EU-Kommission will elektronische Lkw-Abbiegeassistenten einführen

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Abbiegeunfälle von Lkw mit Radfahrern haben oft schwerste Folgen (Foto: ADFC/Jens Lehmkühler)

Elektronische Abbiegeassistenten für Lkw und Busse sollen zukünftig europaweit für mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer sorgen.

Das steht in der neuen „General Safety Regulation“, die am 17. Mai 2018 von der EU-Kommission vorgestellt wurde und die Zahl von Verkehrstoten und Verletzten im Straßenverkehr senken soll. Auch eine bessere Sicht aus Fahrerkabinen und Notbremssysteme für neue Pkw stehen auf der Verkehrssicherheitsagenda.

Die Zahl der durch abbiegende Lkw getöteten Radfahrer steigt seit einigen Jahren stetig an. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres wurden 16 Radfahrende durch Lkw getötet. Zuletzt ein Schulkind in Köln. Burkhard Stork, Bundesgeschäftsführer des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Köln e.V.) sagt: „Allein in Deutschland sterben pro Jahr 30 bis 40 Menschen durch abbiegende Laster, über 600 Radunfälle mit abbiegenden Lkw gibt es pro Jahr.“

Die meisten Unfälle an ampelgeregelten Kreuzungen

Eine Auswertung der Unfalldatenbank der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ergab, dass zwei Drittel der Radfahrer, die mit rechts abbiegenden schweren Lkw kollidierten, Frauen waren. 40 Prozent der an solchen Unfällen beteiligten Radfahrer waren Senioren ab 65 Jahre. Die meisten Unfälle geschahen an ampelgeregelten Kreuzungen, während der Radfahrer Grün hatte. Damit ist für UDV-Leiter Siegfried Brockmann die gängige Annahme widerlegt, dass es sich hier um besonders schnelle oder rüpelhafte Radfahrer handeln könnte. Für die Lkw-Geschwindigkeit zeigen Studien, dass diese zwar situationsbedingt niedrig ist, der Lkw aber meist vor dem Abbiegevorgang nicht zum Stillstand gekommen ist.

Unvermeidliche menschliche Fehler müssten in Zukunft deshalb besser durch Abbiegeassistenten angezeigt und damit vermieden werden. Für einen solchen Assistenten, der Radfahrer im Gefährdungsbereich zuverlässig erkennt und den Lkw-Fahrer warnt, hat die UDV auf Basis ihrer Unfalldatenbank errechnet, dass dadurch rund 60 Prozent aller schweren Lkw-Fahrrad-Unfälle vermieden werden könnten.

Quelle: bvse