohem Energie- und Materialverbrauch. Der digitale Produktpass werde – wie es heißt – „für Produkte mit komplexer Zusammensetzung wichtiger sein, als für Produkte mit wenigen Bestandteilen.“ Dies sei nicht zuletzt wichtig, „um negative Umweltauswirkungen zu verhindern und das Recycling zu optimieren.“

Um eine möglichst breite Beteiligung von Fachleuten und interessierten Stakeholdern zu gewährleisten, arbeitet das BMU mit einem innovativen Design-Sprint-Format. Dabei werden Akteure aus den Bereichen Batterieindustrie und Elektromobilität, Abfall- und Kreislaufwirtschaft sowie IT und Think-Tanks eingebunden. Das Design-Sprint-Format ist eine agile Workshopmethode, um digitale Produktideen möglichst schnell auf ihre Umsetzbarkeit und Nutzerakzeptanz zu prüfen und nutzerzentriert auszurichten.

Weitere Informationen zum Digitalen Produktpass

Quelle: BMU

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