Alttextilsammlung: Ohne Schließung der Finanzierungslücken droht das Aus

GftZ fordert kurzfristige finanzielle Unterstützung durch Länder und Kommunen – Erweiterte Herstellerverantwortung kommt für viele Sammler zu spät.

Die Situation auf dem deutschen Alttextilmarkt spitzt sich dramatisch zu. Zahlreiche Sammel- und Sortierunternehmen mussten bereits Insolvenz anmelden. Gemeinnützige Organisationen müssen ihre Sammlungen einstellen. Die Folgen dieser Entwicklung sind inzwischen vielerorts deutlich sichtbar: Sammelcontainer werden abgezogen, Standorte aufgegeben, die verbliebenen Container sind nicht ausreichend für das erhöhte Aufkommen und die Kapazitäten sind erschöpft. Ohne kurzfristige Gegenmaßnahmen droht in zahlreichen Regionen die vollständige Einstellung der Alttextilsammlung.

Erweiterte Herstellerverantwortung lässt weiter auf sich warten

Eine nachhaltige Lösung soll die Einführung der Erweiterten Herstellerverantwortung sein. Doch die dringend benötigte gesetzliche Regelung lässt weiterhin auf sich warten. Bereits die Vorlage eines entsprechenden Referentenentwurfs verzögert sich immer weiter. Für viele Unternehmen und gemeinnützige Sammler kommt eine solche Regelung zu spät.

„Wir können nicht warten, bis die letzten funktionierenden Sammelstrukturen zusammengebrochen sind. Wenn die bestehenden Systeme erst einmal verschwunden sind, wird ihr Wiederaufbau erheblich aufwendiger und teurer“, warnt die GftZ.

Hinzu kommt eine zunehmende Wettbewerbsverzerrung innerhalb Europas: Während in mehreren europäischen Nachbarländern bereits Systeme der Erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien eingeführt wurden, müssen deutsche Sammler weiterhin ohne eine vergleichbare Finanzierung auskommen. Dies führt zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen und verschärft die wirtschaftliche Schieflage zusätzlich.

Länder und Kommunen müssen Finanzierungslücke überbrücken

Bis zur Einführung und praktischen Umsetzung einer gesetzlichen Herstellerverantwortung braucht es deshalb dringend eine Übergangslösung. Aus Sicht der GftZ sind jetzt die Länder und Kommunen gefordert, die bestehende Finanzierungslücke vorübergehend zu schließen. Nur so können die vorhandenen Sammelstrukturen erhalten und eine flächendeckende Erfassung von Alttextilien weiterhin gewährleistet werden.

Finanzierungsbedarf von mindestens 15 bis 25 Cent je Kilogramm

„Die individuelle Schließung der Finanzierungslücke bei der Alttextilsammlung muss sich am tatsächlichen Aufwand, an der Region und an der Qualität der gesammelten Textilien orientieren. Nach unseren Kalkulationen liegt der Finanzierungsbedarf bei mindestens 15 bis 25 Cent je Kilogramm“, erklären Vertreter der GftZ.

Zu den wesentlichen Kostenbestandteilen einer funktionierenden Alttextilsammlung gehören insbesondere:

• Bereitstellung, Unterhaltung und Instandhaltung der Sammelcontainer
• Bedarfsgerechte Leerung und Betreuung der Sammelstandorte
• Entfernung und Entsorgung von Fehlwürfen, Müll und Störstoffen
• Verpackung und Handling der gesammelten Textilien
• Verladung und Transport

Jetzt handeln, bevor die Sammelstrukturen unwiederbringlich verloren gehen

Die GftZ appelliert eindringlich an die politischen Entscheidungsträger auf Landes- und kommunaler Ebene, unverzüglich geeignete Modelle zur Überbrückung der Finanzierungslücken zu schaffen. Die Alttextilsammlung ist ein wesentlicher Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Sie ermöglicht die Wiederverwendung von Kleidung, die stoffliche Verwertung von Textilien und trägt zur Schonung wertvoller Ressourcen bei.

Ohne eine kurzfristige Überbrückung der Finanzierungslücke droht jedoch der Verlust gewachsener Sammel- und Sortierstrukturen. Die Politik muss jetzt handeln, damit die Alttextilsammlung auch künftig flächendeckend funktioniert.

Quelle: Gemeinschaft für textile Zukunft (GftZ)

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