Die Weltrohstahlerzeugung sank in den ersten sieben Monaten 2026 um 0,6 Prozent auf 1,08 Milliarden Tonnen. Ausschlaggebend war vor allem China mit einem Produktionsrückgang von 3,1 Prozent. Dagegen legte die Erzeugung in Indien (+6,1 %), den USA (+6,0 %) und Deutschland (+8,1 %) deutlich zu. In China setzte sich der Produktionsrückgang im Juli mit minus 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat fort.
Das berichtet die IKB Deutsche Industriebank AG in ihrer neuesten Rohstoffpreis-Information. Die schwache Baukonjunktur belastet die Stahlnachfrage, während unter anderem die Automobilindustrie Wachstumsimpulse liefert. Der Konsolidierungsdruck in der chinesischen Stahlindustrie bleibt damit hoch. Für den europäischen Stahlmarkt gewinnt zugleich der Schutz vor globalen Überkapazitäten an Bedeutung. Seit Juli wurden die zollfreien Importkontingente um rund 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert und der Zoll auf Einfuhren oberhalb der Quoten von 25 auf 50 Prozent verdoppelt. Ende August konkretisierte die EU-Kommission zudem den „Melt-and-Pour“-Herkunftsnachweis, der Umgehungen über Drittländer erschweren soll.
Im August 2026 bewegten sich die Preise für Stahlalt- und Stahlneuschrott weitgehend seitwärts. Einer ferienbedingt schwachen Nachfrage der Stahlwerke stand ein ebenfalls reduziertes Schrottaufkommen gegenüber. Bestimmendes Marktthema waren die erheblichen Einschränkungen der Transportlogistik infolge des Niedrigwassers auf Rhein und Donau. Insbesondere im Süden und Westen Deutschlands waren Schiffstransporte teilweise kaum noch möglich, während Bahn und Lkw nur begrenzt als Alternative zur Verfügung standen. Auf der Exportseite zeigte sich die türkische Nachfrage nach Importschrott zuletzt etwas belebt und stützte damit das Preisniveau. Für September ist mit einer weitgehend stabilen bis leicht rückläufigen Preisentwicklung zu rechnen. Einer wieder anziehenden Nachfrage nach Ende der Werksferien stehen dabei zuvor aufgestaute Schrottmengen gegenüber.
Im August 2026 stiegen die Eisenerzpreise gegenüber dem Vormonat um 3,9 Prozent auf rund 94 US-Dollar pro Tonne. Auch der Preis für Kokskohle legte um 3,4 Prozent auf etwa 240 US-Dollar pro Tonne zu. Während die Rohstoffseite damit zuletzt wieder leichte Aufwärtsimpulse lieferte, bleibt die globale Stahlnachfrage insbesondere in China verhalten. Für den europäischen Stahlmarkt rechnet die IKB im weiteren Jahresverlauf dennoch mit steigenden Preisen. Neben den zuletzt höheren Rohstoffkosten dürfte insbesondere die seit Juli neue EU-Stahlschutzregelung preisstützend wirken: Das zollfreie Importvolumen wurde deutlich reduziert, Einfuhren oberhalb der Quoten mit einem Zoll von 50 Prozent belegt. Der dadurch geringere Importdruck dürfte den europäischen Stahlherstellern zusätzlichen Preissetzungsspielraum eröffnen.
Quelle: IKB Deutsche Industriebank AG




