Brom in Elektronikschrott: Industrielles Verfahren zur Rückgewinnung

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Elektro-Schrott (Quelle: Harald Heinritz / abfallbild.de)

Bromierte Flammschutzmittel in Elektro(nik)schrott macht das Recycling zu einer Herausforderung. Die Grillo-Werke AG hat ein Verfahren entwickelt, das Bromverunreinigungen in unterschiedlichen Abfall- und Produktströmen zu unkritischem Bromid umwandeln kann. Die „Grillo-Brom-Reduktion“ ist ein neuer, patentierter Prozess der sich am Standort Duisburg schon im industriellen Einsatz bewährt.

In Deutschland müssen jährlich 1,7 Millionen Tonnen Elektro(nik)schrott recycelt werden. Aufgrund halogenierter Flammschutzmittel können dabei toxische freie Halogene oder Oxo-Halogenverbindungen (z. B. die hochgiftigen und krebsauslösenden Bromate) entstehen. Bei der Aufbereitung von metallisch-oxidischen Reststoffen aus der Aufbereitung von E-Schrott stellte sich den Experten in Duisburg die Herausforderung, Bromverunreinigungen zu entfernen und in unkritische, leicht zu handhabende Stoffe zu überführen.

Die durch Forschung & Entwicklung und Produktion entwickelte „Grillo-Brom-Reduktion“ nutzt dabei das Reduktionspotenzial von Natriumhydrogensulfit. Was auf den ersten Blick simpel für den Fachmann aussieht, ist in Wirklichkeit ein neuartiger Weg, giftiges Bromat bereits an seiner Entstehung zu hindern. Es werden nicht nur Bromdämpfe ungefährlich gemacht, sondern das entstehende, bromidhaltige Produkt kann leicht, sicher und umweltverträglich transportiert und weiterverwendet werden. Das Verfahren erweitert die Kreislaufwirtschaft im Bereich Elektroschrott dabei um das Element Brom. Das wertvolle, aber schwer handhabbare Element Brom kann dabei zurückgewonnen und zum Beispiel als Rohstoff für Flammschutzmittel wieder eingesetzt werden.

Skalier- und auch auf andere Prozesse übertragbar

„Wir sind stolz, ein industriell einsetzbares, höchst effizientes Verfahren entwickelt zu haben, und dass in den Folgeprodukten keinerlei Brom mehr nachgewiesen werden kann“, sagt Dr. Oliver Groß. Die verantwortliche Entwicklerin, Dr. Céline Réthoré, führt weiter aus „dass der Vorteil nicht zuletzt darin liegt, dass das Verfahren industriell skalierbar ist und den Hauptprozess in keiner Weise beeinträchtigt.“ Herausragend hierbei: Das Verfahren lässt sich auch auf andere Prozesse übertragen, bei denen Iod, Brom oder Chlor eine Rolle spielen.

Das Verfahren wird auch schon zur Abluftwäsche für Laborräume und -abzüge eingesetzt. Ebenfalls möglich ist der Einsatz des Verfahrens im Bereich Pharma, Agrochemicals und Galvanik – eben überall dort, wo halogenhaltige und insbesondere iod- und bromhaltige Materialströme aufgereinigt werden müssen. Grillo sucht Partner, um auch in anderen Bereichen einen ökologisch idealen Umgang mit Halogenverbindungen zu ermöglichen.

Quelle: Grillo-Werke Aktiengesellschaft

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