Wasserknappheit in Deutschland – Wenn das Wasser knapp wird

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Im Frühsommer waren einige Regionen in Deutschland nicht ausreichend mit Wasser versorgt. In manchen Gegenden der Welt ist das traurige Normalität.

Man macht den Wasserhahn im Badezimmer oder der Küche an, und schon fließt ein kräftiger Strahl der lebensnotwendigen Flüssigkeit heraus. Diesen Luxus haben die meisten Menschen hierzulande, und man kann es sich kaum vorstellen, wie es wäre, wenn man plötzlich buchstäblich auf dem Trockenen sitzen würde. In einigen Teilen von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt kam es vor einigen Wochen dazu: Die Versorgung mit Wasser war zeitweise unterbrochen. Der Grund dafür: die Hitzewelle, die Deutschland im Frühsommer erfasst hatte. Allerdings war nicht der Mangel an Grundwasser schuld an den versiegten Wasserhähnen.

Auf dem Trockenen
Ab Anfang Mai herrschten in manchen Regionen Deutschlands Temperaturen von bis zu 30 Grad, zudem hat es über Wochen nicht geregnet. Diese Wetterlage hat nicht nur den Menschen zunehmend zugesetzt, sondern auch der Natur. Nutzpflanzen und Tieren fehlte der überlebenswichtige Regen, weshalb sie auf andere Weise mit Wasser versorgt werden mussten. Um ihre Erträge zu retten und ihre Tiere am Leben zu erhalten, mussten Landwirte besonders häufig die Wasserleitungen bemühen. Weil aber auch ihre Mitbürger wegen der Hitze einen größeren Bedarf an Wasser hatten, kam es in einigen Regionen zu Engpässen bei der Versorgung. Paradoxerweise war jedoch zu jeder Zeit der Grundwasserspiegel ausreichend hoch, um die Menschen theoretisch mit Wasser zu versorgen. Praktisch kam es jedoch zu Problemen mit dem Wasserdruck. Da sehr viele Menschen gleichzeitig den Wasserhahn öffneten, reichte der Druck nicht mehr aus, um alle Haushalte mit Wasser zu versorgen. Betroffen von diesem Umstand waren vor allem Gegenden, die außerhalb von städtischen Ansiedlungen liegen, weil die Wasserleitungen zu ihnen besonders lang sind. Absurd ist die zeitweise Unterversorgung mit Wasser auch dann, wenn man betrachtet, wie sehr der Preis für Trinkwasser in den letzten Jahren gestiegen ist. Um sicherzustellen, dass alle Nutzer ausreichend Wasser erhalten, raten die Trinkwasserverbände dazu, besonders bei Hitze auf den unnötigen Verbrauch von Wasser zu verzichten.

Wasserverbrauch verringern
Dass man bei sehr warmem Wetter mehr Wasser trinken muss, ist allzu verständlich und auch dringend nötig. Vor allem bei Kindern sowie älteren und kranken Menschen muss die Versorgung mit Flüssigkeit gewährleistet sein. Um zu verhindern, dass zu viele Menschen zugleich Wasser benötigen, sollte man beispielsweise bei Hitze darauf verzichten, sein Auto zu waschen. Auch das Sprengen des Rasens sollte nicht allzu exzessiv betrieben werden. Und auch wenn es den Kindern sehr viel Spaß macht, im Planschbecken herumzutollen: Auch zum Füllen der Becken muss lange viel Wasser fließen, was an anderen Stellen den Fluss zum Erliegen bringt.

Die Situation in anderen Ländern
Deutschland gehört zu den Ländern, die sich nicht über eine Unterversorgung mit Trinkwasser beklagen können. Etwa 188 Milliarden Kubikmeter Wasser stehen den Deutschen pro Jahr zur Verfügung, von denen lediglich 33,1 Milliarden tatsächlich genutzt werden. Das entspricht einem Anteil von nicht einmal einem Fünftel. Die restlichen vier Fünftel bleiben dagegen ungenutzt. Diese enormen Zahlen führen dazu, dass man als Deutscher dazu tendiert, verschwenderisch mit Wasser umzugehen. Man lässt die Dusche oder den Wasserhahn unnötig laufen oder schüttet Trinkwasser weg, wenn es schon ein paar Tage alt ist. Dabei gibt es Regionen auf der Erde, in denen eine große Anzahl an Menschen keine ausreichende Versorgung mit Trinkwasser erfährt. Etwa 770 Millionen Menschen weltweit haben derzeit keinen Zugriff auf sauberes Wasser, was vor allem auf Länder in Afrika, Ost- und Südostasien zutrifft. Dramatisch ist dieser Zustand vor allem deshalb, weil die Menschen, die unter Wassermangel leiden, zugleich von Hunger betroffen sind. So sind nur 61 Prozent der Afrikaner, die südlich der Sahara leben, sowie der Bewohner Ozeaniens ausreichend mit Trinkwasser versorgt. Zwar gibt es schon seit längerem Bemühungen, die betroffenen Regionen besser an die Wasserversorgung anzubinden. Dies ist jedoch nicht überall möglich. So leiden in Zentralafrika nach wie vor sehr viele Menschen unter einem Mangel an Trinkwasser. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern – im Gegenteil: Viele Fachleute gehen davon aus, dass es in einigen Jahrzehnten zu globalen Engpässen bei der Wasserversorgung kommen wird. Selbst einige Länder in Europa werden demzufolge Probleme bekommen.

Autor: Chris Fenton