Neue Studie warnt vor Engpässen bei hochwertigem Stahlschrott
Die Transformation der deutschen Industrie lässt den Bedarf an hochwertigem Stahlschrott deutlich steigen. Ohne zusätzliche Maßnahmen zeichnen sich bereits ab 2030 rechnerische Versorgungslücken bei hochwertigen Schrottqualitäten ab. Das zeigt die neue Studie „Schlüsselrohstoff Schrott – Die industrielle Transformation braucht eine sichere Rohstoffversorgung“ von Prof. Frank Pothen und Florian Jankowski von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena.
Besonders deutlich wird dies in der Gießerei-Industrie: Mit der weitgehenden Umstellung auf elektrische Induktionsöfen kann der Bedarf an hochwertigem Stahlschrott von heute rund 1,2 Millionen Tonnen auf 1,8 bis 2,6 Millionen Tonnen jährlich im Jahr 2045 steigen. Gleichzeitig wächst durch die Transformation der Stahlindustrie auch hier die Nachfrage nach denselben hochwertigen Schrottqualitäten. Im Jahr 2045 liegt der gemeinsame Bedarf von Gießerei- und Stahlindustrie an hochwertigem Stahlschrott im Mittelwert der betrachteten Szenarien bei rund acht Millionen Tonnen. Ohne eine Ausweitung des Angebots ergibt sich bis 2045 eine rechnerische Versorgungslücke von 2,0 Millionen Tonnen jährlich, wie die im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) erstellte Studie herausarbeitet.
Recyclingkreisläufe und gezielte Investitionen – die gemeinsame Rohstoffbasis sichern
„Wer die Transformation der Stahlindustrie gestaltet, muss die Transformation der Gießerei-Industrie mitdenken. Beide Branchen brauchen dafür hochwertigen Schrott – einen strategischen Rohstoff, um den der Wettbewerb weiter zunimmt. Unsere Studie zeigt: Ohne zusätzliche Maßnahmen drohen bereits ab 2030 Versorgungslücken bei hochwertigen Schrottqualitäten. Umso wichtiger ist es, jetzt die gemeinsame Rohstoffbasis zu sichern und dabei auch den Zugang mittelständischer Gießereien zu diesen Qualitäten zu gewährleisten. Dafür brauchen wir leistungsfähige europäische Recyclingkreisläufe und gezielte Investitionen in die Sortierung und Aufbereitung. Schrottversorgung ist deshalb Klima-, Rohstoff- und Standortpolitik zugleich“, sagt Dr. Martin Theuringer, Hauptge-schäftsführer des BDG.
Für die überwiegend mittelständischen Gießereien verschärft sich damit der Wettbewerb um hochwertige Schrottqualitäten. Sie können sich den Zugang zu solchen Rohstoffströmen oft nicht über Closed-Loop-Modelle oder die Übernahme von Recyclingunternehmen sichern. Entscheidend ist deshalb, das Angebot an hochwertigen Recyclingrohstoffen zu erhöhen. Ausgediente Produkte müssen besser demontiert, Metalle sortenreiner erfasst und Altschrotte hochwertiger aufbereitet werden. Investitionen in moderne Sortier- und Aufbereitungstechnik sollten gezielt gefördert werden. Die Studie verweist hierfür unter anderem auf die Umsetzung der EU-Altfahrzeugverordnung, die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie und den geplanten europäischen Circular Economy Act.
Der BDG fordert deshalb eine nationale Schrottstrategie, die die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie und ihr Aktionsprogramm ergänzt und konkretisiert. Im Mittelpunkt muss stehen, mehr hochwertigen Stahl- und Aluminiumschrott für die industrielle Produktion verfügbar zu machen und den wettbewerbsfähigen Zugang insbesondere für mittelständische Gießereien zu sichern.
Dafür braucht es gezielte Investitionen in moderne Sortier- und Aufbereitungstechnologien sowie eine verlässliche Datenbasis zu den tatsächlich verfügbaren Schrottqualitäten. Entscheidend ist nicht allein, wie viel Schrott recycelt wird, sondern ob er der Industrie in der benötigten Qualität zur Verfügung steht.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e. V.



