„Immer kürzere Nutzungszyklen – IKT-Branche lässt Schrottberge wachsen“

885
Foto: Pixabay

Nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist Nachhaltigkeit bei Smartphones und Co. noch immer die Ausnahme.

Darauf macht der Verband im Rahmen der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona aufmerksam. Kaum ein anderer Industriebereich verdeutliche den verschwenderischen Umgang mit Ressourcen so stark wie die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Immer kürzere Nutzungszyklen führten zu wachsenden Schrottbergen und steigendem Ressourcenverbrauch.

Damit Umweltschutz in der IKT-Branche wirklich umgesetzt wird, fordert die DUH Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf, Dienstleistungen zum Erhalt von Geräten und nachhaltige Produkte finanziell zu fördern, Standards zum Ökodesign festzulegen, ein Handypfand sowie Vorgaben zum Einsatz von Recyclingmaterial einzuführen.

Eine Studie der DUH zur Nachhaltigkeit von Smartphones, Festnetztelefonen sowie Routern aus dem Jahr 2018 zeigt, dass Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit in der IKT-Branche kaum umgesetzt werden (http://l.duh.de/p190227). Nach Einschätzung der DUH hat sich daran bis heute nichts geändert. IKT-Geräte gehen immer schneller kaputt und ständig kommen neue Modelle auf den Markt, für deren Herstellung viel Energie und wertvolle Ressourcen aufgewendet werden.

Dienstleistungen zum Erhalt steuerlich begünstigen  

„Allein in Deutschland wandern 24 Millionen neue Smartphones Jahr für Jahr über die Ladentheke, mit verheerenden Auswirkungen für die Umwelt. Um die immer kürzer werdenden Produktzyklen zu stoppen, müssen Dienstleistungen zum Erhalt von Smartphones im Vergleich zum Erwerb neuer Produkte steuerlich begünstigt werden. Auch besonders umweltfreundliche Geräte, wie zum Beispiel gebrauchte Smartphones, sollten durch finanzielle Anreize für Verbraucher interessanter gemacht werden“, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Umweltministerin Schulze sei gefordert, eine gesetzliche Regelung auf den Weg zu bringen.

„Hersteller von Smartphones müssen stärker als bisher in die Pflicht genommen werden, Originalersatzteile zu verhältnismäßigen Kosten anzubieten. Kostenlose Reparaturanleitungen und Software-Updates müssen für die erwartete Lebensdauer der Geräte zur Verfügung gestellt werden“, spricht sich der Stellvertretende DUH-Bereichsleiter für Kreislaufwirtschaft, Philipp Sommer, aus. Unternehmen wie Fairphone und Shift zeigten wie es geht. Sie würden originale Ersatzteile für unabhängige Reparaturbetriebe und auch für Verbraucher verfügbar machen, wodurch Reparaturen überhaupt erst möglich würden.

Nachbesserungen beim Ökodesign

Auch beim Ökodesign muss aus Sicht der DUH nachgebessert werden. „Umweltministerin Schulze muss verbindliche Standards zum Ökodesign festlegen, damit Produkteigenschaften wie Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und auch der Einsatz von Recyclingmaterialien im Markt zur Regel werden. Beispielsweise sollten Akkus und Displays für die Nutzer problemlos austauschbar sein“, sagt Sommer.

Damit ausgediente Geräte für eine erneute Wiederverwendung aufbereitet oder recycelt werden können, sei es notwendig, dass sie getrennt gesammelt werden. Doch den in der IKT-Branche jährlich in Verkehr gebrachten Neugeräten mit einem Gesamtgewicht von einer viertel Million Tonnen stünden nur rund 9.000 Tonnen Altgeräte gegenüber, die für die Wiederverwendung gesammelt und aufbereitet würden. Eine desaströse Bilanz sei das, weshalb die DUH von Umweltministerin Schulze die Einführung eines Handypfands fordert. Der Smartphone-Hersteller Shift erhebe als einziges IKT-Unternehmen bereits ein Pfand in Höhe von 22 Euro.

Handys ein „zweites Leben“ ermöglichen  

Allein in deutschen Schubladen schlummern rund 124 Millionen Handys, die vier Tonnen Gold, 38 Tonnen Silber und mehr als 2.000 Tonnen Kupfer beinhalten. Die professionelle Wiederaufbereitung eines einzigen Smartphones kann 14 Kilogramm Primärressourcen und 58 Kilogramm CO2 einsparen. „Es ist wichtig, dass Handys nicht nutzlos in Schubladen herumliegen, sondern auch tatsächlich genutzt werden. Um ihnen ein zweites Leben zu ermöglichen, hat die DUH die Sammelinitiative Handys für die Umwelt neu gestartet. Mit unseren Sammelboxen können alte Handys an Sammelstellen einfach und bequem erfasst und ihnen ein zweites Leben gegeben werden. Je mehr Bürger, Kommunen und Unternehmen mitmachen, desto besser für die Umwelt“, sagt Metz.

Für den Schutz von Umwelt und Ressourcen empfiehlt die DUH Verbrauchern, gebrauchte Geräte zu kaufen, diese möglichst lange zu nutzen und Schäden, zum Beispiel durch Schutzhüllen oder Displayfolien, vorzubeugen. Umweltzeichen wie der „Blaue Engel“ und Produktbewertungen von Prüforganisationen wie Stiftung Warentest oder Öko-Test helfen, besonders umweltfreundliche Geräte zu erkennen.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe (DUH)