HWWI-Rohstoffpreisindex: Preisverfall auf den Märkten für Eisenerz

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Der HWWI-Rohstoffpreisindex sank im August um durchschnittlich 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und lag 72,6 Prozent über seinem entsprechenden Vorjahreswert. Die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten wurde im August unter anderem durch die weltweit erneut ansteigenden Infektionszahlen beeinflusst.

Der Rückgang des Gesamtindex konnte im August auf die sinkenden Preise für Rohöl und für einige Industrierohstoffe zurückgeführt werden. Die Preise für Kohle und Erdgas hingegen stiegen im August gegenüber dem Vormonat stark an und auch einige Nichteisenmetalle, wie zum Bespiel Aluminium, verzeichneten Preisanstiege. Auch der Index für Nahrungs- und Genussmittel nahm im August durchschnittlich zu. Insbesondere die Preise für Genussmittel wie Kaffee und Zucker verzeichneten im August starke Preisanstiege und spiegelten damit die schlechten Erntebedingungen in den Anbauregionen in Südamerika wider.

Index für Energierohstoffe: -0,3 % (Eurobasis: +0,2 %)

Die Entwicklung der Rohölpreise im August wurde durch die weltweite Ausbreitung der Delta-Virusvariante, insbesondere in China, und durch die Verhandlungen der Organisation erdölexportierender Länder inklusive Russland (OPEC+) beeinflusst. Während die USA die OPEC+ aufforderte, ihre Produktion noch stärker als geplant zu erhöhen, um den derzeit hohen Benzinpreisen entgegenzuwirken, hielt die OPEC+ an ihrer monatlichen Produktionserhöhung von 400.000 Barrel pro Tag fest und begründete dies mit der Unsicherheit bezüglich des zukünftigen Nachfragewachstums aufgrund der Ausbreitung der Delta-Virusvariante. Die Rohölpreise für die europäische Referenzsorte Brent fielen bis zum 20. August auf 67 US-Dollar pro Barrel und stiegen dann bis zum Monatsende auf 72 US-Dollar pro Barrel. Der Anstieg in der letzten Augustwoche war zum Teil darauf zurückzuführen, dass China, ein wichtiger Nachfrager von Rohöl, Ende des Monats bekannt gab, dass es zum ersten Mal seit Juli keine neuen lokalen Infektionszahlen verzeichnet hatte.

Die Preise für Kohle stiegen hingegen im August weiterhin stark an. Während die südafrikanischen Kohlepreise im Vergleich zum Vormonat um durchschnittlich 12,0 % anstiegen, erhöhten sich die australischen Kohlepreise im Monatsdurchschnitt um 14,6 %. Der Höchststand des australischen Kohlepreises aus dem Jahr 2008 wurde damit im August erstmals überschritten. Der starke Anstieg der Kohlepreise ist auf eine erhöhte Nachfrage insbesondere aus China zurückzuführen, die weiterhin auf ein geschwächtes Angebot an Kohle trifft. Aufgrund einer Dürre im Frühjahr in einigen Regionen Chinas musste die Produktion einiger Wasserkraftwerke eingeschränkt werden, woraufhin die Nachfrage nach Kohle stieg. Die Hitzewelle in mehreren chinesischen Regionen führte ebenfalls zu einem Anstieg der Stromnachfrage für die Nutzung von Klimaanlagen. Neben der gestiegenen Nachfrage kam es im August auch zu einer Verknappung des Angebots, da schwere Regenfälle die Kohleminen in Indonesien überfluteten. Das von der chinesischen Regierung verhängte Einfuhrverbot für australische Kohle führt nach wie vor zu einer Verschiebung der Handelsrouten, was ebenfalls die Kohlepreise treibt.

Während die US-amerikanischen Erdgaspreise im Monatsdurchschnitt um 5,8 % stiegen, verteuerte sich europäisches Erdgas im Vergleich zum Vormonat sogar um 24,3 %. Damit lagen die europäischen Erdgaspreise im August auf einem für die Jahreszeit sehr hohen Niveau und sind etwa fünfmal so hoch wie im August 2020. Die hohen Preise spiegeln die leeren Erdgasspeicher in Europa wider. Aufgrund des langen Winters waren die europäischen Erdgasspeicher bereits stark geleert; ein Anstieg in der Nachfrage führte dazu, dass diese im Sommer nicht wieder aufgefüllt werden konnten. Je nachdem, wie sich die Temperaturen im kommenden Winter entwickeln, werden sich die erschöpften Lagerbestände weiterhin durch Preissteigerungen oder Versorgungsprobleme bemerkbar machen.

Insgesamt sank der Teilindex der Energierohstoffe um 0,3 % (Eurobasis: 0,2 %) auf 149,1 Punkte (Eurobasis: 140,5 Punkte).

Index für Industrierohstoffe: -10,6 % (Eurobasis: -10,3 %)

Der Teilindex für Industrierohstoffe gliedert sich in den Index für Agrarrohstoffe, den Index für Nichteisenmetalle und den Index für Eisenerz und Stahlschrott.

Der Teilindex für Eisenerz und Stahlschrott fiel im August um durchschnittlich 21,8 % gegenüber dem Vormonat. Der starke Rückgang ist insbesondere auf den Preisverfall auf den Märkten für Eisenerz zurückzuführen. Grund für den Rückgang ist die Einschränkung der Stahlproduktion in China aus Gründen des Klimaschutzes.

Auf den Märkten für Nichteisenmetalle waren im August größtenteils Preissteigerungen zu beobachten. Insbesondere die Preise für Aluminium stiegen im August gegenüber dem Vormonat. Der gestiegenen Nachfrage aufgrund der weltweit laufenden Konjunkturmaßnahmen stand ein Rückgang des Angebots gegenüber. In China mussten in den letzten Monaten einige Produktionsanlagen aufgrund von Stromengpässen die Produktion drosseln. Darüber hinaus versucht die chinesische Regierung, die emissionsreiche Produktion von Aluminium einzuschränken, um die CO2-Emissionen des Landes zu verringern. Die dadurch zu erwartende Angebotsverknappung auf dem Aluminiummarkt führte zu einem Anstieg der Preise, die im August um ca. 50 % über dem Durchschnittswert des Vorjahresmonats lagen. Der Kupferpreis hingegen verzeichnete im August einen leichten Rückgang. Als häufig genutztes Konjunkturbarometer könnte der niedrigere Kupferpreis auf die erhöhte Unsicherheit aufgrund der fortschreitenden Delta-Virusvariante hinweisen.

Im August ist der Index für agrarische Industrierohstoffe im Vergleich zum Vormonat im Durchschnitt gesunken. Die Holzpreise fielen im Vergleich zum Juli-Durchschnitt um weitere 29,5 %. Nach dem extremen Preisanstieg im Mai erreichten die Preise bereits wieder das Vorkrisenniveau. Der Weltmarktpreis für Wolle lag im August auf einem historischen Tiefstand. Der Preisrückgang wurde durch eine gesunkene Nachfrage aufgrund veränderter Konsumgewohnheiten in der Modebranche verursacht.

Insgesamt fiel der Index für Industrierohstoffe im Monatsdurchschnitt um -10,6 % (Eurobasis:  -10,3 %) auf 190,0 Punkte (Eurobasis: 179,2 Punkte).

Quelle: HWWI

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