Wie kann eine Dorfgemeinschaft mit zunehmenden Kunststoffabfällen umgehen, wenn geeignete Sammel- und Verarbeitungsmöglichkeiten fehlen? In Antap auf West-Bali soll darauf eine gemeinsam entwickelte, lokale Antwort entstehen.
Die Münchnerin Tina Zängerle (45) unterstützt die Dorfgemeinschaft bei der Planung und Finanzierung eines kleinen Recycling- und Verarbeitungszentrums. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort und lokalen Partnern auf Bali soll eine Lösung entstehen, die an die örtlichen Bedingungen angepasst ist und langfristig von der Dorfgemeinschaft mitgetragen werden kann.
Unter dem Gedanken „Think global, act local“ sollen Wissen, Erfahrungen und Ressourcen zusammengebracht werden: das Wissen der Dorfgemeinschaft, die Unterstützung lokaler Partner auf Bali und das Engagement von Menschen aus München und anderen Teilen der Welt.
„Ich möchte Teil der Lösung sein. Deshalb geht es nicht darum, von außen eine fertige Lösung vorzugeben, sondern gemeinsam mit den Menschen in Antap eine Lösung zu entwickeln, die zu den örtlichen Gegebenheiten passt und langfristig von der Dorfgemeinschaft selbst getragen werden kann“, sagt Tina Zängerle.
Geplant ist, Kunststoffabfälle zu sammeln, zu sortieren und geeignete Materialien mithilfe einer Pyrolyseanlage vor Ort zu verarbeiten. Für das gesamte Vorhaben werden 8.000 Euro benötigt. Eine Anzahlung von 1.500 Euro konnte durch bisherige Spenden bereits geleistet werden. Die Anlage kostet insgesamt 3.700 Euro und wird derzeit von lokalen Mitarbeitenden des balinesischen Anbieters Get Plastic auf Bali gebaut. Die Lieferung wird voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Monate erfolgen.
Eine persönliche Verbindung zu Bali
Zängerle lernte Bali 2019 und 2020 während eines Auslandsstudiums und eines Praktikums bei der Klimaschutzorganisation R.O.L.E. Foundation näher kennen. Durch ihre persönliche Verbindung zu Antap erhielt sie Einblicke in den Alltag der Menschen vor Ort und in die Herausforderungen des lokalen Abfallmanagements.
Bei Gesprächen mit Mitgliedern der Dorfgemeinschaft, darunter Aji, einer der Dorfältesten, erfuhr sie, wie sich die Verwendung von Verpackungen im Laufe der Zeit verändert hat. Früher wurden Lebensmittel und andere Waren häufig in Bananenblätter und andere natürliche Materialien verpackt. Heute fehlt es dem Dorf an geeigneten Möglichkeiten zur Sammlung und Weiterverarbeitung von Kunststoffabfällen.
„Das Problem entsteht nicht dadurch, dass die Menschen vor Ort nicht verantwortungsvoll handeln möchten. Es fehlen vor allem praktikable Strukturen und Möglichkeiten. Genau hier möchten wir gemeinsam ansetzen“, erklärt Zängerle.
Zusammenarbeit statt vorgegebener Lösungen
Die Spendenkampagne wird von München aus initiiert und begleitet. Die Menschen in Antap bringen ihr Wissen über die örtlichen Gegebenheiten und die Bedürfnisse des Dorfes ein. Gemeinsam sollen die Sammlung und Sortierung der Kunststoffabfälle, die Vorbereitung des Standorts sowie die Abläufe für den späteren Betrieb entwickelt werden. Auch die Einweisung der beteiligten Personen, die Wartung der Anlage und die Verteilung der Verantwortlichkeiten sollen in einem gemeinsamen Betriebskonzept festgelegt werden.
„Das Projekt kann nur langfristig funktionieren, wenn die Menschen in Antap aktiv beteiligt sind und Verantwortung übernehmen können. Die Zusammenarbeit ist deshalb die Grundlage des gesamten Vorhabens“, betont Zängerle.
Nach der derzeitigen Einschätzung der Initiative könnte das Projekt langfristig rund 3.000 Menschen beziehungsweise etwa 720 Haushalten in Antap zugutekommen. Ziel ist es, Kunststoffabfälle möglichst dort zu erfassen, wo sie entstehen, und dadurch unkontrollierte Entsorgung und unnötige Transporte zu reduzieren.
Pyrolyse als Teil des Gesamtkonzepts
Die geplante Anlage verarbeitet geeignete Kunststoffarten durch Erhitzung unter Sauerstoffausschluss. Nach Angaben des Technologieanbieters Get Plastic entsteht dabei ein flüssiges Produkt, das als Brennstoff genutzt werden kann.
Die Pyrolyseanlage ist dabei nur ein Bestandteil des Gesamtkonzepts. Ebenso wichtig sind die Vermeidung von Kunststoffabfällen, eine funktionierende Sammlung und Sortierung sowie klare Regeln für den sicheren und verantwortungsvollen Betrieb.
„Mit der bereits geleisteten Anzahlung ist ein erster wichtiger Schritt getan. Ich bin sehr dankbar für die bisherige Unterstützung. Jede Spende, jedes Teilen und jedes Gespräch haben dazu beigetragen, dass wir die Anzahlung leisten konnten. Jetzt möchten wir gemeinsam mit den Menschen in Antap die nächsten Schritte gehen und aus der Idee ein gemeinsames Projekt machen“, sagt Zängerle.
Engagement für lokale Verantwortung
Das Projekt knüpft auch an Zängerles berufliches und ehrenamtliches Engagement an. In München arbeitet sie im Bereich der Prävention weiblicher Genitalverstümmelung, der Sensibilisierung von Fachkräften und der Unterstützung betroffener Frauen. Zudem ist sie Vorstandsmitglied bei NALA – Bildung statt Beschneidung e.V.
„In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie wichtig es ist, Menschen vor Ort einzubeziehen, Wissen miteinander zu teilen und Verantwortung gemeinsam zu gestalten. Diesen Ansatz möchte ich auch in Antap verfolgen“, erklärt Zängerle.
Die Spendenkampagne richtet sich an Menschen, die sich für Klimaschutz und partizipative, nachhaltige Lösungen interessieren und das Vorhaben in Antap unterstützen möchten. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung: Auch das Weitertragen der Idee, Kontakte zu möglichen Partnern und der Austausch von Wissen und Erfahrungen können dazu beitragen, das Projekt weiterzuentwickeln.
Zur Spendenkampagne: goodcrowd.org/plastic-free-future-help-bali-villagers
Quelle: Good Crowd GmbH

