Greenwashing – DUH kritisiert Kampagnen zu Einweg-Plastikflaschen aus Rezyklat

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Plastikflaschen (Foto: ©Ariane Sept / http://www.pixelio.de)

„Einweg-Plastikflaschen aus 100 Prozent Rezyklat sind Showprodukte, weil sie nur einen geringen Marktanteil haben und einen geschlossenen Materialkreislauf vortäuschen – Mehrweg und Recycling ist umweltfreundlicher als Einweg und Recycling – Bei jedem Recyclingvorgang geht Material verloren – Studie der Kunststoffindustrie belegt, dass 70 Prozent der Einweg-Plastikflaschen in Deutschland aus Neumaterial hergestellt werden.“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert groß angelegte Kampagnen von Lidl, Danone und Pepsi zu Einweg-Plastikflaschen aus 100 Prozent Rezyklat als Greenwashing. Selbst wenn Einweg-Plastikflaschen vollständig aus Rezyklat bestünden, seien sie nicht als ökologisch gleichwertig mit regionalen Mehrwegflaschen einzuschätzen. Da auch Mehrwegflaschen nach ihrem langen Produktleben recycelt würden, sei Mehrweg und Recycling umweltfreundlicher als Einweg und Recycling. Zudem würden Einweg-Plastikflaschen nicht in einem geschlossenen Materialkreislauf geführt und schadeten der Umwelt. Bei jedem Recyclingvorgang von Kunststoff gehe Material verloren. Der größte Teil der Einweg-Plastikflaschen gehe in andere Anwendungsbereiche, wo unklar sei, was mit dem Material nach der Nutzungsphase passiert. Gemäß einer aktuellen Studie der Kunststoffindustrie würden 70 Prozent der Einweg-Plastikflaschen in Deutschland aus fossil basiertem Neumaterial hergestellt.

„Die Lösung der Plastikmüllkrise kann nicht noch mehr Einwegplastik sein“

Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Pro Jahr werden in Deutschland 16,4 Milliarden Einweg-Plastikflaschen hergestellt. 70 Prozent dieser Flaschen werden aus fossil basiertem Neumaterial hergestellt und heizen den Klimawandel an. Dass einwegorientierte Konzerne wie Lidl, Danone und Pepsi nun versuchen, mit Imagekampagnen diese Plastikflut als Umweltschutz zu verkaufen, ist besonders dreist. Die Kampagnen sind verzweifelte Versuche von Einwegabfüllern, der kritischen Auseinandersetzung vieler Verbraucherinnen und Verbraucher mit den Umweltauswirkungen von Plastikmüll irgendetwas entgegenzusetzen. Die suggerierten geschlossenen Materialkreisläufe und vereinzelte Showprodukte täuschen nicht darüber hinweg, dass Einweg-Plastikflaschen klimaschädliche Verpackungen sind. Die Lösung der Plastikmüllkrise kann nicht noch mehr Einwegplastik sein! Wer eine klimafreundliche Kaufentscheidung treffen möchte, sollte Mehrwegflaschen nutzen.“

Nur in wenigen Flaggschiffprodukten setzten einwegorientierte Getränkehersteller 100 Prozent Rezyklate ein. In den restlichen Plastikflaschen würden nur geringe oder gar keine Rezyklate eingesetzt. Der Durchschnittswert liege lediglich bei 30 Prozent und sei im Vergleich zu Glas-Mehrwegflaschen gering. Für die Produktion von Weißglasflaschen würden durchschnittlich 63 Prozent und für Grünglas 80 Prozent Altglasscherben eingesetzt.

Thomas Fischer, DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft: „Auch das Recycling von Einweg-Plastikflaschen benötigt viel Energie und hat Umweltauswirkungen. Je nach Recyclingverfahren muss der Kunststoff mehrmals gewaschen, mit Chemikalien behandelt oder umgeschmolzen werden. Deshalb ist es besser, eine hergestellte Verpackung so häufig wie möglich wiederzuverwenden, anstatt sie für jede Anwendung neu zu produzieren. Das ist nur bei Mehrweg der Fall.“

Bei den Recyclingprozessen von Einweg-Plastikflaschen gingen erhebliche Mengen Material verloren. Beim eigentlichen Recyclingvorgang könnten die Verluste leicht bis zu fünf Prozent betragen. Bei den Prozessschritten der Brikettauflösung, Zerkleinerung, bei Separationsvorgängen, der Vorreinigung, dem Laugen- und Säurebad, der Heißwäsche, Trocknung, Extrusion, und Nachkondensation gingen Kunststoffteile verloren, die sich in der Gesamtbetrachtung auf größere Mengen aufsummierten. Der Einsatz von Recyclingmaterial für PET-Einwegflaschen ändere zudem nichts an den unökologischen Distributionsstrukturen im Einwegbereich. Diese seien zentralisiert mit einem bundesweiten Vertrieb und erfolgten somit über tendenziell lange Transportdistanzen. Im Mehrwegbereich gebe es 1.800 Abfüller, die ihre Produkte ganz überwiegend regional distribuierten.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

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