HWWI-Rohstoffpreisindex: Preisanstieg auf den Rohölmärkten

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Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Dezember 2019 durchschnittlich um 2,4 Prozent (Eurobasis: 1,8 %) im Vergleich zum Vormonat gestiegen und notierte bei 115,9 Punkten (Eurobasis: 115,7 Punkten). Alle im HWWI-Rohstoffpreisindex enthaltenen Subindices sind ebenfalls durchschnittlich im Dezember angestiegen.

Der Index für Energierohstoffe stieg um 2,2 Prozent (Eurobasis: +1,6 %) auf 116,6 Punkte (Eurobasis: 116,4 Punkte) und der Index für Nahrungs- und Genussmittel um 3,9 Prozent (Eurobasis: +3,3 %) auf 95,8 Punkte (Eurobasis: 95,6 Punkte). Auch der Index für Industrierohstoffe, der im November zunächst kurzfristig gesunken ist, nahm im Dezember um 3,9 Prozent (Eurobasis: +3,3 %) zu und notierte bei 122,8 Punkten (Eurobasis: 122,7 Punkten). Demzufolge stieg auch der Index ohne Energie um 3,9 Prozent (Eurobasis: 3,3 %) auf 111,8 Punkte (Eurobasis: 111,6 Punkte).

Index für Energierohstoffe: +2,2 Prozent (Eurobasis: +1,6 %)

Um das Überangebot an Rohöl abzumildern und um damit den Ölpreis zu stützen, wurden bei einem Treffen der OPEC+ Mitglieder in der ersten Dezemberwoche weitere Angebotskürzungen vereinbart. Die OPEC zusammen mit Russland und weiteren Partnern haben sich auf eine erneute Kürzung der Ölforderung um 500.000 Barrel pro Tag geeinigt. Der im Dezember beschlossenen Vereinbarung zufolge werden die OPEC+ Staaten zukünftig 2,1 Millionen Barrel Öl pro Tag weniger produzieren als im Oktober 2018. Der Ölpreis, der bereits im November aufgrund der Erwartungen der Marktteilnehmer hinsichtlich des Ausgangs des Treffens gestiegen ist, wurde durch den endgültigen Beschluss Anfang Dezember erneut nach oben getrieben.

Zusätzlich wurde im Dezember der Börsengang des weltweit größten Ölkonzerns Saudi Aramco vollzogen, welcher mit einem Emissionsvolumen von 29,4 Milliarden US-Dollar bislang der größte Börsengang weltweit ist. Welche Auswirkungen der Börsengang von Saudi Aramco zukünftig auf die OPEC-Politik und auf den Rohölpreis hat, bleibt abzuwarten. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wird Saudi Aramco als börsennotiertes Unternehmen darauf abzielen, den Wert für die Aktionäre zu steigern und daher den Gewinn und den Umsatz maximieren wollen. Um Umsatzstärke zu beweisen und die Aktienpreise nach oben zu treiben, wird es Saudi-Arabien zukünftig daran liegen, die eigene Rohölproduktion anzukurbeln, selbst wenn dieses Vorgehen einen Abfall der Rohölpreise zur Folge hätte. Eine Produktionsausweitung von Saudi-Arabien würde zukünftig zu sinkenden Ölpreisen führen. Im Dezember hat sich die Politik der OPEC+ zunächst preistreibend ausgewirkt, sodass die Preise aller drei Rohölsorten (Brent, WTI, Dubai), die im Teilindex für Rohöl enthalten sind, im Dezember durchschnittlich im Vergleich zum Vormonat angestiegen. Der Teilindex für Rohöl erhöhte sich insgesamt um 4,1 % (Eurobasis: +3,5 %).

Im Gegensatz zu der Entwicklung der Rohölpreise ist der Index für Erdgas im Monatsdurchschnitt um 9,6 % (Eurobasis: -10,1 %) gesunken. Der Aufwärtstrend der europäischen Erdgaspreise hat sich im Dezember nicht mehr weiter fortgesetzt und die Preise verzeichneten einen durchschnittlichen Rückgang von 5,8 % (Eurobasis: -6,3 %) im Vergleich zum Vormonat. Der Preisrückgang ist durch den Deal von Russland und der Ukraine, der Ende Dezember unterzeichnet wurde, zu erklären. Der Transitvertrag zwischen dem russischen Staatskonzern Gazprom und dem ukrainischen Energieversorger Naftogaz wird für die nächsten fünf Jahre die Gasversorgung in Europa, insbesondere Deutschland, sicherstellen. Durch den Vertrag konnten mögliche Erdgasversorgungsengpässe in mehreren europäischen Staaten abgewendet werden, was zu einem Abfall der europäischen Erdgaspreise im Dezember führte. Nachdem die Preise für amerikanisches Erdgas im Oktober und November zunächst aufgrund der Befürchtung des nahenden Winters angestiegen sind, sind sie im Dezember wieder gesunken. Anders als im November prognostiziert, waren die Temperaturen im Dezember in vielen Teilen Amerikas relativ mild, was die Nachfrage nach amerikanischem Erdgas reduzierte und den Preis drückte.

Der Teilindex für Kohle stieg im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 2,1 % (Eurobasis: +1,5 %) an, was durch den anhaltenden Preisanstieg auf dem Markt für südafrikanische Kohle begründet war. Während die Preise der südafrikanischen Kohle seit Oktober kontinuierlich ansteigen, sind die Preise für australische Kohle im Dezember leicht gesunken. Der Aufwärtstrend des südafrikanischen Kohlepreises kann auch im Dezember nicht durch Änderungen in den Fundamentalwerten erklärt werden, denn es gab weder signifikante Änderungen der Nachfrage nach noch des Angebotes von südafrikanischer Kohle, sodass auch im Dezember nur finanzielle Faktoren als Preistreiber in Betracht kommen. Die Preise für australische Kohle sind leicht gesunken, was die nachlassende Nachfrage aus Europa der USA und China widerspiegelt. Aus Klimaschutzgründen ist in vielen Ländern die Nutzung von Kohlestrom rückläufig. Zusätzlich verlässt sich China verstärkt auf den eigenen Kohleabbau und reduziert die Kohleexporte. Insgesamt stieg der Teilindex der Energierohstoffe um 2,2 % (Eurobasis: +1,6 %).

Index für Industrierohstoffe: +3,9 % (Eurobasis: +3,3 %)

Der Teilindex für Industrierohstoffe ist in den Index für Agrarische Rohstoffe, den Index für NE-Metalle sowie den Index für Eisenerz und Stahlschrott untergliedert. Der Teilindex für Industrierohstoffe ist im Dezember anstiegen, was insbesondere durch die deutlichen Preisanstiege auf den Märkten für Eisenerz und Stahlschrott zu erklären ist. Die Preise für Stahlschrott, die in den vorherigen Monaten aufgrund der schlechten Konjunkturprognose gesunken sind, haben im Dezember wieder stark zugenommen. Die Gründe für diesen Anstieg liegen vor allem in der Ankündigung einer Teileinigung zwischen China und der USA in dem seit über einem Jahr andauernden Handelskrieg. Präsident Trump hat im Dezember die Unterzeichnung des Abkommens für Januar 2020 bestätigt. Das Teilabkommen entschärft die Spannungen zwischen den beiden Weltmächten und erhöht die Erwartungen auf eine Verbesserung der globalen Konjunktur und damit auf einen Anstieg der Stahlproduktion. Die Erwartungen auf einen zukünftigen Anstieg der Stahlnachfrage trieb die Preise für Eisenerz als Rohmaterial der Stahlproduktion und auch für Stahlschrott, der zu Stahl recycelt werden kann, nach oben. Auch der Anstieg des Kupferpreises, welcher häufig als Konjunkturbarometer genutzt wird, weist darauf hin, dass durch die Annäherung von China und den USA eine Verbesserung der globalen Konjunktur erwartet wird. Der Index für Eisenerz und Stahlschrott stieg um 10,4 % (Eurobasis: +9,8 %) im Vergleich zum Vormonat.

Der Index für NE-Metalle ist im Dezember im Vergleich zum Vormonat leicht gesunken, was durch die Preissenkungen der Rohstoffe Nickel, Zink und Blei zu erklären ist. Die Preise für Nickel sind in den vorherigen Monaten trotz des Handelskrieges zwischen den USA und China gestiegen, sodass es im Dezember zu einer Anpassung des Nickelpreises kam. Nickel wird hauptsächlich für die Produktion von Edelstahl verwendet, die Produktion von Edelstahl ist derzeit weltweit, mit Ausnahme von China, rückläufig. Auch der Index für Agrarische Industrierohstoffe erhöhte sich im Dezember um durchschnittlich 2,4 % (Eurobasis: +1,8 %) aufgrund der Preiserhöhung auf dem Markt für Kautschuk. Insgesamt stieg der Index für Industrierohstoffe im Monatsdurchschnitt um 3,9 % (Eurobasis: +3,3 %) auf 122,8 Punkte (Eurobasis: 122,7 Punkte).

Quelle: Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut gemeinnützige GmbH (HWWI)