Rückgewinnung von Terpentin aus der MDF-Produktion

Am Standort Baruth investiert die Classen-Gruppe in eine neue Anlage zur Rückgewinnung von Terpentin aus der MDF-Produktion. Die Anlage befindet sich derzeit im Bau und soll Ende 2026 in Betrieb gehen.

Künftig können dort bis zu 1.200 Tonnen Terpene pro Jahr gewonnen und als Rohstoff für industrielle Anwendungen bereitgestellt werden. Gleichzeitig trägt das von Classen entwickelte Verfahren dazu bei, die Terpenemissionen bei der Verarbeitung von Kiefernholz deutlich zu reduzieren.

Kiefernholz enthält von Natur aus ätherische Öle, sogenannte Terpene. Bei der Herstellung von MDF werden diese Stoffe durch Wärme aus dem Holz freigesetzt. Bislang gelangte ein Teil davon mit der Abluft des Trocknungsprozesses in die Atmosphäre. Terpene sind jedoch nicht nur für den typischen Geruch von Kiefernholz und Harz verantwortlich. Als flüchtige organische Verbindungen (VOC) können sie in der Atmosphäre an chemischen Reaktionen beteiligt sein, bei denen unter anderem bodennahes Ozon entsteht. Ihre Reduzierung stellt die Holzwerkstoffindustrie deshalb vor eine technische Herausforderung.

Mit den seit 2016 geltenden europäischen Emissionsanforderungen, den sogenannten BAT-AEL-Werten, wurden die Vorgaben für Industrieanlagen weiter konkretisiert. BAT-AEL steht für Emissionswerte, die mit den besten verfügbaren Techniken verbunden sind. Insbesondere bei der Verarbeitung von Kiefernholz ist deren Einhaltung anspruchsvoll, da Terpene nur sehr gering wasserlöslich sind und sich deshalb mit konventionellen nassen Abluftwäschen nur begrenzt abscheiden lassen.

Auch Classen hatte zunächst eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Parallel dazu begann das Familienunternehmen jedoch frühzeitig mit der Entwicklung einer eigenen technologischen Lösung.

Emissionen direkt im Produktionsprozess reduzieren 

Holzlager am Standort Baruth (Foto: Classen-Gruppe)

Grundlage dafür waren umfangreiche Betriebs- und Emissionsdaten des MDF-Werks in Baruth. Durch deren systematische Auswertung konnte Classen einen Punkt innerhalb des Produktionsprozesses identifizieren, an dem sich die Terpene in einem Dampfstrom stark anreichern. Das entwickelte Verfahren setzt deshalb nicht erst bei der Abluftreinigung an. Stattdessen wird der mit Terpenen angereicherte Dampf bereits im Hochdruckbereich des MDF-Prozesses gezielt entnommen. Auf diese Weise können die Terpene zu einem großen Teil aus dem weiteren Produktionsprozess ausgeschleust werden.

Seit mehr als drei Jahren wird dieses Verfahren am Standort Baruth eingesetzt. Der entnommene Dampf wird bislang im Kraftwerk energetisch genutzt. Nach Angaben von Classen liegen die relevanten Emissionswerte dadurch mehr als 50 Prozent unter den geltenden Grenzwerten. Aufgrund des erreichten technologischen Reifegrades zog das Unternehmen seinen Antrag auf Ausnahmegenehmigung im Jahr 2024 zurück.

Aus Emissionsminderung wird Rohstoffgewinnung

Mit der neuen Anlage geht Classen nun einen Schritt weiter. Statt den terpenhaltigen Dampf ausschließlich energetisch zu nutzen, wird dieser künftig kondensiert. Anschließend lässt sich das enthaltene Terpentin – ein Gemisch verschiedener natürlicher Terpene aus dem Kiefernholz – abtrennen. Die Prozessführung ist darauf ausgelegt, Verunreinigungen möglichst gering zu halten und so einen industriell nutzbaren Rohstoff zu gewinnen. Gleichzeitig wird die im Dampf enthaltene Wärme in den Produktionsprozess zurückgeführt.

MDF-Plattenproduktion (Foto: Classen-Gruppe)

Bei voller Auslastung sollen in Baruth jährlich bis zu 1.200 Tonnen Terpene gewonnen werden. Für diese bestehen verschiedene industrielle Einsatzmöglichkeiten. Terpene können beispielsweise als Ausgangsstoff für Duft- und Aromastoffe, Kampfer oder Menthol sowie für Additive in der Reifenindustrie eingesetzt werden. Darüber hinaus werden sie als mögliche biogene Ausgangsstoffe für die Herstellung von Sustainable Aviation Fuel (SAF) untersucht beziehungsweise genutzt. Damit verbindet das Verfahren zwei bislang getrennte Aufgaben: die Reduzierung von Emissionen aus der MDF-Produktion und die Gewinnung eines Rohstoffs aus einem Stoffstrom, der bisher nicht stofflich genutzt wurde.

Quelle: Classen-Gruppe

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