„Ökoverkehrszeichen“? Die Ökobilanz kann nicht mithalten!

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Bild: Pixabay/geralt

Ökoverkehrszeichen mit Platten aus chinesischem Bambus und einem Holzsteher aus Neuseeland sollen gut fürs Klima sein?

In Wien läuft derzeit eine Pilotaktion mit Verkehrszeichen aus Holz und Bambus an, die auch bei harten klimatischen Bedingungen bestehen sollen. Die Idee: Bambus soll Aluminium ersetzen.

Die Arbeitsgemeinschaft Metalle Österreich im VDM vertritt Unternehmen, die Nichteisenmetalle handeln, recyceln und produzieren. Sie hat schon im August 2020 auf die ökologische Fragwürdigkeit dieses Projekts hingewiesen. Hier noch einmal die Argumente:

„Wo bitte ist bei dieser neuen Erfindung der Klimavorteil zu sehen?“ Die Rohstoffe kommen aus China und Neuseeland, beide Staaten liegen geografisch weit entfernt. Die Beschaffung des Materials ist somit wohl eher als klimaunfreundlich anzusehen. Dafür sollen die Ökoverkehrszeichen, auf die es bis zu einem halben Jahrhundert Garantie geben soll, länger halten als die bisherigen „Kollegen“ aus Aluminium. Nach Erreichen des Endes des Lebenszyklus kann man sie laut Hersteller in den Kompost geben oder verheizen. Das war es dann.

Schaut man sich die Verkehrszeichen und deren Lebenszyklus aus Metall (in der Regel aus Aluminium) etwas näher an, so stellt man schnell fest: hier gibt es kein Ende des Lebenszyklus. Die Wiederverwendung von Metallen ist seit Jahrtausenden ein nicht endender Kreislauf. Ein berühmtes Beispiel für Recycling ist das ehemalige Dach des römischen Pantheons, dass im 8. Jahrhundert ausgebaut wurde und dessen Bronzeplatten später im 16. Jahrhundert für die Säulen des Papstaltars im Petersdom verwendet wurden. Auch die Überreste des Koloss von Rhodos wurden 672 an Metallhändler verkauft, die sie dann mit Hilfe von 900 Kamelen wegschaffen ließen, um das Metall einer Wiederverwendung zuzuführen.

Sobald das metallische Produkt (ob Rohr, Kabel, Goldzahn oder eben auch Verkehrsschild) seine ursprüngliche Funktion verliert und dem Metallhandel zugeführt wird, beginnt der Recyclingkreislauf. Recycling endet, wenn durch einen Umschmelz- oder Umarbeitungsprozess ein neues Produkt entsteht.

Und dabei werden auch noch massiv Energie und CO2 gespart. Beispielsweise für das  Recycling einer Tonne Aluminium aus alten Alu-Vormaterialien sind nur rund fünf Prozent der Energiemenge nötig, die zur Erzeugung einer Tonne Aluminium aus dem Erz Bauxit eingesetzt werden muss. Zusammengerechnet für das Jahr 2017 wurden durch das Metallrecycling von Aluminium, Kupfer und Zink circa 1,08 Millionen Tonnen Rohstoffe zurückgewonnen, die im Vergleich zur Primärproduktion circa 8,30 Millionen Tonnen CO2 eingespart haben. Zum Vergleich: Die Fluggesellschaft Ryanair produzierte vor der Pandemie jährlich 9,98 Millionen Tonnen CO2.

Die Ökobilanz der neuen „Ökoverkehrszeichen“ kann mit den „Kollegen“ aus Metall also leider nicht mithalten; und der Preis schon gar nicht. Sie sind etwa doppelt so teuer … aber gut, einen Versuch war es wert.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Metalle Österreich im VDM

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