Haushaltslöcher dürften nicht zulasten der Kreislaufwirtschaft gestopft werden.
1,4 Milliarden Euro Mehreinnahmen pro Jahr zur Konsolidierung des Bundeshaushalts – das verspricht sich die Bundesregierung von ihrem neuesten Kabinettsbeschluss. Was erst einmal wünschenswert klingt, ist bei genauerem Hinsehen viel zu kurz gedacht und wird die Wirtschaft in Deutschland auf lange Sicht nur noch mehr belasten und abhängiger machen – meint das Unternehmen Werner & Mertz GmbH.
Die Rede ist von einer geplanten „Plastikabgabe“: „Seit 2021 gibt es bereits eine EU-Plastiksteuer, nach der jeder Mitgliedstaat 80 Cent für jedes Kilogramm nicht recycelte Kunststoffverpackungen zahlen muss. In Deutschland sind es rund 1,7 Millionen Tonnen Plastikmüll im Jahr – das entspricht 1,4 Milliarden Euro. Bislang wurde dies durch Steuermittel finanziert, also letztlich von den Bürgern getragen. Die geplante Plastikabgabe sieht vor, die Kosten zukünftig auf die Inverkehrbringer von Plastikverpackungen umzulegen.“
Nach Ansicht von Werner & Mertz wird dabei nicht unterschieden zwischen Kunststoffverpackungen aus Virgin Material und solchen aus recyceltem Altplastik – was für die sowieso schon angeschlagene Recyclingbranche in Deutschland zusätzliche Unsicherheit bedeute: Denn den Inverkehrbringern fehle es nach wie vor an Anreizen, in teureres Rezyklat zu investieren. Die zusätzlichen Kosten führten stattdessen eher dazu, dass noch weniger Rezyklatverpackungen nachgefragt werden. Das könnte die Investitionen in Recyclinganlagen komplett zum Erliegen bringen.
Unabhängigkeit von fossilen Erdölquellen müsse Priorität haben
Aus diesem Grund lehnt Werner & Mertz die geplante Plastikabgabe als rein fiskalisches Instrument entschieden ab. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Kreislaufwirtschaft in Deutschland dürften nicht noch mehr verschärft werden, nur um kurzfristig allgemeine Haushaltslöcher zu stopfen.
Das wäre nicht nur ökologisch ein Desaster, sondern hätte auch gewaltige wirtschaftliche und sicherheitspolitische Risiken für Deutschland zur Folge: Denn in Zeiten von steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, fragilen Lieferketten und neuen sicherheitspolitischen Bedrohungen sei Kreislaufwirtschaft eine Strategie zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit und wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Es sollte für Deutschland Priorität haben, sich auf den Weg zur Erdölunabhängigkeit zu machen – alleine schon, um sich politisch weniger erpressbar zu machen.
Schon jetzt leide die deutsche Recyclingbranche massiv, stellt Werner & Mertz fest. Und tatsächlich wurden in den vergangenen Monaten im Kunststoffrecyclingsektor vermehrt Standorte geschlossen, Anlagen stillgelegt und Insolvenzen angemeldet, da preisbedingt die industrielle Nachfrage nach hochwertigen Rezyklaten immer weiter gesunken ist. Die Recycler, die zum Großteil dem Mittelstand angehören, bräuchten gerade jetzt Anreize und Sicherheit für Investitionen in hochwertige Sortiertechnologien, spricht sich das Unternehmen aus.

„Die deutsche Plastikabgabe wäre in ihrer derzeit vorgeschlagenen Ausgestaltung nicht hilfreich“, meint Werner & Mertz-Inhaber Reinhard Schneider. „Sie ist eine zusätzliche Belastung für den Wirtschaftsstandort Deutschland, ohne jegliche Förderung der Kreislaufwirtschaft. Wir fordern stattdessen eine Ökomodulation im Rahmen von Paragrafen 26 des VerpackDG, die eine Lenkungswirkung aufweist und den Klimaschutz sowie die deutsche Rohstoffresilienz unterstützt.“
Ökomodulation statt Mehrbelastung
Werner & Mertz schlägt dagegen eine pragmatische Umsetzung vor, wie hochwertiges Recycling in Deutschland gezielt gefördert werden kann: Die Idee ist, dass sämtliche Inverkehrbringer von Kunststoffverpackungen ein minimal erhöhtes Lizenzentgelt zahlen, das über die Lizenz gebenden Dualen Systeme an eine neutrale Stelle, die den Fonds verwaltet, unmittelbar abgeführt wird. Die Inverkehrbringer von Verpackungen aus Rezyklat könnten dann im nächsten Schritt einen Erstattungsbetrag für die Menge der in Verkehr gebrachten Rezyklate stellen, der höher sei als der zuvor abgeführte Betrag. Das würde einen ausreichenden finanziellen Anreiz schaffen, Rezyklate einzusetzen. Werner & Mertz wertet das als wirksame Skalierungshilfe für hochwertige Kreislaufwirtschaft.
Das mittelständische Unternehmen zeigt sich seit vielen Jahren beispielhaft, wie eine erfolgreiche Umsetzung des Kreislaufprinzips gelingen kann. Als Vorreiter in der konsequenten Nutzung von Post-Consumer-Rezyklaten hat Werner & Mertz im Juni 2025 – nach eigenen Angaben – einen neuen Rekord aufgestellt: Eine Milliarde Flaschen aus 100 Prozent recyceltem Altplastik kann das Unternehmen im Rahmen seiner Recyclat-Initiative verzeichnen. Dieses Jahr feiert Frosch, die bekannteste Marke des Familienunternehmens, ihren 40. Geburtstag.
Quelle: Werner & Mertz GmbH




