Rohstoffwende in der Stahlproduktion zur Erhaltung der Klimaziele jetzt einleiten

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Stahlschrott/Motoren (Foto: Pixabay)

BDSV: „Eine klimaschonendere Produktion von Stahl kann durch den verstärkten Einsatz des Sekundärrohstoffs Stahlschrott erreicht werden.“

Mit den Pariser Beschlüssen zur Begrenzung der Klimaerwärmung hat die Bundesregierung enorme Zusagen bezüglich der Einsparung von CO2 gemacht. Für den Bereich der CO2-Emissionen der Industrie spielt die Stahlindustrie mit direkten Emissionen von rund 51 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eine große Rolle. Aufgabenstellung ist es, diese Emissionen kontinuierlich zu senken.

Technologien zur Vermeidung von CO2 durch die Reduktion von Eisenerz, zum Beispiel mit regenerativ erzeugtem Wasserstoff (statt mit Kohle), sind vorhanden. Die kontinuierliche Versorgung der Stahlwerke mit „grünem“ Wasserstoff könnte jedoch zum Flaschenhals werden. Würde die Kohle in allen deutschen Stahlwerken komplett durch Wasserstoff als Reduktionsmittel ersetzt, sind dafür jedes Jahr rund 120 Terawattstunden regenerativ erzeugte elektrische Energie erforderlich. Das ist fast ein Viertel des gesamten deutschen Strombedarfs. Angesichts des deutschen Strommix, bei dem erneuerbare Energien derzeit nur etwa ein Drittel der Gesamtproduktion ausmachen, scheint das Ziel in weiter Ferne.

Wesentliche Herausforderung ist der ökonomische Aspekt. Riesige Investitionen in den Anlagenpark und die Preissituation für Erdgas und Strom heben die Wirtschaftlichkeit des Übergangs zur CO2-freien Primärproduktion in Deutschland und Europa aus den Angeln. Naheliegender, so die BDSV, sei eine Förderung der Stahlproduktion auf Basis von Schrott in Elektrolichtbogenöfen. Eine schrottbasierte Stahlproduktion ist deutlich weniger energieintensiv, da Schrott den Reduktionsprozess bereits in seinem ersten Lebenszyklus durchlaufen hat. Allein durch die Produktion von mehr als zwölf Millionen Tonnen Rohstahl auf Basis des Sekundärrohstoffs Stahlschrott über die Elektrostahlroute werden in Deutschland pro Jahr rund 17 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Zudem werden primäre Rohstofflagerstätten geschont und Rohstoffe müssen nicht importiert und über lange Distanzen transportiert werden.

Stahlschrott ist ein sogenannter permanenter Rohstoff, der sich unbegrenzt oft einschmelzen lässt und dabei seine positiven Eigenschaften behält. Durch die Bereitstellung qualitätsgesicherter Sekundärrohstoffe leisten die Stahlrecyclingunternehmen einen bedeutenden Beitrag zur geplanten zirkulären Wirtschaft.

Weitere Informationen enthält eine Studie mit dem Kurztitel „Zukunft Stahlschrott“, welche die BDSV als größter Stahlrecyclingverband in Europa in Auftrag gegeben hat. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) hat in der Studie technische, ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Eigenschaften des Stahlrecyclings aufbereitet und Perspektiven aufgezeigt. Die BDSV: „Die Rezepte sind also da – jetzt geht es um die beherzte Einleitung der Rohstoffwende.“

Quelle: BDSV