Bei der Corona-Wirtschaftspolitik ist noch deutlich Luft nach oben

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Fast die Hälfte der Volkswirte im ifo-Ökonomenpanel ist „eher unzufrieden“ (27 Prozent) oder „sehr unzufrieden“ (20 Prozent) mit der aktuellen Corona-Wirtschaftspolitik.

Das geht aus dem aktuellen Ökonomenpanel hervor, bei dem das ifo Institut und die Frankfurter Allgemeine Zeitung Wirtschaftsprofessor*innen an deutschen Universitäten befragten. 30 Prozent antworteten mit „teils-teils“. Rund 20 Prozent sagten, sie seien „eher zufrieden“ mit der Corona-Wirtschaftspolitik, zwei Prozent sind sogar „sehr zufrieden“. An der Umfrage nahmen 177 Ökonom*innen teil.

„Die Ergebnisse des neuen Ökonomenpanels legen nahe, dass bei der Corona-Wirtschaftspolitik noch deutlich Luft nach oben ist“, kommentiert Niklas Potrafke, Leiter des ifo Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie. Die Teilnehmenden äußerten: die Politik sei zu langsam und reagiere unflexibel, es würden keine (Öffnungs-)Perspektiven entwickelt. Die Hilfen für die Unternehmen seien zu bürokratisch, die Impfstrategie habe bisher weitgehend versagt. „Prämien für Hersteller, die Impfstoff zusätzlich produzieren und schnell liefern, sind nach Ansicht der Befragten eine besonders geeignete Maßnahme“, sagt Potrafke.

Kritisch sehen die Ökonomen eine Vergemeinschaftung von Patenten mit Ausgleichszahlungen an die Inhaber. 32 Prozent sehen das „eher negativ“ und 25 Prozent „sehr negativ“. Als „neutral“ bezeichnen das 12 Prozent, als „eher positiv“ 13 Prozent und als „sehr positiv“ 12 Prozent.  Bei den Ablehnenden heißt es, der Mehrwert einer Vergemeinschaftung sei nicht klar, denn die Lizenzvergabe sei auch jetzt schon möglich. Die Hersteller hätten selbst ein Interesse daran, möglichst viel Impfstoff zu liefern. Anreiz zu forschen, dürfe nicht geschmälert werden. Dafür sei ein Schutz des geistigen Eigentums notwendig.

Große Zustimmung findet die angekündigte Ausweitung der Tests. 52 Prozent der Teilnehmer sehen sie „sehr positiv“, 27 Prozent „eher positiv“, 10 Prozent sind „neutral“. Als „eher negativ“ bezeichnen dies 4 Prozent, „sehr negativ“ 3 Prozent. Die Befürworter sagten, damit würden Öffnungen möglich, ohne dass die Ansteckungen stiegen.

Die Schwelle der wöchentlichen Ansteckungszahl von 50 auf 35 pro 100.000 Einwohner herunterzusetzen, beurteilen die Ökonomen als „sehr positiv“ (20 Prozent) und „eher positiv“ (29 Prozent). „Neutral“ bezeichnen das 9 Prozent, „eher negativ“ finden es 22 Prozent, „sehr negativ“ 19 Prozent. Zur Begründung heißt es, die neue Zahl sei angemessen da die Mutationen des Virus ansteckender seien als die bisherige Version. Die Kritiker beklagen unter anderem „Willkür“ bei der Festsetzung.

Bei der Frage, ob eine sofortige und völlige Aufhebung des Lockdowns die Zahl von Insolvenzen verringern würde, waren die Volkswirte gespalten. „Nein“ antworteten 43 Prozent, „ja“ 35 Prozent, „weiß nicht“ 22 Prozent. Die Befragten mit „Nein“-Antworten verwiesen insbesondere darauf, dass eine sofortige Öffnung eine dritte Welle der Krankheit auslösen würde – mit entsprechend schlechten Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Quelle: ifo Institut

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