Klass Filtersysteme: Dem Gülletourismus Einhalt gebieten

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Foto: © Klass Filter

Landwirte könnten ihre Güllemenge erheblich reduzieren und damit Gülletransporte minimieren.

Was dem einen stinkt, ist für andere längst ein Wirtschaftsfaktor geworden: Der Handel mit der Gülle floriert international. Im Jahr 2016 transportieren allein Lkw aus den Niederlanden 66.000 Tonnen Gülle nach Deutschland. Je nach Region ist es keine Seltenheit, die stinkende Fracht bis zu 150 Kilometer weit durchs Land zu fahren – und den damit verbundenen CO2-Ausstoss in Kauf zu nehmen. Was aber wäre, wenn in puncto Gülle das gleiche Dilemma eintreten würde, vor dem Deutschland in Bezug auf seinen Plastikmüll steht? Gibt es wirklich keine Lösung, um den eigenen Wirtschaftsdünger unabhängig selbst zu entsorgen?

Den Kreislauf in der Balance halten

„Das grundlegende Problem ist natürlich, dass zu viel Gülle im Verhältnis zur landwirtschaftlichen Nutzfläche produziert wird. Die Exkremente von Nutztieren, aber auch die Rückstände aus Biogasanlagen sind an sich wertvoller Dünger, die den Böden Stickstoff und Phosphor zurückgeben, aber dieser Kreislauf funktioniert nur, wenn er ausbalanciert ist. Im ersten Schritt gilt es also vor allem, das Volumen zu reduzieren – und dafür gibt es schon Möglichkeiten“, weiß Georg Klaß jun., Geschäftsführer der Klass Filter GmbH im oberbayerischen Türkenfeld.

Seine Firma entwickelt und verkauft Filtersysteme, die Fest- und Flüssigstoffe voneinander trennen, feinfiltrieren und Produktions- und Abwasser reinigen und damit rückgewinnen. Mit einem der patentierten Produkte, dem Klass-Wendelfilter, lässt sich auch Gülle in die Fest- und Flüssigstoffe separieren. „Wir haben bereits erste Projekte im landwirtschaftlichen Bereich erfolgreich umgesetzt und konnten den Güllelagerraum um circa 20 Prozent reduzieren“, erklärt Klaß. „Es ist uns schon immer ein Anliegen gewesen, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen und optimale Lösungen anzubieten, bevor ein echtes Problem entsteht. Deshalb haben wir letztes Jahr zusammen mit einem Schweizer Partnerunternehmen ein Projekt auf Malta realisiert: Als Inselstaat mit wenig Nutzflächen ist man dort gezwungen, landwirtschaftliche Rückstände restlos aufzuarbeiten. Mithilfe unserer Filteranlage konnte zunächst die Güllemenge durch Separierung um ein Drittel reduziert werden. Anschließend wurde das Abwasser so fein gefiltert, dass am Ende Wasser in Trinkqualität herauskam.“

Qualität ist lukrativ

Landwirte hätten also auch hierzulande die Möglichkeit, ihre Gülle am eigenen Hof zu reduzieren, aufzubereiten und gleichzeitig auf ein höheres Qualitätsniveau zu heben. Denn wenn die Gülle statt aufs Feld in die Biogasanlage wandert, steigt die Gasausbeute erheblich, wenn lediglich die Feststoffe angeliefert werden. Zwei Tonnen davon haben einen ähnlich hohen Ertrag wie eine Tonne Silomais.

Warum sind deutsche Landwirte trotz dieser Vorteile zögerlich, wenn es um die Investition in eine Filteranlage geht? „Landwirte schrecken nicht davor zurück, die Gülle aufzubereiten, im Gegenteil“, meint Georg Klaß. „Schließlich braucht weniger Menge auch weniger Platz, weniger Transporte sparen Geld, schonen die Umwelt und machen unabhängig von bisherigen Abnehmern. Bislang hat sich nur kein Anlagenbauer gefunden, der unsere Filter in einem marktfähigen Produkt verbaut. Sobald ein Landwirt eine solche Filteranlage ohne großen Aufwand und mit einer überschaubaren finanziellen Belastung in Betrieb nehmen kann, rollen in der Zukunft weniger Gülletransporter über die Landstraßen. Davon bin ich überzeugt.“

Quelle: Klass-Filter GmbH