Pilotanlage Carbontrans: „Zweites Leben“ für Plastikmüll und Braunkohle

616
RWE-Kraftwerk (Foto: Pixabay)

Das Land Sachsen-Anhalt investiert weiterhin kräftig in den Ausbau der Forschungslandschaft: Das Kabinett hat am 17. April auf Vorschlag des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung beschlossen, für die Errichtung der neuartigen Pilotanlage „Carbontrans“ in Leuna (Saalekreis) bis 2024 rund 15 Millionen Euro einzuplanen.

Weitere 15 Millionen Euro soll der Bund beisteuern. Die geplante Anlage des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS (Halle) kann den Weg bereiten, um heimische Braunkohle und kohlenstoffhaltige Abfälle wie Plastikmüll als Rohstoffe für die chemische Industrie nutzbar zu machen. Mit dem Kabinettsbeschluss macht Sachsen-Anhalt den Weg frei für die anstehenden Beratungen im Fraunhofer-Ausschuss, der abschließend über die gemeinsame Finanzierung von Fraunhofer-Investitionsvorhaben entscheidet.

Minister Armin Willingmann betont: „Mit der neuen Pilotanlage schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits eröffnet die stoffliche Nutzung eine Perspektive für die heimische Braunkohle, andererseits kann unsere Chemieindustrie unabhängiger von Erdöl und Erdgas werden. Beides stärkt Wertschöpfung und Beschäftigung in Sachsen-Anhalt und schont obendrein das Klima. Dadurch kann die Pilotanlage einen zentralen Anteil leisten, um eine innovative, emissionsarme Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft zu etablieren und den anstehenden Strukturwandel in Kohleregionen erfolgreich zu gestalten.“

Damit schließt sich der Kohlenstoff-Kreislauf

Bislang werden kohlenstoffhaltige Abfälle wie Plastikmüll weitgehend verbrannt – dabei wird viel CO2 freigesetzt. Eine neuartige Technologie zur Vergasung soll es ermöglichen, aus den Abfällen in Verbindung mit Braunkohle wieder Grundstoffe für die chemische Industrie zu gewinnen – damit schließt sich der Kohlenstoff-Kreislauf. Deshalb soll die Pilotanlage „Carbontrans“ in den Energie- und Stoffverbund des Chemie-Standortes Leuna integriert werden.

Am Projekt unter Leitung des Fraunhofer IMWS sind zahlreiche Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft beteiligt, unter anderem die Mibrag und die Romonta. Durch die 30-Millionen-Euro-Investition sollen circa 30 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Feinplanungen werden voraussichtlich bis 2021 laufen; der Bau der Pilotanlage ist ab 2022 vorgesehen. Voraussetzung für die Errichtung der Pilotanlage ist außerdem die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zunächst in Aussicht gestellte Finanzierung einer Forschungsanlage an der Bergakademie im sächsischen Freiberg. Gibt das BMBF endgültig grünes Licht für die Förderung, soll der neuartige Reaktor zur Vergasung von Braunkohle und kohlenstoffhaltigen Abfällen dort  entwickelt und getestet werden – anschließend ist der Einbau in die Pilotanlage in Leuna geplant.

Quelle: Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt