Pilotprojekt: In Reinach holt ab Juni die Post Plastikabfälle ab

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Foto: Evelyn Lenzin

Die Schweiz ist Weltmeisterin im Recycling von PET. Doch bei den restlichen Kunststoffen sieht die Bilanz mager aus. 80 Prozent der Plastikverpackungen landen noch immer im Abfall. Im Juni startet darum ein Pilotprojekt in der Gemeinde Reinach BL, in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post: Postbotinnen und -boten bringen auf ihrer Zustelltour leere Kunststoffflaschen und Getränkekartons zurück in den Kreislauf.

Hinter dem Pilotprojekt steht realCycle, ein vom Migros-Pionierfonds ermöglichtes Pionierprojekt. Die Kunststoffflaschen und Getränkekartons werden im „Recycling-Sack“ bei den Briefkästen deponiert. Der 35 Liter Recycling-Sack ist bei der Gemeinde Reinach (Bezirk Arlesheim, Kanton Basel-Landschaft) für 1.80 Franken erhältlich. Die Postboten transportieren die eingesammelten Säcke zur Reinacher Poststelle, von wo aus sie in ein spezialisiertes Sortierwerk der Müller Recycling AG in Frauenfeld gebracht werden.

Wie einfach die Kunststoffkreislaufwirtschaft von morgen funktionieren kann

Mit dieser cleveren Logistik entfallen zusätzliche, unökologische Lastwagentransporte, denn die Kunststoffe reisen bis ins Sortierwerk in einem Gebinde, welches sowieso ins Logistikzentrum der Post zurückgebracht werden müsste. „Dieses Pilotprojekt zeigt exemplarisch, wie einfach die Kunststoffkreislaufwirtschaft von morgen funktionieren kann“, sagt Corinne Grässle, Projektleiterin des Migros-Pionierfonds. „Dadurch wird die Gesellschaft unabhängiger von immer knapper werdenden Rohstoffen.“

Der Rücklauf von Kunststoffflaschen ins Recycling wird durch das Pilotprojekt erleichtert und derjenige von Getränkekartons überhaupt erst möglich. Das Gemisch aus den gesammelten Kunststoffflaschen und Getränkekartons wird in Frauenfeld sortiert und für das Recycling aufbereitet. Die sortierten Kunststoffflaschen werden dann in der Schweiz zerkleinert, gewaschen und zu Regranulat verarbeitet, aus dem wieder neue Kunststoffprodukte gefertigt werden können.

Foto: Evelyn Lenzin

Im Reinacher Pilotprojekt werden nur Kunststoffflaschen und Getränkekartons gesammelt, aber keine weiteren Kunststoffverpackungen wie etwa Joghurtbecher oder Folien. „So können wir sicherstellen, dass die gesammelten Kunststoffe auch in der Schweiz rezykliert werden“, sagt Melanie Haupt, Co-Projektleiterin von realCycle und Dozentin für Kreislaufwirtschaft an der ETH Zürich. Sie beschäftigt sich in der Forschung seit vielen Jahren mit der Analyse der Abfallströme und den Möglichkeiten des Kunststoffrecyclings. Für Getränkekartons fehlt derzeit eine Recyclinganlage in der Schweiz, weshalb sie heute in Deutschland und Frankreich rezykliert werden. Während die Kartonfaser für Wellkarton eingesetzt wird, wird das übrigbleibende Alu-Kunststoff-Gemisch entweder als Brennstoff eingesetzt oder für weitere Produkte genutzt.

Eine relevante Lücke schließen

Das Angebot in Reinach BL soll eine relevante Lücke im Kunststoffkreislauf schließen. „Die Sammlung durch die Post vereinfacht es der Bevölkerung, gut verwertbare Kunststoffe separat zu sammeln und vor der Haustüre beim Briefkasten abholen zu lassen. Die Post verfügt über die nötige Logistik und das Know-how, um ein solches Sammelsystem nachhaltig zu betreiben“, sagt Patrick Lampert, Leiter Unit Kreislaufwirtschaft bei der Post CH AG.

Das Pilotprojekt wird sechs Monate laufen. Eine Ausweitung des Sammelgebietes ist seitens realCycle bereits geplant. In einem weiteren Schritt soll auch getestet werden, ob sich ländliche und abgelegene Gebiete einfacher an Entsorgungsstrukturen anschließen lassen. Die Ambition seitens realCycle, eine nationale Lösung zu finden, ist groß. „Das Pilotprojekt ist ein erster Schritt in Richtung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, wo bestehende Synergien bestmöglich genutzt werden“, schlussfolgert Melanie Haupt.

Quelle: Redilo GmbH

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