IK-Faktencheck: airpop/Styropor-Verpackungen bleiben erlaubt

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Die europäische Einwegkunststoffverpackungs-Direktive verbietet keine EPS-Verpackungen im Allgemeinen. Stellungnahme der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zu Medienberichten:

„Durch eine irreführende Pressemeldung der EU-Kommission vom 21. Mai 2019 zur EU-Einwegkunststoff-Direktive (Single Use Plastic Directive) sowie einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Mai 2019 sind in der öffentlichen Wahrnehmung einige Missverständnisse entstanden, die dem Image von expandiertem Polystyrol (EPS, airpop/Styropor) als etabliertem und effizientem Verpackungskunststoff zu Unrecht schaden. Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen hat dies zum Anlass für einen erneuten Faktencheck zu EPS-Verpackungen genommen.

Verbote in der Einwegkunststoffrichtlinie: Nur To-Go-Verpackungen für Sofortverzehr betroffen

Die europäische Einwegkunststoffverpackungs-Direktive verbietet keine EPS-Verpackungen im Allgemeinen, wie die Überschrift in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Mai 2019 suggeriert. Betroffen sind – wie der Name schon sagt – Einwegverpackungen, und zwar speziell To-Go-Verpackungen aus EPS. Voraussetzung für das Verbot ist, dass das in der Verpackung geschützte Essen ohne weitere Zubereitung für den direkten Konsum vorgesehen ist. Alle anderen EPS-Verpackungen sind von dieser EU-Direktive ausdrücklich nicht betroffen.

Die in der Direktive erwähnten To-Go-Verpackungen aus EPS sind einer von vielen Anwendungsbereichen für EPS-Verpackungen. Der größte Teil geht in die Elektrogeräte-/Weiße Ware- und andere Verpackungen. Beispielsweise auch in Transportbehälter für sensible medizinische/pharmazeutische Produkte, die thermisch isoliert, also effizient gekühlt oder warmgehalten werden müssen. Aber auch im Lebensmittelbereich kommen EPS-Verpackungen zum Einsatz, um temperaturempfindliche Lebensmittel wie beispielsweise frischen Fisch, frisches Fleisch oder auch sensibles Obst und Gemüse in entsprechenden Schalen zu schützen. EPS ist in all diesen Anwendungen durch seine günstigen Eigenschaften kaum zu ersetzen: Keine der Material-Alternativen bringt ein besseres Ökoprofil für die Verpackung und der Transport dieser Güter (Quelle: Eumeps/ FWC 2018 LCA Fish Box).“

Zur Recyclingfähigkeit von EPS

EPS sei ein sehr gut zu recycelndes Material, da es ausschließlich aus Polystyrol bestehe. In Deutschland würden fast 50 Prozent des Materials erfolgreich recycelt, zitiert die IK eine Conversio-Studie von 2017 zu den EPS-Abfallströmen. Die Erläuterungen in dem Artikel der Süddeutschen Zeitung erweckten jedoch den Eindruck, dass EPS an sich nicht recycelt würde und zudem die Recyclingströme anderer Materialien störe.

In Deutschland werde EPS von spezialisierten Firmen bereits seit vielen Jahren werkstofflich recycliert, also aufgeschmolzen, aufbereitet in den Produktionskreislauf zurückgeführt und damit in neue Produkte verwandelt (Quelle: Conversio-Studie von 2017 zu den EPS-Abfallströmen). Diese Unternehmen arbeiteten mit den Entsorgern von Handelshäusern für Möbel und Elektronik zusammen. In Deutschland könnten Verbraucher EPS-Verpackungen (z. B. die Verpackung der Waschmaschine) zur Verwertung bei Sammelstellen oder bei Wertstoffhöfen abgeben. So sei ein Recycling sichergestellt. Insgesamt würden 80 Prozent aller EPS-Verpackungen außerhalb des Gelben Sackes gesammelt. Eine kleine Menge von gebrauchten EPS-Verpackungen werde in vielen Gemeinden über den Gelben Sack/Gelbe Tonne entsorgt. Bisher würden diese kleinen Mengen aus ökonomischen Gründen nicht durch die Sortieranlagen aus dem Abfallstrom des Gelben Sacks aussortiert und dem werkstofflichen Recycling zugeführt. Auch hierfür arbeite die Industrie bereits an neuen Recyclinglösungen.

Das EPS in den zur Diskussion stehenden Take-away-Verpackungen sei darüber hinaus auf spezielle Weise verarbeitet und führe nicht zum Abrieb der kleinen Granulatkügelchen, wie im Beitrag der Süddeutschen Zeitung beschrieben, versichert die IK.

„Verpackungen aus EPS bestehen zu 98 Prozent aus Luft“

EPS-Verpackungen bestehen den Angaben nach nur zu zwei Prozent aus Polystyrol: „Das ist eine hocheffiziente Art, mit der Ressource Erdöl für Verpackungszwecke umzugehen. EPS/Styropor ist wie die meisten hochwertigen Kunststoffe nicht biologisch abbaubar. EPS als Verpackungsmaterial bietet Stabilität, hohe Druckbelastbarkeit, ist darüber hinaus wasserfest, schockresistent und thermisch isolierend, so wie es die jeweiligen Einsatzgebiete erfordern. Biologisch abbaubare Kunststoffe hingegen wurden und werden bevorzugt für Anwendungen entwickelt, bei denen es um Bioabfallsammlung oder beispielsweise Agrarfolien geht.“

EPS im Vergleich mit anderen Materialien

EPS hat zu Unrecht einen schlechten Ruf, meint die IK.: „Dabei ist das Material ressourcenschonend und effizient in seiner Schutzfunktion. Andere Werkstoffe sind oft keine ökologischere Alternative: Bei der Produktion von EPS werden weniger Rohstoffe, Chemikalien und Wasser benötigt als bei anderen Verpackungsmaterialien. So wird zum Beispiel bei der Herstellung von EPS im Vergleich zu laminierter Pappe ein Drittel weniger Wasser verbraucht, und ist bis zu achtmal leichter (Quelle: Eumeps/FWC 2018 LCA Fish Box). Damit ist EPS als Verpackungsmaterial sehr nachhaltig.“

EPS in der Umwelt

„Analysen haben gezeigt, dass Polystyrol zu weniger als einem Prozent zu den Kunststoffmengen beiträgt, die an Stränden gefunden wurden. Dass EPS in der Analyse der am häufigsten am Strand gefundenen Abfälle in der Kategorie Kunststoff/Polystyrol mit einem Gesamtanteil von 31 Prozent geführt wird, ist irreführend. (Quelle: JRC Technical reports, TOP Marine Beach Litter Items in Europe). Styropor ist ein Kunststoff. Aus für die Industrie nicht nachvollziehbaren Gründen wird (expandierbares) Polystyrol häufig als eigene Kategorie neben Kunststoff/Plastik geführt. Auch die Analyse der am häufigsten am Strand gefundenen Abfälle auf die sich die Einwegkunststoffrichtlinie bezieht, macht diese irreführende Unterscheidung. Dies trägt zur Verwirrung und zu Fehlinterpretationen bei und ist inhaltlich falsch.“

Weitere Informationen unter: www.airpop.de

Quelle: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V./ Fachgruppe airpop