Kunststoffe brauchen differenzierte Kreislaufregulatorik. Ein Kommentar von Michael Weigelt, Geschäftsführer TecPart.
Der mengenmäßige Rückgang der Kunststoffverarbeitung von 2023 auf 2025 um nahezu fünf Prozent – bei einem deutlich geringeren Rückgang des Kunststoffverbrauchs – zeigt den wachsenden Druck auf den Industriestandort Deutschland. Für den kunststoffverarbeitenden Mittelstand ist das ein Warnsignal: Industrielle Wertschöpfung und Marktanteile wandern zunehmend ins Ausland ab.
Ein Auto ist keine PET-Flasche: Technische Kreisläufe brauchen eigene Lösungen
Rund zwei Drittel der in Deutschland verarbeiteten Kunststoffe fließen in langlebigere Anwendungen, etwa im Fahrzeug- und Maschinenbau, in Elektrogeräten oder Bauprodukten. Diese müssen über viele Jahre zuverlässig funktionieren und hohe Anforderungen an Sicherheit, Festigkeit oder Temperaturbeständigkeit erfüllen.
„Ein Auto ist keine PET-Flasche. Technische Kunststoffprodukte haben deutlich längere Lebenszyklen, ein breiteres Materialspektrum und oft höhere Material- und komplexere Recyclinganforderungen als
meist kurzlebige Verpackungen. Differenzierte Kreislaufziele sind daher erforderlich, allein schon wegen der unterschiedlichen Abfallstoffströme. Wirksame Rezyklateinsatzquoten müssen so ausgestaltet sein, dass sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen sowohl unter wirtschaftlichen als auch unter ökologischen Gesichtspunkten stärken“, betont Michael Weigelt, Geschäftsführer von TecPart.
In der Kunststoffverarbeitung sind hochwertige industrielle Materialkreisläufe etabliert. So weist das Stoffstrombild für 2025 rund 723.000 Tonnen Kunststoffabfälle und Nebenprodukte aus Produktion und Verarbeitung aus. Dies entspricht mengenmäßig rund sechs Prozent der gesamten Kunststoffverarbeitungsmenge in Deutschland. Diese industriellen Stoffströme bieten Potenzial für die hochwertige Kreislaufführung, beispielsweise durch den erneuten Einsatz aufbereiteter Materialien in technischen Gehäusen oder Bauteilen für den Maschinenbau. Dadurch können fossile Primärrohstoffe ersetzt werden. Rezyklate aus Konsumentenabfällen stellen aktuell 13,6 Prozent der verarbeiteten Kunststoffmenge dar.
„Bei gesetzlichen Mindestrezyklatquoten, die ausschließlich Post-Consumer-Rezyklate berücksichtigen, bleiben hochwertige Post-Industrial-Rezyklate bislang unberücksichtigt. Um
möglichst viel Kunststoffrezyklat in hochwertige Produkte zu bekommen, ist die Anerkennung
der Rezyklate aus Industrieabfällen jedoch dringend erforderlich“, mahnt Michael Weigelt.
Zudem ist eine gezielte Förderung des Recyclings und damit des Einsatzes von Rezyklaten erforderlich. Hier wäre eine Vereinfachung bürokratischer Auflagen wie auch die Senkung der Energiekosten ein wichtiger erster Beitrag, um das derzeitige „Sterben der Recycler“ aufzuhalten.
Gut gemeint ist nicht gut gemacht: Fehlanreize gefährden die Kreislaufwirtschaft
Eine Werkstoffdiskriminierung durch eine Kunststoffverpackungssteuer sollte unbedingt vermieden werden, birgt sie doch das Risiko einer ökologischen Fehlsteuerung, indem sie den Wechsel zu möglicherweise emissionsintensiveren Verpackungsmaterialien begünstigt. Zugleich kann dadurch die Menge recyclingfähiger Kunststoffabfälle reduziert werden. Damit könnten sowohl der Klimaschutz als auch die Kunststoffkreislaufwirtschaft geschwächt werden.
„Kreislaufwirtschaft braucht wirtschaftliche Lösungen. Wer hochwertige industrielle Kreisläufe stärken will, muss die unterschiedlichen Lebenszyklen und technischen Anforderungen von Kunststoffprodukten berücksichtigen. Wir brauchen Regeln, die Ressourcenschonung fördern, und funktionierende Kreisläufe stärken – so kann dann auch im ökologischen Sinne die Wettbewerbsfähigkeit unserer heimischen Kunststoffverarbeiter und Recycler gesichert werden“, fordert Michael Weigelt.
Quelle: TecPart


