bvse: Widerstand gegen DSD-Übernahme durch Remondis

1114
Foto: Pixabay

Die geplante Übernahme von DSD durch Remondis sieht der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung kritisch, „weil sie Auswirkungen auf das gesamte Marktgefüge der Entsorgungsbranche hat“. Eine gestern veröffentlichte Studie befürchtet „existenzbedrohliche Auswirkungen“ entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Allerdings steht die Transaktion noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung. Die geplante Übernahme wurde durch Remondis am 16. Januar 2019 beim Bundeskartellamt angemeldet.

Dem Bundeskartellamt steht grundsätzlich ein Prüfungszeitraum von vier Monaten nach Eingang der vollständigen Anmeldung zur Verfügung. Innerhalb dieser Frist kann es den Zusammenschluss untersagen. Der bvse hat deshalb beim Bundeskartellamt unverzüglich einen Beiladungsantrag gestellt, um sich in das Fusionskontrollverfahren einbringen zu können.

Der Verband ruft aber auch die betroffenen Unternehmen auf, sich im anstehenden Fusionskontrollverfahren an das Bundeskartellamt zu wenden. Schließlich hätten sich viele mittelständische Entsorger in der Vergangenheit an Ausschreibungen des Dualen Systems Deutschlands im Sammel-, aber auch Sortierbereich beteiligt. Jetzt werde der Hauptkonkurrent und Branchenriese Remondis mit der DSD-Übernahme gleichzeitig Auftraggeber und Auftragnehmer. „Das gesamte Marktgefüge – von kleineren privaten bis zu großen kommunalen Unternehmen – ist unmittelbar oder mittelbar betroffen, wobei sich teilweise existenzbedrohliche Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ergeben“, betont der Autor der Studie, Magnus Alexander zu Wied.

Der Mittelstand werde zerrieben

bvse-Präsident Bernhard Reiling: „Es liegt auf der Hand, dass die geplante Übernahme zu weiteren Wettbewerbseinschränkungen in der Recycling- und Entsorgungsbranche führen wird. Die Übernahme des Dualen Systems durch Remondis wird die Branche kräftig durchschütteln und verändern. Zumal die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) sich jetzt auch massiv in der Entsorgungsbranche engagiert. Das wird die Konzentration weiter vorantreiben.“

„Nach unserer Einschätzung ist Remondis daran interessiert, konzerneigene und damit abgeschottete Wertstoffkreisläufe zu schaffen. Das wird zu einer weiteren Verdrängung mittelständischer Unternehmen der Sekundärrohstoff- und Recyclingbranche führen“, warnt bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock.

Der bvse geht von einer marktbeherrschenden Stellung des Remondis-Konzerns in den Bereichen Altglas, Altpapier, E-Schrott, Schrott und Sonderabfall aus. Bei Erwerb der DSD Holding wäre die Marktbeherrschung von Remondis im Bereich des Kunststoffrecyclings wohl nur noch eine Frage der Zeit. Zugleich beherrsche Remondis auch in wichtigen Ballungszentren in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg den Bereich der kommunalen Entsorgung über sogenannte PPP-Gesellschaften (Public-Private-Partnership). „Da bleibt den kleinen und mittelständischen Unternehmen keine Luft mehr, wenn in diesen Regionen Remondis auch das Geschäft mit der Verpackungsentsorgung in Händen hält. Der Mittelstand wird so zerrieben“, meint Eric Rehbock.

Schon jetzt ließen sich die Auswirkungen der geplanten Übernahme am Markt feststellen. Rehbock: „Wir beobachten, dass das Duale System Deutschland seine Lizenzierungs-Strategie geändert hat. Der Marktführer macht Markt durch Dumpingpreise. Das ist nicht gut für die Branche und das ist richtig schlecht für das Recycling in Deutschland.“

Umso wichtiger sei es, dass sich die mittelständischen Unternehmen im Fusionskontrollverfahren gegen die geplante Übernahme zur Wehr setzen. Nach Einschätzung der Autoren der Studie wird der Ausgang der Prüfung des Bundeskartellamts nämlich auch davon abhängen, wie viele betroffene Akteure sich in dem Verfahren engagieren und ihre Sicht der Dinge darlegen werden.

Die „Kurzstudie zur Konsolidierung des privaten Entsorgungsmarktes in Deutschland“ hat die Berlin Global Advisors GmbH (BGA) im Auftrag des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung erstellt.

Zum Herunterladen

Quelle: bvse

Anzeige