Biokunststoffe: BDE lehnt Zuweisung in die Bioabfallbehandlung ab

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Polymilchsäure-Granulat (Biokunststoff, Quelle: FNR / Dörthe Hagenguth)

Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. hat sich gegen die Entsorgung von biologisch abbaubaren Kunststoffen über die Bioabfallbehandlung oder Kompostierung ausgesprochen. Damit positioniert sich der Verband gemeinsam mit acht anderen Organisationen gegen einen von der Europäischen Kommission geplanten Durchführungsrechtsakt. Dieser sieht vor, dass biologisch abbaubare Kunststofftragetaschen künftig mit einem Label zur Eignung für die Kompostierung gekennzeichnet werden.

Die Verbände befürchten, dass diese Kennzeichnungspflicht zu einer Lenkung biologisch abbaubarer Kunststoffe in die Bioabfallbehandlung führt. BDE-Präsident Peter Kurth: „Es gibt gute Gründe, Produkte aus biologisch abbaubaren Kunststoffen herzustellen, das ist nicht das Thema. In der Biotonne können wir mit diesen Produkten jedoch nichts anfangen.“

In der gemeinsamen Position beziehen sich die Verbände auf biologisch abbaubare Kunststoffe insgesamt, wie zum Beispiel Verpackungen, Einweggeschirr oder Kaffeekapseln. Ausgenommen sind zertifizierte Biobeutel, die bei der Erfassung von Küchenabfällen aus Haushalten zum Teil eingesetzt werden. Nach Auffassung der Verbände gibt es überzeugende Argumente, biologisch abbaubare Kunststoffe nicht in die Bioabfallbehandlung zu lenken:

Biologisch abbaubare Kunststoffe haben für den Kompost oder das Gärprodukt keinen Nutzen in Form von Nährstoffen oder Humus. Alles, was sich innerhalb der vorgegebenen Zeit und unter den jeweiligen Prozessbedingungen (mit/ohne Sauerstoff) nicht abbaut, schadet der Qualität des Endproduktes, da sich zwangsläufig der Fremdstoffanteil erhöht. Abbaubare und nicht-abbaubare Kunststoffe sind manchmal schwer voneinander zu unterscheiden, daher besteht das Risiko, dass durch zusätzliche Fehlwürfe die notwendige Sortenreinheit in der Erfassung nicht mehr gewährleistet werden kann. Ganz abgesehen davon ist es nach deutschem Abfall- und Düngerecht unzulässig, diese Produkte gezielt der Bioabfallbehandlung zuzuführen, was durch die Bezeichnung beziehungsweise Kennzeichnung als „kompostierbar“ aber suggeriert würde.

„Unsere Sorge gilt nicht nur den biologisch abbaubaren Verpackungen, zu denen die Tüten oder Taschen aus dem Kommissionsentwurf gehören würden, sondern auch Produkten wie Einweggeschirr oder Kaffeekapseln. Aus all dem können wir keine organischen Düngemittel herstellen, und darum gehören sie auch nicht in die Biotonne. Selbst, wenn man ‚biologisch abbaubar‘ statt ‚kompostierbar‘ schreibt, ist das Risiko viel zu groß, hiermit sogar noch ein Littering zu fördern. Unseres Erachtens ist es ausreichend, die entsprechende Norm zu erwähnen, nach der das Zertifikat erteilt wurde“, erklärt BDE-Präsident Peter Kurth. Die gemeinsame Position, die unter Federführung der Bundesgütegemeinschaft Kompost entstanden ist, ist auf den BDE-Internetseiten abrufbar.

Quelle: BDE

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