Scan4Chem: App gibt Informationen zu Schadstoffen in Produkten

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Smartphone-App Scan4Chem (Bild: Umweltbundesamt)

Hersteller und Händler müssen Verbraucher auf Anfrage über „besonders besorgniserregende Stoffe“ in Produkten informieren.

Die Smartphone-App Scan4Chem des Umweltbundesamtes wurde im Rahmen des EU-Life-Projektes „AskREACH“ überarbeitet und steht ab sofort in Deutschland zum Download bereit. Bis Januar 2020 wird sie in insgesamt 14 europäischen Ländern verfügbar sein.

„Besonders besorgniserregende Stoffe“ sind zum Beispiel krebserregend, hormonell wirksam oder besonders problematisch für die Umwelt. Die Auskunftspflicht besteht, wenn solche Stoffe in einer Konzentration über 0,1 Gewichtsprozent in einem Produkt – wie  Haushaltsgegenständen, Textilien, Möbeln, Elektrogeräten, Sportartikeln, Spielzeug – enthalten sind.

Unzureichende Erfüllung der Auskunftspflicht

Europäische Überwachungsbehörden bemängeln die unzureichende Erfüllung der Auskunftspflicht. In zwölf Prozent der inspizierten Produkte aus 15 EU-Ländern fanden sie besonders besorgniserregende Stoffe. Diese Stoffe sind zwar unerwünscht, aber bisher nicht verboten. 88 Prozent der Anbieter der Produkte, die besonders besorgniserregende Stoffe enthielten, erfüllten ihre Auskunftspflicht nicht oder nicht ausreichend. Bürger können helfen das zu ändern: Die kostenlose und werbefreie App Scan4Chem des Umweltbundesamtes gibt Verbrauchern die Möglichkeit, Anfragen an Produktanbieter zu stellen und somit zu zeigen, dass sie solche Produkte nicht kaufen möchten.

Die App wurde bereits 2017 entwickelt und in einem Relaunch jetzt komplett überarbeitet. Die neue Scan4Chem-App wird in zahlreichen europäischen Ländern in zwölf Sprachen angeboten. Alle Länderversionen der App sind an eine Datenbank angeschlossen, in die Produktanbieter ihre Informationen zu besonders besorgniserregenden Stoffen in ihren Produkten eingeben können. Unternehmen können Anfragen mithilfe der App zentral beantworten und ihrer Auskunftspflicht somit effizienter nachkommen – und gegebenenfalls zeigen, dass keine besorgniserregenden Stoffe in ihren Produkten enthalten sind. Erste Unternehmen haben bereits Informationen zu ihren Produkten in die Datenbank eingepflegt.

Das Ziel ist, dass langfristig Daten zu den meisten Produkten in der Datenbank zu finden sind, sodass Nutzer von Scan4Chem direkt Informationen zu besonders besorgniserregenden Stoffen in Produkten erhalten. Zu Beginn ist es daher wichtig, dass möglichst viele Anfragen gestellt werden, damit auskunftspflichtige Produktanbieter ein stärkeres Bewusstsein für ihre Auskunftspflicht entwickeln und Informationen über die App zur Verfügung stellen. Viele Verbraucheranfragen werden die Aufmerksamkeit auf das Thema besonders besorgniserregende Stoffe in Verbraucherprodukten lenken, sodass diese Stoffe ersetzt werden.

EU Life Projekt AskREACH

Ermöglicht wurde die Programmierung der europäischen App durch das europäische Projekt AskREACH, das über das EU Life Programm gefördert wird. 20 Projektpartner aus 13 europäischen Ländern arbeiten seit September 2017 in dem Projekt zusammen, weitere Länder haben sich mittlerweile angeschlossen. Ziel ist, die App in ganz Europa zu verbreiten.

Im Projekt wurden einige Weihnachts-Dekoartikel chemisch analysiert. In 50 Prozent der untersuchten Proben fanden sich besonders besorgniserregende Stoffe. Keiner der Produktanbieter informierte auf Anfrage über die Anwesenheit dieser Stoffe in seinem Produkt. In 13 Produkten wurden sogar gesetzliche Grenzwerte überschritten, das heißt sie waren illegal auf dem Markt. Die Anbieter nahmen die Produkte vom Markt, nachdem sie entsprechend informiert wurden. Die Untersuchung zeigt, dass Produktanbieter zu wenig über ihre Produkte wissen. Anfragen von Verbrauchern werden helfen, dies zu ändern.

Die App wird im Rahmen des Projektes ständig weiterentwickelt. Die meisten Unternehmen können bereits über die App angefragt werden. Sollte ein Unternehmenskontakt nicht hinterlegt sein, können die Appnutzer diesen ergänzen, sodass die Kontaktliste ständig erweitert wird.

Quelle: Umweltbundesamt